Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1936-04-01 · Heft 4 (April 1936) · p. Seite 195

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 4 (April 1936)
Article
Zur Frage der Bodenspekulation
Date
1936-04-01
Page
Seite 195 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2379786-2379939-2379944-2407620--22472-2407817
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

haben, alles zu tun, um das Übel zu verringern. In dieser Erkenntnis unterscheidet sich sein Artikel wohltuend von der Zeitungskampagne und der Form, der Kongreßbeschlüsse zur Bodenfrage, die in ihrer »energischen« Formulierung falsche Hoffnungen über die Möglichkeit des Verschwindens der Spekulation erwecken. Aber seine konkreten Vorschläge können das Übel wirklich nur verringern, und auch dies nur dann, wenn sie im Zusammenwirken aller maßgebenden Faktoren durchgeführt werden. Was die von ihm vorgeschlagene zentrale Bodenkaufsgesellschaft angeht, so ist sie nicht nur, wie Ulitzur ausführt, auf dem letzten und vorletzten Kongreß, sondern schon 1920 auf der Londoner Konferenz beschlossen worden. Fünfzehn Jahre lang haben wir vergeblich auf ihr Entstehen gewartet, und auch jetzt wird sie nur Zustandekommen und, was wichtiger ist, mit Wirksamkeit arbeiten, wenn sie »die Koordinierung aller auf dem Bodenmarkt wirkenden Kräfte herbeiführt«, und nicht nur auf dem Papier, sondern ernsthaft, worüber unten noch Näheres gesagt wird. Man darf aber auch dann nicht vergessen, daß ein solches Institut für die Zeiten der Prosperity niemals die nötigen Bodenreserven schaffen kann, weil in solchen Zeiten der Boden zur Ware entartet, weil dann »Bergketten und Abhänge« Bauplätze werden, und weil dann, wie Ulitzur feststellen muß, selbst in der Haifa-Bay, wo es auf nationalem Boden Plätze für 100.000 bis 150.000 Seelen gibt, doch in der Nachbarschaft 300 £P für den Dunam gezahlt wurde. Und nicht anders ist es in der Gegend von Tel Aviv, wo nach verschiedenen Ausführungen der Presse Boden für eine Million Menschen für städtische Bauweise bereits in jüdischem Besitz ist. Es darf auch nicht verkannt werden, daß auch ein solches Institut aller Voraussicht nach die Spekulation nur beim ersten Erwerb ausschalten kann. Sie müßte sonst, wie Ulitzur richtig ausführt, sich ein Vorkaufsrecht ausbedingen, das aber, wie die Praxis der PLDC lehrt, voraussichtlich nur auf dem Papier stehen wird, denn zur Durchführung solchen Vorkaufsrechts gehören so ungeheure Summen, wie wir uns auch in kühner Phantasie für ein solches Zentralinstitut nicht vorstellen können, und weil bei diesem Institut, wie bei der PLDC immer der Gedanke im Vordergrund stehen wird und muß, möglichst neue Böden aus nichtjüdischer Hand zu erlösen. Was abef das Institut für Auskunftsdienst anbetrifft, so ist außerordentlich zweifelhaft, was ein solches Institut bekunden kann. Ulitzur will ihm die Bestätigung der »Zuverlässigkeit« übertragen. Worin soll diese Zuverlässigkeit bestehen? Nur in der Feststellung, daß es sich nicht um ein Schwindelunternehmen handelt? Dies ist wohl alles, immerhin etwas, denn man kann wohl kaum annehmen, daß es z. B. die Verantwortung auf sich nehmen wird, auch bei landwirtschaftlichen Siedlungen die Rentabilität zu beurteilen, weil darüber heute noch die Meinungen durchaus geteilt sein können. Wann sind solche Auskünfte objektiv? Das Institut müßte doch wohl mit solchen Personen besetzt werden, die Bodenerwerb und Bodenerschließung durch nationale Institutionen und private Personen billigen. Schließlich kommt bei Ulitzur, genau so wenig wie in der Zeitungskampagne, klar zum Ausdruck, daß in der gegenwärtigen Situation aus nationalen Gründen die Privatinitiative im Bodenerwerb aus nichtjüdischer Hand nicht nur äußerstenfalls geduldet werden (jene der »anständigen Bodenhändler« des »Dawar«), sondern sogar gefördert werden muß. Ulitzurs Bemerkungen über die »nötige Zusammenarbeit von nationalem und privatem Kapital«, die die Arbeit »mit größerer Schnelligkeit« weiterführen, sind, wie schon eingangs ausgeführt, nicht genügend hervorgehoben und haben vor allem in seinen vorangehenden Ausführungen keine Grundlage. Es ist bei ihm nirgends mit klaren Worten gesagt worden, warum wir diese private Initiative brauchen. Weder ist angedeutet, daß der jüdische Bodenerwerb in den letzten Jahren nur in unzuläng-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.