Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1936)
- Article
- Der Hauran, Land und Einwohner
- Date
- 1936-05-01
- Page
- Seite 222 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2379786-2379939-2379945-2407920--22660-2408015- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
OOO großen Fruchtbarkeit. Seit der zweiten mohammedanischen Eroberung ist der Hauran zweifellos in eines der schwierigsten Kapitel seiner Geschichte eingetreten. Der gegenwärtige Niedergang ist in nicht geringem Maße dem Vordringen der Wüste überall an der Grenze zwischen der Syrischen Wüste und den besiedelten Teilen Syriens, Transjordaniens und des Irak zuzuschreiben. Das Eindringen der Beduinen brachte einen starken ökonomischen und sozialen Abstieg mit sich, und blühende landwirtschaftliche Siedlungen wurden zur Wildnis. Unter der Türkenherrschaft wurde das ganze Gebiet vollständig vernachlässigt, und weder dem Bauern, noch den Bedürfnissen der Landwirtschaft genügende Aufmerksamkeit geschenkt. Generationenlang war der hauranische Fellache das Objekt erbarmungsloser Ausbeutung aller: der Regierung, der Großgrundbesitzer, der Beduinen und der in Damaskus, Libanon, Dschebel Drus oder Palästina residierenden Paschas. Dauerade Verfolgungen und Erpressungen machten ihn zu einer rückgratlosen Kreatur, die ohne jede Selbstachtung und in vollständiger Abhängigkeit von seinem Herrn war. Er verlor jegliches Interesse an seinem Stückchen Boden und arbeitete nur, um sich seinen höchst mageren Unterhalt zu sichern. Warum so schwer arbeiten, wenn der Ertrag seiner Arbeit doch nur in die Hände raublustiger Beduinen oder habgieriger Beamter fiel? Von Jahr zu Jahr, sank der Fellache in immer tiefere Armut, und der Boden verkam mit ihm. Die Geschichte des Hauran ist typisch für den Niedergang des Mittleren Ostens unter türkischer Herrschaft, besonders in den an die Wüste grenzenden Gebieten. Von der gesamten Bodenfläche von ,400.000 Hektar sind 300.000 kultivierbar. Von dem kultivierbaren Land ist aber ein volles Drittel gänzlich unbebaut und liegt vollkommen verlassen und wüst. Tatsächlich werden gegenwärtig jährlich nur 50.000 bis 70.000 Hektar unter den Pflug gebracht; das übrige Land liegt brach und »ruht«, nach dem ureigentlichen Prinzip des Sich-Selbst-Fruchtbarmachens. Die wichtigsten Feldfrüchte im Hauran sind Weizen, Gerste, Mais, Dhurra, Linsen und Bohnen. Die Qualität der erstgenannten ist in Syrien und auch in Europa, wohin in guten Jahren in großem Umfang exportiert wird, berühmt. Die folgende Tabelle zeigt den jährlichen Ertrag der bebauten 50.000 bis 70.000 Hektar in offiziellen Zahlen: Getreideart Ertrag (in Tonnen) Ertrag (in Tonnen) in einem im Durchschnittsjahr Jahr unter dem Durchschnitt Weizen 40.000 bis 45.000 15.000 bis 20.000 Gerste 18.000 „ 20.000 3.000 „ 5.000 Hafer 10.000 „ 12.000 1.000 „ 2.000 In Jahren der Dürre, wie in den beiden letzten, sinkt der jährliche Ertrag auf einen beunruhigend niedrigen Stand. — Etwa 5000 bis 6000 Hektar sind bewässert. Das bewässerte Gebiet liegt am Yarmuk, in der Nähe von Mzeirib, das sein Wasser von den Tel-Schechab-Fällen und den Quellen aus der Gegend des Hermon bekommt. Alle Arten Gemüse, Trauben und Obstbäume (Äpfel, Birnen, Pfirsiche) werden erfolgreich in dieser Gegend angebaut. Bis auf die Gegenwart hat der Hauran-Fellache die natürlichen Wasservorkommen in sehr geringem Maße ausgenützt. Statt einer Gnade wurden sie ihm zum Fluch und brachten nur andauernde Fieberseuchen. Aus Mangel an einem modernen Bewässerungssystem sind viele Gelegenheiten zur Einführung neuer Fruchtarten in diese Bezirke durch Ausnützung des Wassers und damit die Hebung des landwirtschaftlichen Standards und der Lebensbedingungen des Hauran-Fellachen versäumt worden. Die übliche Art der Kultivierung ist die »Dreifelderwirtschaft«. Jeder Besitz ist in drei Streifen geteilt, einer für die Winterfrüchte, einer für die Sommerfrüchte, und einer