Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 4 (April 1936)
- Article
- Zur Frage der Bodenspekulation
- Date
- 1936-04-01
- Page
- Seite 194 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2379786-2379939-2379944-2407620--22471-2407816- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Bodenhändler« genannt (vgl. z. B. »Dawar« vom IL II. 1935), ohne daß allerdings ein solcher wohl nur zufällig gefundener oder widerwillig ausgedrückter Gedanke irgendwie auf die Darlegung der gesamten Bodenfrage irgendeinen Einfluß hatte. Es muß, um die folgenden Darlegungen vor Mißverständnissen zu schützen, hervorgehoben werden, daß selbstverständlich zu jeder Zeit die obengenannten nationalen und persönlichen Sünden nicht genug verurteilt werden können. Sie sind Extreme einer wirtschaftlichen Situation, können und müssen aber auf das Energischste bekämpft werden, auch wenn es nicht möglich ist, die Grundsituation zu ändern. Wenn also Ulitzur in seinem Artikel »Die Gefahr der Bodenspekulation« im Jänner- Heft dieser Zeitschrift diese »Auswüchse der Bodenspekulation« geißelt, so muß man ihm restlos zustimmen, denn durch sie wird sowohl der nationale wie der private Bodenerwerb geschädigt und die Sünder muß man daher, soweit es irgend möglich ist, diffamieren. Bedauerlicherweise aber begeht Ulitzur dieselben Fehler, wie die Zeitungskampagne vor dem Kongreß. Auch bei ihm steht nur an versteckten Stellen und in Nebenbemerkungen, daß es Gesellschaften und Einzelpersonen gibt, »die ihre Bodengeschäfte anständig betreiben« (Seite 23), daß es »zuverlässige Privatgesellschaften« gibt (Seite 25) und daß mit diesen »die Zusammenarbeit herbeigeführt werden müsse« (Seite 29), Der unbefangene Leser, der sich bisher kein Bild über die Gesamtsituation gemacht hat, muß nach der Einleitung seines Artikels über »Die Schäden der Spekulation« mit ihren schweren und, wie gesagt, berechtigten Vorwürfen zum Ergebnis kommen, daß der Bodenerwerb nach diesen Kostproben schmählichen Verhaltens der Privatinitiative verwehrt werden müsse. Es ist leider zu erwarten, daß nun auch den Vertretern der »anständigen Bodengesellschaften«, die z. B. Boden im Ausland verkaufen, dieser Artikel entgegengehalten wird, und schon deshalb muß man befürchten, daß der angerichtete Schaden größer ist, als der Nutzen, der zweifellos sonst von sachlichen Ausführungen über die Verhütung schwindelhafter Geschäfte, die das jüdische Palästina diskreditieren, ausgehen kann. Ähnliches gilt von einer zweiten richtigen Erkenntnis der Ulitzur sehen Ausführungen. Die Zeitungskampagne. und ein Teil der allgemeinen Artikel über die Bodenspekulation hat den Eindruck entstehen lassen, als wenn in unserer wirtschaftlichen und politischen Situation es überhaupt Möglichkeiten gäbe, die Spekulation wirksam zu bekämpfen. Die Verwirrung der Gefühle in dieser Frage beruht zum Teil darauf, daß Menschen guten Herzens, aber unklaren Kopfes gegen eine bestimmte Erscheinung einer Wirtschaftsordnung »protestieren«, ohne sich darüber klar zu werden, daß sie ein System verurteilen, nach dem sie sonst zu leben wünschen, nämlich das System der freien Wirtschaft. Die Anhänger eines staatlichen Eingriffs übersehen aber, daß wir in unserer gegenwärtigen Situation weder irgendeine Beschränkung der Bodentransaktionen fordern können — der letzte Kongreß hat im Gegenteil beschlossen, daß die Exekutive sich um die Aufhebung aller staatlichen Beschränkungen bemühen müsse —, noch die Einführung irgendwelcher Steuern, wie Wertzuwachssteuer, Grunderwerbssteuer oder Steuer auf unbebautem Boden — so sehr sie an sich und unter anderen wirtschaftlichen Umständen gerechtfertigt sein können —, weil alle diese Steuern nur dem Staat oder einer nichtjüdischen Gemeinschaft zugutekommen, wenn es keinen Gesamtplan gibt, bei dem im Zusammenarbeiten aller Faktoren eine gerechte und vernünftige Verwendung solchen Steueraufkommens gewährleistet ist. Im Gegensatz dazu bringt Ulitzur anerkennenswerter Weise zum Ausdruck, daß wir nicht die Kraft haben, die Plage der Spekulation auszurotten, und er gibt sogar zu, daß auch KKL und PLDC dies bisher weder konnten, noch in Zukunft werden tun können. Sicherlich wird man ihm darin zustimmen müssen, wenn er sagt, daß wir die Pflicht