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Palästina · 1936-06-01 · Heft 6 (Juni 1936) · p. Seite 276

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Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 6 (Juni 1936)
Article
Palästinensische Industriezollpolitik
Date
1936-06-01
Page
Seite 276 (sequence 2)
Language
German
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eine Liste von Zolländerungen herausgekommen, der zweifellos eine gewisse Bedeutung für die industrielle Entwicklung des Landes zuerkannt werden muß. Es handelt sich insbesondere um Fabrikate der Metall- und Textilindustrie, die nunmehr durch höhere Zölle geschützt werden, daneben noch um einige andere Industrien von geringerer Bedeutung und schließlich um Zollbefreiungen gewisser Rohstoffe, so unter anderem der letzten, bisher noch zollpflichtigen Rohmetalle: Blei und Zink. Aber irgend ein System ist diesen Änderungen des Tarifs, so erfreulich und begrüßenswert sie an sich sind, nicht zugrunde gelegen. Gerade deshalb dürfte es von großer Bedeutung sein, daß man auf jüdischer Seite zu ganz bestimmten Vorstellungen von der Zollpolitik kommt, die im jüdischen Interesse als erwünscht erscheinen muß, denn nur dann wird man mit der Regierung gegebenenfalls zu einer Diskussion kommen können, die den jüdischen Interessen wenigstens in gewissem Umfange zum Durchbruch verhilft. Eine solche Klärung ist aber auch im sozusagen inner jüdischen Interesse notwendig. Die Wirtschaft des Jischuw beginnt sich doch allmählich so weitgehend zu differenzieren, daß man nicht nur mehr von naturgegebenen Interessengegensätzen, wie zum Beispiel der bei uns weltmarktorientierten Landwirtschaft (Orangenexport) und binnenmarktorientierten Industrie (im wesentlichen Konsumgüter, aber noch keine Produktionsmittel) sprechen kann, sondern auch innerhalb der einzelnen Industriegruppen entstehen Gegensätze, die sich zollpolitisch irgendwie auswirken. Besonders deutlich sehen wir diese aus einer fortschreitenden Differenzierung entspringenden und somit ganz natürlichen Interessengegensätze innerhalb der jüdischen Industrie anläßlich der Vorverhandlungen über die Neuregelung unserer Handelsbeziehungen zu Syrien. Es ist bekannt, daß durch das palästinensisch-syrische Abkommen vom Mai 1929 die Erzeugnisse beider Länder mit gewissen Ausnahmen gegenseitige Zollfreiheit genießen. Dieses Abkommen hat sich überaus stark zu Gunsten Syriens ausgewirkt, was zum Teil auf die palästinensische Bedarfskonjunktur während der letzten Jahre zurückzuführen ist, zum Teil aber auch auf die ungleich billigeren Produktionsbedingungen in Syrien mit völlig unorganisierter Arbeit (vielfach Frauen- und Kinderarbeit in heimgewerblichen Industrien). Es gibt nun eine Reihe von Industriellen, die den Standpunkt vertreten, das gegenwärtig laufende Abkommen müsse in dem Sinne modifiziert werden, daß wenigstens für eine Anzahl von Artikeln, in denen die syrische Konkurrenz besonders fühlbar ist, die allgemein geltenden Zollsätze zur Anwendung gelangen. Man verweist in diesen Kreisen wohl mit Recht darauf, daß auch dann der syrische Exportüberschuß nach Palästina noch groß genug sein würde, um Syrien weiter Zollfreiheit für palästinensische Industrierzeugnisse nahe zu legen. (Es handelt sich hier übrigens nicht nur um industrielle Absatzfragen, sondern auch um landwirtschaftliche — aber darauf kann hier nicht eingegangen werden.) Demgegenüber gibt es wieder Interessenten, die durchaus die Aufrechterhaltung des Status quo wünschen. Man sieht also, daß die jüdische Industrie bereits differenziert genug ist, um auf ihrem eigenen Gebiet Interessengegensätze zu entwickeln. Auch aus diesem Grunde muß auf jüdischer Seite Klarheit über das bestehen, was beabsichtigt ist. Es handelt sich hier nicht etwa darum, auf dem Umwege über zollpolitische Erwägungen planwirtschaftliche Maßnahmen zu propagieren. Ich glaube vielmehr, daß dafür die Wirtschaft des Landes keineswegs reif ist, und möchte Fragen dieser Art hier gar nicht zur Diskussion stellen. Aber ich bin doch der Meinung, daß in so lebenswichtigen Angelegenheiten, wie die Zollpolitik sie darstellt, eine gewisse Führung der Dinge vorhanden sein muß, um so wenigstens die größten Interessengegensätze unserer Wirtschaft — und sie werden mit der Zeit, das heißt bei wachsender Differenzierung, immer größer werden müssen — auszugleichen und nach der posi-

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