Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1936-04-01 · Heft 4 (April 1936) · p. Seite 196

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 4 (April 1936)
Article
Zur Frage der Bodenspekulation
Date
1936-04-01
Page
Seite 196 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2379786-2379939-2379944-2407620--22473-2407818
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

lichem Maße gewachsen ist, noch ist ausgeführt, daß jede planmäßige Verteilung der Einwanderer auf das Land eine Bodenfläche erfordert, die von den nationalen Institutionen bisher nicht bereitgestellt wurde und auch bedauerlicherweise in Zukunft nicht bereitgestellt werden kann. Nehmen wir an, daß nur zirka tausend Familien im Jahre auf das Land gehen müssen, um eine gesunde Schichtung der jüdischen Bevölkerung herbeizuführen, so sind dazu mindestens 30.000 Dunam erforderlich. Der KKL hat aber z. B. aus Mangel an Mitteln in den Jahren 1933/35, also in zwei Jahren, nur Boden erworben, der nach dem Bericht des KKL an den 19. Kongreß, Seite 11, für 1100 Familien ausreicht, wobei noch ein nicht unerheblicher Teil der zugeteilten Böden im kleinsten Ausmaß von 2.5 Dunam nur als Hilfswirtschaften bestimmt wurde. Nach den Ausführungen in »Karnenu«, Februar 1936, Seite 41, haben wir zur Zeit ein Bodendefizit von 150.000 Dunam, und unser jährlicher Bedarf wird dort auf 140.000 Dunam geschätzt. Welche Flächengröße man aber auch annehmne mag, und wie auch die Einnahmen des KKL hoffentlich in Zukunft wachsen werden1, immer werden wir Bodenerwerb durch Private aus nichtjüdischer Hand brauchen, abgesehen davon, daß wir gerade jetzt und schnell die Böden erwerben müssen, die nationalpolitisch von besonderer Wichtigkeit sind. Ist man aber zu dieser Erkenntnis gelangt, so muß man offen zugeben, daß es nicht angeht, einen solchen national wichtigen Erwerb mit dem Schlagwort »Spekulation« zu diffamieren, und muß eine ehrliche Zusammenarbeit mit den maßgebenden Institutionen und Personen herbeiführen. Dabei kann es keine Prestigefragen geben, weil das Wohl der Gesamtheit »größere Schnelligkeit« verlangt. Dann muß man sowohl das Zentralinstitut wie das Auskunftsbüro mit Menschen besetzen, die mit ihrer Erkenntnis von der Notwendigkeit privaten Bodenerwerbs in der gegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen Situation den Willen verbinden, diese ihre Erkenntnis in die Wirklichkeit umzusetzen, und muß von allen Instanzen ein konsequentes Handeln verlangen. Der Artikel von Ulitzur aber, der die richtigen Erkenntnisse sozusagen nur nebenbei ausspricht, ist leider nicht dazu angetan, die in der Frage der Bodenspekulation völlig vernebelte zionistische Atmosphäre zu reinigen und die notwendigen Konsequenzen herbeizuführen. Rundschau WIRTSCHAFT. Von Dr. J, Adler, Tel Aviv. Das Wirtschafts-Barometer: März 1936* Monatsbericht über den Palästina-Markt. Der palästinensische Geldumlauf hat von 6,561.134 £P am 1. Jänner 1936 und 6,298.134 £P am 1. Februar Geld- und Kapitalmarkt weiterhin auf 6,186.134 £P am 1. März nachgegeben (am 1. März des Vorjahres: 4,963.964 £P). Neue konjunkturelle Impulse traten im Berichtsmonat noch nicht in Erscheinung. Vielmehr übten die letzten Ereignisse in der internationalen Politik auch eine sichtlich deprimierende Fernwirkung auf das palästinensische Wirtschaftsleben 1 Vgl. die Ausführungen des Verfassers dieses Artikels über die Bedeutung des KKL für die Bekämpfung der Bodenspekulation in »Jüdische Rundschau« Nr. 86, vom 25. X. 1935.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.