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Palästina · 1936-06-01 · Heft 6 (Juni 1936) · p. Seite 294

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Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 6 (Juni 1936)
Article
Politik. Von a. b.
Date
1936-06-01
Page
Seite 294 (sequence 3)
Language
German
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Ein Gleiches gik von der letzten Bemerkung des offiziösen Organs über die Erziehung der Bevölkerung zur Selbstverwaltung. Wenn just im jetzigen Zeitpunkt diese Forderung in den Vordergrund gestellt wird, von der selbst die »Times« (vom 16. Mai) sagen, daß es unmöglich sei, eine parlamentarische Vertretung in einem Lande zu etablieren, »wo das Feuer der religiösen und rassischen Feindschaften so hell brennt«, so zeigt das deutlich, daß im Colonial Office trotz allem, was vorgefallen ist, nicht die Absicht herrscht; von der bisher eingehaltenen Linie abzuweichen. Auch die begrüßenswerte Einsetzung des zionistenfreundlichen Majors Ormsby Gore zum Kolonialsekretär wird an der Gesamteinstellung der Regierung nichts ändern. Es ist zwar kaum vorstellbar, daß von ihr quasi eine Belohnung für Unruhen, Aufstände, Mord und Terror gegeben werden soll durch ein Beharren auf der Einsetzung eines Legislative Councils, aber nach der oberwähnten Äußerung des offiziösen Blattes muß man auch damit rechnen. Die englische Politik wird übrigens in erster Linie durch den jeweiligen Stand der britischen Interessen im Gang der Weltpolitik bestimmt. Daß die Zuspitzung der Situation in Palästina mit dem Ausbruch des abessinischen Krieges (und dem Rückschlag der Wirtschaft in diesem Zeitpunkt) zusammenhängt, ist keine Frage. In den arabischen Kreisen rechnete man mit einem schweren Konflikt zwischen England und Italien, ja sogar mit einem bevorstehenden Weltkrieg. Daher sahen die Araber den Zeitpunkt gekommen, intransingente Forderungen zu stellen und der englischen Herrschaft unbequem zu werden. Es ist auch kein Zweifel, daß England selbst wegen dieser Situation alles tun wollte, um die Araber zu beruhigen. Daher der Vorschlag des Legislative Council, und die Einladung einer arabischen Delegation nach London unter der Zusicherung, daß dort auch über Einwanderung und Bodenkauf gesprochen werden wird. Es ist auch kein Zufall, daß die Haltung der Regierung während der Unruhen gerade erst in dem Momente eine festere geworden war, in dem der abessinische Krieg als beendet angesehen werden konnte. Es wurde auch konstatiert, daß der Oberkommissär anfangs gar nichts gegen den Streik einzuwenden gehabt hat. Vielfach wurde deshalb vermutet, daß er über die ablehnende Haltung des britischen Parlaments gegenüber dem Legislative Council verstimmt war und eine loyale Gegenaktion der Araber nicht ungern gesehen hätte. Man hat ferner viel davon gesprochen und es wird in manchen Kreisen fest daran geglaubt, daß die Unruhen von auswärts geschürt, organisiert und mit Geld unterstützt worden sind. Das wurde dementiert und läßt sich nicht einwandfrei konstatieren. Jedenfalls hat das Streikkomitee diesmal eine überraschend gute Organisation gezeigt und es verfügt über erhebliche Mittel (wegen deren ungerechte Verteilung es übrigens zu Streitigkeiten unter den arabischen Parteien gekommen war). Angeblich werden jeden Tag 2000 £ Streikunterstützungen verteilt, indes die ausgewiesenen Sammlungen im Lande selbst bis 25. Mai erst 1075 £ ergeben haben. Wie immer sich die weltpolitische Lage gestalten wird, England wird in Palästina die Ruhe im Lande bewahren wollen und deshalb sicher wieder den Arabern entgegenkommen, deren wirtschaftliche Schwächung durch Streik und Unruhen ein weiterer Vorwand dafür sein wird. Es ist allem Anschein nach sehr wahrscheinlich, daß diese Politik schließlich zu einer neuen Interpretation des Mandates führen wird, anstelle derjenigen, die 1922 im Churchill-Statement gegeben worden ist und die heute noch in Kraft steht. Die Juden werden daher gut tun, sich rechtzeitig über ihre Politik, ihre Forderungen und ihre Taktik klar zu werden. Um mit der letzteren zu beginnen, darf der Fehler nicht wiederholt werden, daß man ernsten Vorschlägen der Mandatarmacht ein glattes

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