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Palästina · 1936-05-01 · Heft 5 (Mai 1936) · p. Seite 226

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 5 (Mai 1936)
Article
Der Hauran, Land und Einwohner
Date
1936-05-01
Page
Seite 226 (sequence 8)
Language
German
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dringlinge bilden. Der hervorragendste Charakterzug der Hauran-Fellachen ist Faulheit. Nicht einmal unter den gegenwärtig in Syrien allgemein geltenden Bedingungen, wo er Schutz gegen feindliche Einfälle von der Wüste her genießt, arbeitet er auch nur einen Strich mehr, als er zum Fristen seiner armseligen Existenz nötig hat. Wenn es ihm dazu noch glückt, einen kleinen Teil seiner Schuldenlast an den Kaufmann abzuzahlen, hat er den Gipfel seiner Wünsche erreicht. Der Hauranier sorgt häufig nur für das Pflügen, während alle anderen Arbeiten auf dem Felde wie im Hause seiner Frau überlassen sind. Um seine Familie kümmert er sich sehr wenig. Seine große Leidenschaft ist das Tabakrauchen, und nicht selten ist er bereit, sogar seine wie seiner Familie kümmerlichsten Lebensbedürfnisse zu opfern, um seine Begierde nach einer Zigarette zu befriedigen. Sobald der Hauranier ein Stückchen Brot hat, seinen Hunger zu stillen, wird er ohne die geringste Sorge für den Morgen, seine ganze Arbeit im Stich lassen. Sein größtes Vergnügen ist es, stundenlang im gemeinsamen Gasthaus des Dorfes zuzubringen, wo er Kaffee trinkt, wenn es welchen gibt, und irgend einer Plauderei zuhört. Die Hauranierin ist ein erschreckend armseliges Geschöpf, und ihr Los ist oft kaum besser als das eines Stücks Vieh. Fast die ganze Arbeit und wirklich alle Plackereien des Hauses lasten auf ihren Schultern. Der Mann kümmert sich kaum um sie und die Kinder, und der leiseste Anlaß genügt, daß er sie mitleidslos prügelt. Die allgemeine Einstellung gegenüber der Frau ist die: man kauft sie, damit sie arbeite und das Leben ihres Mannes so bequem wie möglich gestalte. Der Kaufpreis für eine junge Frau im Hauran liegt zwischen 80 und 100 türkischen Goldpfund. Es ist natürlich für den Hauranier nicht leicht, eine solche Summe aufzubringen, und das »System des Tauschhandels« wird weitgehend gehandhabt. A gibt dem B seine Schwester zur Frau und bekommt dafür dessen Schwester. Armut hat die Monogamie erzwungen, und nur der wohlhabende Scheik kann sich den Luxus von zwei oder drei Frauen leisten. 1 Es ist schwierig, das jährliche Budget einer hauranischen Familie zu ermitteln. Es gibt keine Statistiken, und man muß daher Informationen aus erster Hand im Gespräch mit den Fellachen selbst sammeln. Dabei ergibt sich, daß in normalen Jahren die Jahresausgaben einer vierköpfigen Familie folgendermaßen aussehen: 20 bis 25 syrische Pfund (= 5 bis 6 £P) für Essen und 5 bis 6 syrische Pfund (1.5 £P) für Kleidung. (Zu bemerken ist, daß der Fellache an Zinsen für seine Schulden im allgemeinen mehr zu bezahlen hat als für alles, was er für Essen und Kleidung ausgibt.) In normalen Jahren besteht die Kost des Fellachen hauptsächlich aus Brot und Weizenkörnern. Einige wenige, die Schafe und Rinder besitzen, ernähren sich noch von Milch und Samneh (gekochter Schafsbutter). Ein sehr kleiner Teil, der in der Nähe von Wasserquellen wohnt, lebt von Gemüsen, Früchten und Trauben. Sehr viel komfortablere und normalere Bedingungen herrschen im Gegensatz dazu in den Tscherkessen-Dörfern im Dscholan. Die Tscherkessen haben ihre alte Sprache, Tracht und Tradition beibehalten und leben getrennt von der arabischen Mehrheit. .Ihr Lebensstandard ist bei weitem höher und die Art ihrer Landbebauung weit fortgeschrittener und entwickelter. Der Tscherkesse ist im allgemeinen völlig abgesondert von seinem arabischen Nachbarn und lebt in einer Welt für sich. Dauernde Armut und unaufhörliches Elend haben den Fellachen an Mühsal und an ein Leben gewöhnt, das dem Zustand des Halbverhungerns nahekommt. Jemand, der mit den Lebenbedingungen der Hauranier vertraut ist, sagte mir, daß die Hauranier, wenn sie nicht schon früher so eng mit dem Hunger in Berührung gekommen wären, niemals die Hungersnöte der letzten zwei Jahre hätten überleben können. Die Fellachen des benachbarten Dschebel Drus wären schon längst gestorben, der Hauranier existiert

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