Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1936)
- Article
- Das Wirtschafts-Barometer: Mai 1936
- Date
- 1936-06-01
- Page
- Seite 299 (sequence 5)
- Language
- German
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Pflanzern bereitet, haben sich bereits — mindestens in der öffentlichen Diskussion — zu einem Programm sehr dezidierter Forderungen an die Palästina-Regierung verdichtet. Man verlangt ein Verbot der Neuanpflanzungen oder doch allenfalls eine starke Einschränkung, fernerhin eine noch stärkere Qualitäts-Auslese bei der Ausfuhr als schon bisher, weiter eine dauernde Senkung der Landwirtschaftssteuer, unter Umständen auch direkte Exportsubventionen (wie sie schon jetzt das benachbarte Ägypten seiner stark geförderten Zitruswirtschaft gewährt!), sodann eine umfassende Zollvergünstigung in Großbritannien im Sinne der für Palästina bisher versagten »Imperial Preference«, schließlich eine stärkere handelspolitische Initiative der Regierung, um den palästinensischen Zitrusfrüchten bequemeren Zugang auch zu anderen Absatzmärkten zu sichern, insbesondere nach dem Prinzip der Reziprozität, zu den Märkten solcher Staaten, die ihrerseits große Lieferanten des palästinensischen Importes sind. Neben diesen rein wirtschaftlichen Fragen berührt, wie ja gar nicht anders zu erwarten, auch das politische Geschehen dieser Zeit die Interessen der Zitrusproduktion. Wie wird sich in Zukunft das geschäftliche und wirtschaftspolitische Zusammenwirken der jüdischen Zitruspflanzer (etwa 60% der Produktion) und der arabischen Zitruspflanzer (etwa 40% der Produktion) gestalten? Welche Lösung wird nunmehr das in den letzten Jahren heiß umstrittene und sehr brennend gewesene Problem der arabischen Arbeit auf jüdischen Pflanzungen finden? Wie wird sich die Verschiffung vollziehen, angesichts der heute zwischen Jaffa und Tel Aviv äußerst zugespitzten Hafenkontroverse? Bis zum Beginn der nächsten Zitrus-Exportsaison sind es noch rund fünf Monate Zeit, und bis dahin wird sich wohl vieles entscheiden, das den weiteren Entwicklungsgang des wichtigsten Zweiges der palästinensischen Exportproduktion auf Jahre hinaus beeinflussen wird. Infolge der Unruhen ist der Kontakt zwischen der arabischen Zerealienproduktion und den jüdischen 299 Getreide, Futtermittel und Mehl Bedarfszentren vorläufig auf ein Minimum zurückgegangen. Gleichwohl ist die Versorgung nicht ins Stocken geraten, da via Haifa und Port-Said-Kantara die benötigte Ware reichlich hereinströmt, und da auch im neuen Hafen Tel Aviv in nächster Zeit direkte Ankünfte erwartet werden. Anomalien der Nachfrage und der Preisbildung traten daher nicht ein. Soweit die Preise für Weizen und für Mehl letzthin etwas anzogen, entsprach dies in Ursache und Ausmaß lediglich der internationalen Tendenz, die sich angesichts der neuesten Berichte des Internationalen Landwirtschafts-Institutes in Rom versteifte. Augenblicklich notieren pro Tonne loko Weizen mit etwa 9 bis 9,250 (im Vormonat: bis 8,750) £P, australisches Weizenmehl mit etwa 13,600 £P (Vormonat: bis 13,250 £P) und amerikanisches Weizenmehl mit etwa 18 £P (Vormonat: bis 17,500 £P). Das palästinensische Ernte-Ergebnis ist bisher kaum zu beurteilen, da infolge der Unsicherheit im Lande der Weizenschnitt vielfach überhastet durchgeführt wurde. In welchem Umfange die jüdische Getreidewirtschaft, die sich zumal im Emek Jesreel so hoffnungsvoll entwickelte, durch die arabischen Brandstiftungen ihres diesjährigen Ertrages beraubt worden ist, läßt sich im Augenblick noch nicht schätzen. Die Zucker Versorgung blieb normal, da die Zufuhr sich ausreichend sichern ließ (am 24. Mai wurde auch für den neuen Hafen Kolonialwaren Tel Avivs der erste Zucker-Dampfer avisiert). Der schon im Vormonat wahrnehmbaren internationalen Befestigung — da der Welt-Zuckervorrat gegenwärtig um ein Fünftel knapper ist also vor einem Jahre — haben sich nunmehr auch die palästinensischen Preise angepaßt, jedoch ohne diesen Rahmen auch nur irgendwie zu überschreiten. Der nicht mehr neue Plan der Errichtung einer Zucker-Raffinerie in Palä-