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Palästina · 1936-05-01 · Heft 5 (Mai 1936) · p. Seite 224

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Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 5 (Mai 1936)
Article
Der Hauran, Land und Einwohner
Date
1936-05-01
Page
Seite 224 (sequence 6)
Language
German
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eine leichte Beute der Großgrundbesitzer wird, die ihre Besitzungen auf Kosten des Armen auszudehnen streben. Gegenwärtig indessen droht die Gefahr einer solchen Ausbeutung nicht in dem Maße, da auch die Großgrundbesitzer selbst, infolge der extensiven Bewirtschaftung und der mageren Ernten der letzten Jahre, bis über die Ohren in Schulden stecken. Etwa ein Viertel der Bevölkerung besitzt kein Land. Der landlose Fellache pachtet Güter oder verdingt sich selbst als Landarbeiter. Die allgemeine Form der Pacht ist das »Mroub'a« (Viertel), das heißt ein Viertel des Ertrages gehört dem Grundbesitzer und drei Viertel dem Pächter. Wenn der Pächter das Land nicht selber bebaut, sondern nur seine Arbeitskraft hergibt, bekommt er als Arbeiter ein Viertel von den drei Vierteln des Ertrages, die seinem Herrn zustehen, außer Essen und Wohnung. Der angestellte Knecht hat alle Arbeit in Haus und Feld zu verrichten und sich zu der Arbeit für mindestens ein Jahr zu verpflichten. Es muß bemerkt werden, daß die Bedingungen für Lohnarbeit im benachbarten Dschebel Drus etwas andere sind. Dort ißt der Arbeiter nicht im Hause des Bauern, sondern bekommt festgesetzte jährliche Rationen, in den meisten Fällen: 27 Rottel Weizen (ein Rottel sind rund sechs Pfund), 140 Rottel Dhurra, 2 Rottel Öl, 3 Rottel Zwiebeln, in der Erntezeit erhält er noch 2 Rottel Mehl. Der Arbeiter ist nur zur Feldarbeit verpflichtet, alle anderen Dienstleistungen müssen besonders bezahlt werden. Viele christliche Fellachen im Hauran beschäftigen ihre Arbeiter nach den Bedingungen des Dschebel Drus. Dieselbe Zerteilung der Güter, die sich beim Fellachen findet, gilt auch für die größeren Besitztümer. Der ursprüngliche Großgrundbesitz der Familie El Hariri, ist unter die große Zahl ihrer Nachkommen aufgeteilt worden und die einzelnen Teile sind zu ganz kleinen Besitzungen geworden. Ein anderes typisches Beispiel für die Folgen einer solchen Entwicklung findet sich in dem Dorf Tel-Shehab, wo der Gründer der Familie El-Haschisch ursprünglich etwa 5000 Dunam besaß, der Besitz aber unter soviel verschiedene Erben und wieder deren Nachkommen aufgeteilt und wieder untergeteilt wurde, daß das größte Stück heute im ganzen etwa 250 Dunam umfaßt. 4* Handwerk, Handel und Verkehr» Mehr als 90% der Bevölkerung des Hauran sind in der Landwirtschaft beschäftigt, und nur 10% in Handwerk und Handel. Praktisch gibt es keine Industrie, und die einzigen Gewerbe sind Korbflechten und die Herstellung billiger Wolldecken und Sattelsäcke (in den christlichen Dörfern). Die wichtigsten Märkte sind in Der'a, Bosra- Eskischem und Nawa. Der Kaufmann kommt meist selbst auf den Markt und kauft die Produkte der Fellachen an Ort und Stelle. Die meisten Kaufleute sind aus Damaskus, dem zentralen und wichtigsten Markt für die Produkte des Hauran. Handel mit dem Hauran ist einer der wichtigsten Zweige des wirtschaftlichen Lebens von Damaskus und in normalen Jahren einer der einträglichsten. Handelsbeziehungen mit dem Hauran beruhen ohne Zweifel auf der mitleidslosen Ausbeutung des Fellachen. Der Kaufmann verleiht auch Geld auf Zinsen zu einem Zinsfuß zwischen 50 und 200% für geringe Summen. In der Erntezeit kauft er die Produkte der Fellachen, deren Preis er bestimmt, und unnötig zu sagen — zieht er daraus überdies einen hübschen Gewinn. Der Fellache sieht selten wirklich bares Geld für seine Produkte, die er im allgemeinen gegen zu zahlende Schulden oder Zinsen hergibt, und ist glücklich, wenn »sein Kaufmann« ihn mit knappen, unbedingt zum Leben notwendigen Dingen versorgt. Sogar in guten Jahren ist der Fellache nicht in der Lage, etwas für die Saat des nächsten Jahres zu sparen, und in Jahren der Dürre steht er schrecklicher Armut, Not und völliger Abhängigkeit vom Kaufmann in der Stadt gegenüber. Es ist kein Wunder, daß unter solchen Umständen der hungrige und elende Fellache keinen anderen Ausweg

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