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Palästina · 1936-06-01 · Heft 6 (Juni 1936) · p. Seite 281

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 6 (Juni 1936)
Article
Zum Ärzteproblem in Palästina
Date
1936-06-01
Page
Seite 281 (sequence 3)
Language
German
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pekuniär unergiebig waren. Sie stellten den nationalen und moralischen Halt der Ärzteschaft dar. Heute gebietet keine »öffentliche Meinung« in der jüdischen Ärzteschaft Palästinas dem Arzte eine gesundheitliche, erzieherische, hygienische oder forschende Aufgabe. Es fehlt unserem ärztlichen Leben die Sinngebung. Am Beginn aller unserer ärztlichen Arbeit stehen drei Grundsätze: 1. Die Arbeit des Arztes ist eine Funktion des Volkslebens, ein Dienst am Volk, nicht eine Arbeit im Auftrage einzelner Menschen. Nur die Gesundheit aller sichert die des einzelnen. 2. Die Arbeit des Arztes ist gemäß ihrem Ursprünge aus der Wissenschaft, der Größe ihres Arbeitsfeldes (Volk) und der Vielfalt seiner Arbeitsmethoden ohne kollegiale Zusammenarbeit aller Ärzte undurchführbar. 3. Hiezu tritt bei uns Juden die Pflicht, dem Aufbau unseres Volkes diejenigen ärztlichen Kräfte zu stellen, die es besonders benötigt. Es genügt nicht, in Palästina als Arzt zu wirken und alles Gute und Schlechte mitzumachen, sondern mitzumachen, das die Zeiten bringen. Nicht mitzumachen, sondern mitzuwollen, muß jeder bereit sein. Und wessen moralische und intellektuelle Kräfte nicht ausreichen, diese Grundforderung als eine natürliche und unentbehrliche zu akzeptieren, der stellt sich von selbst außerhalb unserer Reihen. Der Beginn jeder Gemeinschaft ist die Schule. Ein allzu gütiges Schicksal hat gerade uns Ärzten Palästinas jede Art Schule und Examen am Beginn unserer hiesigen Tätigkeit erspart. Soweit dadurch die Beschäftigung mit formalem Ballast fortfiel, war es eine Ersparnis an Zeit, Kraft und Geld. Soweit aber ein Lehrgang für ein solches Examen jenes Pensum enthält, dessen Kenntnis der erste gemeinsame Besitz einer ärztlichen Gesellschaft wäre, ist das Fehlen jedes Examens ein schwerer Verlust. Es muß nachgeholt werden, sofort und von allen ohne Ausnahme, gleichgültig, wie lange ein Arzt im Lande ist. Denn eine so grundlegende Sache muß auch von denen mitgemacht werden, die offenbar davon dispensiert sein könnten, aber wegen der moralischen Wirkung ihrer Teilnahme nicht fehlen dürfen. Ferner ist eine solche Schulung nicht nur den Neueinwanderern nötig. Es muß ein obligatorisches Seminar geschaffen werden, das allen Ärzten das Bewußtsein eines wirklichen Neuanfanges vermittelt, das jeder Kulturmensch wünschen müßte, der Neuland betritt. Die Kurse dieses Seminars sollen sein: 1. Die Geschichte des Landes Palästinas, das wir betreten. 2. Die Geschichte des jüdischen Volkes, in die wir geistig eintreten. 3. Die Geschichte des Zionismus, als dessen neue Mitglieder wir für seine Fortsetzung sorgen werden. 4. Die Grunderlebnisse und Leistungen der verschiedenen Alijoth vor uns, die uns Führer sein werden. 5. Die Geschichte der jüdischen Ärzte in Vergangenheit und Gegenwart und ihre Bedeutung für ihre Zeit und für die Entwicklung der Medizin. 6. Die Gesetze unseres Landes, soweit sie der Arzt kennen muß. 7. Ein für das Arbeitsgebiet des Arztes zugeschnittener hebräischer Sprachkurs. Das ist ein Seminar, das einen natürlichen und würdigen Beginn unseres neuen Lebens hier darstellt und zu dem sich die Ärzte drängen werden, wenn es nur einigermaßen gut gemacht wird. Denn alle Ärzte, in den letzten Jahren eingewanderten Ärzte, erlebten aufs Tragischste und Eindrucksvollste jüdisches Volksschicksal und reagierten auf dieses große überpersönliche Erlebnis mit einem endlichen Verstehen längst gehörter Parolen. Es entstand in vielen die Bereitschaft, sich auch positiv diesem jüdischen Schicksal zu ergeben. Sie wurden mit dem Augenblick, da sie den Boden Palästinas betraten, verwirrt. Denn die Suche nach dem individuellen Glück schien hier die letzte Weisheit zu sein. Der hoffentlich noch gesunde Instinkt der meisten wird aber den Versuch,

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