Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1936)
- Article
- Der Hauran, Land und Einwohner
- Date
- 1936-05-01
- Page
- Seite 228 (sequence 10)
- Language
- German
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denen die meisten griechisch-orthodox sind, einige wenige Protestanten), Khabab (mit 1012 Seelen, griechisch-orthodox und griechisch-katholisch), Dschibbine (mit 217 Seelen, sämtlich griechisch-orthodox), Rahem (477 Seelen, alle griechisch-orthodox). Das Emporkommen des Protestantismus während der letzten Jahre hat seine Ursache in der nach dem Krieg entfalteten Aktivität der protestantischen Missionäre, die zumeist Amerikaner sind; der erste Protestant erschien, nebenbei bemerkt, im Hauran vor 45 Jahren, als die allgemeine christliche Bevölkerung bereits generationenlang in der Provinz seßhaft war. Der Zustrom zum Protestantismus erfolgte auf Kosten der Griechisch-Orthodoxen. Vor dem Weltkriege erhielt die griechisch-orthodoxe Kirche vom Russischen Reiche aus sentimentalen Gründen wie aus politischen Überlegungen tatkräftige Unterstützung. Ihrer Hilfe beraubt, verlor sie viel an Einfluß und ebenso an materiellen Mitteln. Die mohammedanische Bevölkerung, die sich seit Generationen zu dem offiziell anerkannten und autoritativ geförderten Glauben bekannte, steht fast ganz außerhalb der christlichen Einflußsphäre. Andererseits ist der griechisch-orthodoxe Fellache, der nicht die theologischen Feinheiten kennt und nur auf sein persönliches Interesse bedacht ist, bereitwilliger der protestantischen Glaubensrichtung gefolgt. Die Tatsache, daß die protestantischen Missionäre keine Kirchenabgaben erheben, sondern im Gegenteil bei ihren Besuchen noch Geschenke verteilen, hat ihre Popularität gesteigert und ihnen ihre Aktivität erleichtert. Der Hauranier ist im allgemeinen religiösen Spekulationen wenig zugänglich und glaubt weniger an Gott als an böse Geister. Er wird selbstverständlich von der Angst vor diesen Geistern vollständig beherrscht und ist aller Art Aberglauben ausgeliefert. Es gibt nur in wenigen Dörfern Bethäuser oder jedenfalls Plätze, die der öffentlichen Gottesverehrung dienen. Der Hauranier ist völlig unwissend und gleichgültig in allem, was zum Dogma der Religion gehört. Er belastet niemals seinen Kopf mit solchen Dingen, noch ist er jemals besonder fanatisch gewesen. Obgleich man die Ungleichheit und auch gelegentliche Spannung zwischen Moslems und Christen ohne Zweifel fühlt, sind die Beziehungen im Hauran doch weit normaler als überall sonst in Syrien. Während des Drusenaufstandes 1925 war Uklah el Kutaima, ein Christ, das Haupt der hauranischen Rebellen uncl spielte eine wichtige Rolle bei dem Aufstand. Das Fehlen merklicher religiöser Reibungen mag durch den Umstand erklärt werden, daß der christliche wie moslemische Fellache sich in der gleichen erbärmlichen Lage befindet und zu wirtschaftlicher Konkurrenz und Mißgunst kein Raum bleibt. Die Großgrundbesitzer sind ausnahmslos Mohammedaner. Die Armut des Fellachen und sein Unvermögen, den Geistlichen zu unterhalten, hat die Kirche zu einem fast unmerklichen Faktor im Leben des hauranischen Bauern gemacht. In der griechisch-orthodoxen Gemeinde, wo es Sitte ist, daß jedes Kirchspiel sich selbst unterhält, war der Geistliche der erste, der die Not der Zeit zu fühlen bekam, und viele verließen den Hauran noch vor ihren Gemeindemitgliedern. Moslemische Geistliche gab es selbst, in normalen Jahren kaum, zum Ärger der moslemischen Mehrheit. Religiöse Scheiks und Prediger waren in den wenigen wichtigen Punkten des Hauran konzentriert und auf ihre eigenen Moscheen beschränkt Nur die protestantischen Missionäre, die Unterstützung von auswärts bekommen, sind in der Lage, in einem Lande Erfolg zu haben, wo es weit dringlicher ist, für die Nahrung des Körpers als der Seele zu sorgen. 7* Angesehene Familien» Wenige hauranische Familien haben eine Ahnung davon, wer ihre Vorfahren waren, noch woher sie stammen, und selbst die, die sich eines Stammbaumes .rühmen, werden