Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1936)
- Article
- Der Hauran, Land und Einwohner
- Date
- 1936-05-01
- Page
- Seite 223 (sequence 5)
- Language
- German
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liegt brach« Die Reihenfolge wechselt jedes Jahr. Der Fellache läßt nur die Früchte auf seinem eigenen Boden abwechseln. Pachtboden wird aufs Geratewohl und unsystematisch unter augenscheinlichem Schaden für den Acker bebaut. Eine Ausnahme macht der Nordteil von Dscholan, wo in 22 Tscherkessendörfern die Ertragsfähigkeit dieser Gegend erheblich gesteigert wurde, indem Strecken der basalt-bedeckten Öden kulturfähig gemacht wurden. Der ganze Dscholan ist bekannt wegen seines reichen Weidelandes und Viehbestandes, die Landwirtschaft aber, die in erster Linie auf den Süden beschränkt ist, kann sich dort nicht durchsetzen. Düngemittel und ländwirtschaftliche Maschinen kennt man im Hauran kaum. Der Fellache verfeuert im Winter den Dung anstatt Kohlen oder Holz, die außerordentlich selten und teuer sind'. In Tafas indessen fand der Verfasser Leute, die zum Brotbacken im gemeinsamen Dorfofen Holz verwendeten, in vielen anderen Orten, die der Verfasser besuchte, kommt das aber nicht vor; dort muß der Dünger für alles herhalten. Die Einwohner von Tafas gewinnen Holz für ihren Bedarf durch Plündern der Überreste eines Eukalyptuswaldes bei dem Nachbardorf Jellin, der vor etwa vierzig Jahren von Juden, die diese Gegend besiedeln wollten, gepflanzt wurde. Dieses Land gehört jetzt der Palestine Jewish Colonisation Association. In Anbetracht des Mangels an Wasser und natürlichen Weideplätzen, ausgenommen im Dscholan, spielen Schafe und Rinder in der einheimischen Wirtschaft eine geringe Rolle. Die immer wiederkehrende Dürre, die Armut und der Mangel an Initiative seitens der Fellachen haben eine sich entwickelnde Viehzucht wirksam zu verhindern gewußt. Die folgende Tabelle illustriert das Auf und Ab des Hauranischen Viehmarkts von 1928 bis 1932: Durchschnittsjahr Unter-Durchschnittsjahr Viehart Jahr Kopfzahl Jahr Kopfzahl Kühe und Ochsen 1930 42.000 1932 36.900 Pferde 1930 5.000 1928 3.800 Schafe 1932 125.263 1929 110.530 Ziegen 1931 " 104.000 1929 77.300 Kamele 1930 6.600 1931 5.400 Büffel 1928 1.800 1932 500 (Offizielle Zahlen) Die Regierung hat bis jetzt noch keine Einzelheiten über die Lage während der zwei Dürrejahre (1934 und 1935) veröffentlicht. Man schätzt aber, daß etwa 75% des Viehbestandes eingegangen sind. Bei weitem der größere Teil des Landes, etwa 80 bis 85%, ist im Besitz der Fellachen, der Rest gehört Großgrundbesitzern. Die Art des Grundbesitzes ist größtenteils »Mulk«-Boden. »Miri«-Land findet sich hauptsächlich im Dscholan, wo »Giftiik«- Land beinahe unbekannt ist. In vielen Bezirken, besonders auf Pachtland, herrscht das »Mush'a«-System (Gemeinschaftlicher Pachtbesitz) vor. Die meisten Bauernpachthöfe sind klein; im allgemeinen nicht größer als die Hälfte oder drei Viertel eines »Roub'a« (120 alte Dunam) für eine fünf- bis siebenköpfige Familie. Nach dem Tode des Vaters wird das Land unter die Erben verteilt, und bei einer immer größer werdenden Familie wird immer mehr untergeteilt, bis der einzelne Besitz völlig bedeutungslos wird. Dieses Zerstückeln eines großen Besitzes in winzige Teile ist eine weitere Ursache für den Niedergang der Landwirtschaft im Hauran und ein Beweggrund zur Auswanderung, selbst in normalen Jahren. Die Armut des Hauran-Fellachen und der völlige Mangel an Agrar-Krediten bewirken, daß der Fellach in Zeiten allgemeiner Not und Armut