Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1936)
- Article
- Der Hauran, Land und Einwohner
- Date
- 1936-05-01
- Page
- Seite 234 (sequence 16)
- Language
- German
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und Ziegenherden statt Kamele zu züchten. Nur in der alten sozialen Struktur, in der Kleidung und im Hausen in Zelten hat sich die alte Lebensform der Beduinen erhalten. Die Familie Faour hat den Stamm seit Generationen beherrscht. Augenblicklich ist es Scheik Faour el-Faour, der Sohn Muhammeds el Faour, der zur Zeit der Herrschaft König Feisals in Syrien die Fahne des Aufstandes gegen die Franzosen erhoben hat. Eine*r seiner Leute, der damals die Huleh durchstreifte, tötete Josef Trumpeldor und seine Kameraden. Die Fadel haben nur etwa 650 Zelte, aber zusammen mit den kleineren Stämmen, die mit ihnen verbunden sind, etwa 1250. Sie werden auf einen Besitz von 30.000 bis 40.000 Rindern und Schafen geschätzt. Während der letzten Jahre litt ihr Vieh unter der großen Dürre, 5. S 1 u t — ein Stamm ohne »Stammbaum«. Bevor er im 18. Jahrhundert in den Hauran zog, zeltete er im Dschebel Drus. Jetzt sitzt er in El Ledscha. Die Slut wohnen in Zelten, bemühen sich aber, die fruchtbaren Teile des Landes so weit auszunutzen, wie es ihre begrenzten Mittel erlauben, und beschränken den Umkreis ihrer Wanderungen so weit wie möglich. Der junge energische Scheik Talal Abu Sliman führt den Stamm, der 700 Zelte zählt. Ihren Besitz schätzte man 1930 bis 1932 auf 22.000 Schafe, 250 Rinder und 200 Kamele. Die Trockenheit der letzten zwei Jahre hat einen großen Teil des Viehbestandes vernichtet. Die Slut werden von den Franzosen begünstigt, denen sie im Drusen-Auf stand 1925 halfen. Drusen und Slut sind seit Generationen Feinde. Andere Stämme, die im Laufe ihrer Wanderungen durch Syrien, Transjordanien und Palästina in den Hauran kamen, sind: Sirhan, Beni-Khaled, Issa, Leheib, Tellauieh, Turkman und Diab. Die Sirhan, Beni-Khaled, Tallauieh und Diab gehören zu den hauranischen Stämmen, die anderen haben ihre Zentren wo anders und nur bestimmte Teile durchwandern den Hauran. 9. Politische Bedingungen« Die Rolle, die der Hauran im politischen Leben Syriens spielt, ist die eines Aschenbrödel und völlig bedeutungslos. Generationenlange Unterdrückung hat den Hauranier gefühllos gegen das Joch gemacht und ihn daran gewöhnt, fremde Herrschaft ohne Widerspruch zu tragen. Nicht so sein Nachbar, der Druse, der zwar nicht gegen die Tyrannei revoltiert, aber eine Haltung passiver Loyalität gegen jede Macht, welche es auch sei, einnimmt. Unter der Türkenherrschaft leistete der Hauranier blinden Gehorsam sowohl dem Pascha, der in der Stadt lebte, wie dem Beduinenscheik, wenn sein Dorf an die Wüste grenzte. Jetzt ist er ein friedlicher Bürger der syrischen Regierung und der Mandatarmacht, aber in Zeiten von Gewalt und Kampf stößt er wie immer mit dem Stärkeren zusammen. Als während des Aufstandes 1925 die Franzosen zeitweilig gezwungen waren, weite Gebiete Syriens, besonders im Hauran, zu verlassen, zögerten die Hauranier nicht, sich mit den Aufständischen zu verbinden, wo immer sie in die Provinz einfielen. Sie waren aber auch diejenigen, die zuerst den Kampf aufgaben und die Regierung um Gnade baten. Diese unterwürfige Haltung dem Mächtigen gegenüber ist charakteristisch nicht nur für den einfachen Fellachen, sondern auch für die politisch denkenden Führer, einschließlich des einflußreichen Ismael el-Turk el Hariri. Es ist bemerkenswert, daß in den Teilen des Hauran, wo das Eindringen der Rebellen fehlschlug, die Führer und die anderen prominenten Persönlichkeiten die Franzosen voll und ganz