Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1936)
- Article
- Der Hauran, Land und Einwohner
- Date
- 1936-05-01
- Page
- Seite 225 (sequence 7)
- Language
- German
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- Amman 1× ep/1044017
- Haifa 1× ep/1047930
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sieht als auszuwandern, und die einzige Hoffnung auf Rettung in der Flucht in glücklichere Länder sucht. Es ist bereits gesagt worden, daß die Damascener Kaufleute den Handel des Hauran in der Hand haben. Auch die paar Ladenbesitzer von Der'a, Nawa und Bosra-Eskischem sind zum größten Teil aus Damaskus, obgleich auch einige Armenier sind, die nach dem Krieg in den Hauran kamen. In ruhigen Zeiten besuchen wandernde Hausierer die Dörfer, die letzten Jahre aber haben sie beinahe sämtlich, infolge der sinkenden Kaufkraft der Bevölkerung, der Existenzmöglichkeit beraubt. Vor einigen Jahren versuchte die Bank von Algier, die im Französischen Mandatsgebiet arbeitet, ihr Unternehmen auf den Hauran auszudehnen. Die Bank erklärte sich bereit, den Farmern Anleihen zu 5% Zinsen zu gewähren, vorausgesetzt, daß die Rückzahlungen durch die Regierung und durch die Eigentumsurkunde des Bewerbers sichergestellt würden. Praktisch haben nur die Eigentümer großer Besitze von dem niedrigen Zinssatz profitiert, weil die Regierung für Anleihen an Kleinbesitzer nicht garantierte. Die Bank von Algier spielt keine merkliche Rolle im, wirtschaftlichen Leben des Hauran. Die Bank der Syrischen Regierung hat nicht einmal eine Niederlage im Hauran und arbeitet nicht in dieser Provinz. , Den Verkehr mit der Außenwelt vermitteln die den Hauran kreuzende Hedschas- Bahn und Automobile. Die Hedschas-Bahn, die jetzt nur bis Ma'an in Transjordanien geht, hat viel von ihrer Bedeutung verloren, seit die Verbindung zwischen Damaskus und El Medina unterbrochen wurde. Vor dem Krieg war die Bahn auch eine wichtige Einnahmequelle des Hauran, da sie Tausende Pilger zu den heiligen Städten des Hedschas und Waren von Syrien nach Arabien beförderte. Seit dem Weltkriege ist diese Einnahmequelle vollkommen versiegt, und das Aufhören einer Verbindung zwischen Syrien und dem Hedschas war ein neuer wirtschaftlicher Schlag für Beide. Die Eisenbahn verkehrt dreimal in der Woche zwischen Der'a und Damaskus, dreimal zwischen Der'a und Bosra-Eskischem und dreimal zwischen Der'a, Haifa und Amman. Sechs kleine Automobile, alte Fords, und zwei große Autobusse befahren die Straße Der'a—-Damaskus. Die Straßen im Hauran sind im Sommer nicht schlecht, im Winter aber oft unbefahrbar. Selbst die Straße Der'a-—-Damaskus ist nicht vollständig gepflastert, und gepflasterte Straßen im Innern des Hauran existieren überhaupt nicht. Die Regierung baut zur Zeit eine neue Straße zwischen Der'a und Damaskus, die für den Verkehr innerhalb des nächsten Jahres eröffnet werden soll. 5. Soziale Bedingungen« Sozial und wirtschaftlich steht die Provinz Hauran auf einem niedrigeren Stand als alle anderen Teile Syriens. Die Gründe für den Verfall sind bereits angedeutet worden. Die fruchtbaren Flächen des Hauran, die sich an der wichtigsten Straße des Ostens und ohne jeden natürlichen Schutz (außer dem felsigen Gebiet von Ledscha) hinziehen, haben zu allen Zeiten Eindringlinge angezogen. Immer wieder wurde der schutzlose Fellache besiegt und beraubt, bis Unterdrückung für ihn schon zur Selbstverständlichkeit wurde, wie die Luft, die er atmet, und die Unterwürfigkeit ihm zum Bestandteil seines Charakters wurde. Nur in seiner Familie war der Hauranier ein freier Mann, und diese seine Freiheit benutzte er, um seinem angesammelten Ärger und seiner Verzweiflung in rücksichtsloser Ausnützung von Weib und Kind Luft zu machen. Kein Wunder, daß die Bezeichnung »Hauwarna« in Syrien sprichwörtlich geworden ist als Synonym für Feigheit und Wertlosigkeit im allgemeinen, besonders bei den verwegenen Drusen, deren steile Berghänge eine wirksame Schutzwand gegen alle Ein-