Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1936)
- Article
- Der Hauran, Land und Einwohner
- Date
- 1936-05-01
- Page
- Seite 227 (sequence 9)
- Language
- German
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aber immer noch irgendwie, vielleicht abgehärtet gegen langes Hungern, wie das Kamel in der Wüste gegen den Durst. Unter diesen Bedingungen ist die Gastfreundlichkeit des Hauranier, eine Eigenschaft, die er mit allen orientalischen Völkern gemein hat, besonders bemerkenswert. In der Ernte bleibt ein Teil des Ertrages für seine Gäste bestimmt und im gemeinsamen Gasthaus aufgespeichert. Diese Nahrungsmittel werden keinesfalls von jemand anderen als den- Gästen angerührt. Ärztliche Fürsorge im Hauran ist auf ein Hospital in Der a und eine Apotheke in Izr'a beschränkt. Es gibt keine privaten Ärzte und nur einen einzigen Dentisten, der in Der'a sitzt. Die natürliche Auslese scheidet im Hauran den Schwächeren aus, und nur der Tauglichste bleibt leben. Die Kindersterblichkeit ist sehr hoch, und Kinder, die am Leben bleiben, sind wirklich an Not und Elend gewöhnt. Augenkrankheiten gehören zu den verbreitetsten Plagen des Hauran. Schmutz und Unsauberkeit sind die Hauptursachen dieser Krankheiten, die unter den Hauraniern Verwüstungen anrichten. Typhusepidemien, für die der dauernd hungernde Fellache eine leichte Beute ist, sind auch nur zu häufig. In der Nähe von Wasser leiden die. Einwohner unter Malaria. In dem Dorf Tel-Schechab sah der Verfasser zahlreiche Opfer dieser Krankheit. Die ortsansässigen »Doktoren« kurieren alle Krankheiten mit demselben Heilmittel, einem weißglühenden Eisen. Analphabetentum ist unter der älteren Generation fast durchgängig. In dem Schulsystem der Nachkriegszeit stehen die christlichen Schulen über den möslemischen Muktab. Etwa 8 bis 10 Schulen werden von der griechisch-orthodoxen Kirche geleitet und vier von der protestantischen Mission. In den griechischen Schulen unterrichtet der Geistliche, in den protestantischen gibt es Lehrer, die ihre Ausbildung in Damaskus erhalten haben. Die von der protestantischen Mission nach dem Kriege gegründeten Schulen sind besonders gut. Die Gelegenheit, über das Werk der Mission sowie über ihre Schulen zu sprechen, wird noch in dem Kapitel »Religion und Gemeinden« gegeben sein. In den dichter bevölkerten moslemischen Gebieten gibt es Muktab oder religiöse Schulen/ wo der Lehrplan ausschließlich auf den Koran und Gebete beschränkt ist. Nur in Der'a und Bosra-Eskischem traf der Verfasser zwei Lehrer, die in Damaskus studiert hatten. Es mag von Interesse sein, daß die andauernde Auswanderung, zuerst von Männern, dann ihnen folgend von Frauen und Kindern, zur Schließung vieler Schulen geführt hat. Die Folklore des Hauran ist sehr arm und geistlos im Vergleich mit den benachbarten Drusen. Nur der monotone, traurige Singsang mag als der geistige Ausdruck der Fellachen-Seele gelten. Allgemein ist die kulturelle Welt des Hauraniers sehr beschränkt und ebenso trostlos, wie seine materielle Lage. 6* Religion und Gemeinden. Wenn der Islam auch die herrschende Religion im Hauran ist, sind doch etwa 15% der Bevölkerung Anhänger des Christentums. Die Mohammedaner gehören alle zur Sekte der Sunniten, während die Christen in drei Konfessionen gespalten sind: griechischorthodox, griechisch-katholisch und protestantisch; die zahlenmäßig stärkste Gruppe ist die griechisch-orthodoxe. Es gibt im Hauran weder Drusen noch Maroniten. Die Christen sind in der ganzen Provinz verstreut und leben inmitten der möslemischen Mehrheit. In über 20 Dörfern bilden sie mit 2 bis 3 Familien die Hälfte der ganzen Gemeinde. Es gibt indessen auch rein christliche Dörfer: Tissiya (mit 370 Seelen, von