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Palästina · 1936-06-01 · Heft 6 (Juni 1936) · p. Seite 277

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Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 6 (Juni 1936)
Article
Palästinensische Industriezollpolitik
Date
1936-06-01
Page
Seite 277 (sequence 3)
Language
German
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tiven Seite hinzulenken; damit ist keineswegs gesagt, daß man Planwirtschaft treiben soll. Wenn wir uns also darüber klar sind, daß sowohl in Bezug auf die Stellungnahme zur Zollpolitik der Regierung als auch in Hinsicht auf eine gewisse Führung der Entwicklung im inner jüdischen Rahmen eine programmatische Verhandlungs- und Arbeitsgrundlage notwendig ist, so haben wir nun die Frage zu beantworten: Welche zollpolitische Tendenz soll dieses Programm haben? Ich glaube, daß diese Frage bereits grundsätzlich dadurch beantwortet wird, daß man überhaupt die Notwendigkeit der Existenz einer bestimmten jüdischen Zollpolitik bejaht: Dadurch nämlich, daß wir dahin gelangen müssen, die Kapazität des Landes für die Aufnahme von Arbeitskräften dadurch zu erweitern, daß wir den Import an Arbeitskraft in der Fertigware wenigstens relativ verringern. Das bedeutet in unserer Situation Tendenz zum ErziehungszolL Erziehungszölle sind solche, die neu aufgenommenen oder noch nicht vollentwickelten Gewerbezweigen die volle Einbürgerung bis zur Deckung des Inlandsbedarfes ermöglichen sollen. Zu dieser Entwicklung bedarf es besonderer Aufwendungen seitens der Gewerbetreibenden zur Errichtung neuer Betriebsanlagen und Anlernung von Facharbeitern wegen des erhöhten Risikos usw. Dieser Mehraufwand wird häufig, wenn auch nicht immer, im Entwicklungsstadium die inländischen Selbstkosten über diejenigen hinaustreiben, zu denen die ältere Auslandskonkurrenz die betreffenden Waren herstellen und liefern kann. Bei ungehemmter Zulassung der Auslandseinfuhr müßte also die junge, noch nicht genügend starke Inlandsproduktion zum Erliegen, die begonnene Fortentwicklung zur Stagnation kommen. Übrigens würden solche Versuche, die inländische und gewerbliche Betätigung zu erweitern und zu vervollständigen, nicht erst unternommen werden, wenn der Fehlschlag so klar zutage läge. Nötig ist also in diesem Entwicklungsstadium eines Gewerbezweiges, um mit Friedrich List zu sprechen, die »Sicherheit vor zerstörender Konkurrenz des Auslandes«. Sie wird durch den Erziehungszoll seinem Zweck und Namen entsprechend geboten. Er hemmt die Einfuhr und verteuert die eingeführte Ware. Dadurch ermöglicht er gleichzeitig der heimischen Produktion die Preise höher zu halten, als sie bei zollfreier Einfuhr stehen würden. Die Wirkung des Erziehungszolles hinsichtlich des Inlandspreises läuft also auf Preisschutz hinaus, nämlich auf Schutz des infolge des Mehraufwandes im Entwicklungsstadium erhöhten Preises der betreffenden inländischen Erzeugnisse. Dadurch erhält die Produktion eine gewisse Sicherung, daß der Mehraufwand sich rentieren wird, und zugleich den Anreiz diesen Mehraufwand zu leisten, das neue Gewerbe einzuführen, bzw. zu entwickeln. Bei ausreichender Höhe des Zolles ist nun die weitere Entwicklung die, daß auf dem betreffenden Gewerbe gebiete der inländische Wettbewerb wachgerufen wird und mit der Zunahme der Erzeugung der inländische Preis sinkt, bis wir schließlich zu gleichen Preisen wie das Ausland produzieren und auch zum Export übergehen können. Dann aber ist mit dem höheren Inlandspreise, der zu schützen war, auch die preisschützende Wirkung des Zolles weggefallen. Die Tendenz des Erziehungszolles ist also eigentlich die, sich selbst wieder in seiner Wirkung auf den Preis aufzuheben. Nun liegen die Dinge bei uns so, daß wir durchaus nicht in allen Fällen einen Erziehungszoll durch eine Erhöhung der bisherigen Finanzzölle auf bestimmte Fertigerzeugnisse herbeiführen müssen. Der allgemeine Satz von 12%, der ja heute schon in einer Reihe von Fällen durch spezifische Zölle oder durch höhere Wertsätze überschritten wird, reicht in sehr vielen Fällen vollkommen dazu aus, um erzieherisch zu

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