Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 4 (April 1936)
- Article
- Zur Problematik des palästinensischen Außenhandels
- Date
- 1936-04-01
- Page
- Seite 179 (sequence 5)
- Language
- German
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und bis zum Jahre 1933 einem ständigen Schrumpfungsprozeß unterliegen und sich im Jahre 1.934 in einzelnen Ländern —- ebenfalls in entsprechender Weltwirtschaftslage —- eine leichte Besserung der Außenhandelsbilanz anbahnte, so verläuft die palästinensische Handelsbilanz in ständig aufsteigender Linie gleichsam unberührt von den Erschütterungen der Weltwirtschaftskrise. Die Existenz dieser Konjunkturinsel im Meere weltwirtschaftlicher Depression kann natürlich nicht mit dem Hinweis darauf erklärt werden, daß Palästina sich im Prozeß der Industrialisierung befindet. Vielmehr erhebt sich dahinter die weitere Frage: Welche Kräfte haben bewirkt, daß dieser Prozeß der Industrialisierung, sich trotz der Weltwirtschaftskrise ungehindert und in einem für den Orient besonders raschen Tempo durchsetzen und ausbreiten konnte? Es liegt auf der Hand, daß die Erklärung hiefür nur in dem Zusammentreffen besonderer, der Wirtschaftsentwicklung Palästinas förderlicher Faktoren gefunden werden kann. Zu ihnen gehört einerseits der zunehmende Kapitalimport, der zu einer Investitionstätigkeit geführt hat, die sich im Jahre 1933 auf 6 Millionen Pfund belief und im Jahre 1934 auf 10,700 Millionen Pfund gestiegen ist. Gleichzeitig haben sich in den Banken zirka 15 Millionen Pfund als Depositen angesammelt, das bedeutet eine Steigerung um 20% gegenüber dem Vorjahre. Daraus erhellt, daß bei alleiniger Berücksichtigung des Warenverkehres ein ansehnlicher Teil der weltwirtschaftlichen Beziehungen Palästinas unberücksichtigt bleiben würde, daß vielmehr eine Ergänzung nach der finanziellen Seite hin nottut. Zwar verursacht jede Änderung der Handelsbilanz eine Veränderung in der Proportion der produktiven Kräfte eines Landes und kann, sofern sie dadurch zur Steigerung der Gesamtproduktivität beiträgt, als die Volkswirtschaft fördernder Faktor gewertet werden. Aber nur aus dem mit der Einfuhrsteigerung gleichzeitig wachsenden einseitigen Kapitalimport der palästinensischen Wirtschaft, der keine Verpflichtungen gegenüber dem Kapitalexportlande auferlegt, nur aus der dadurch bedingten Divergenz zwischen Zahlungs- und Handelsbilanz erklärt sich die monetäre und finanzielle Ungefährlichkeit der palästinensischen Handelsbilanzstruktur. Bei dem gegenwärtigen Stand der palästinensischen Wirtschaftsentwicklung, in der steigende Einfuhr noch nicht durch steigende Ausfuhr ausgeglichen werden kann, ist daher zur Erhaltung des wirtschaftlichen Gleichgewichtes eine Kongruenz zwischen Kapitalimport und Einfuhrsteigerung notwendig. Damit sind auch bereits die Grenzen angedeutet, innerhalb deren der Kapitalimport Stimulus zur Aufwärtsentwicklung der palästinensischen Wirtschaft sein kann. Nur soweit er mit der Absicht erfolgt, in produktives Kapital umgewandelt zu werden, und dazu gehört in einem an Rohstoffen und industriellen Produktionsmitteln armen Land wie Palästina, daß ein Teil des Kapitalimportes in die Beschaffung von Gütern aus dem Auslande umgewandelt wird, nur insoweit wird der Kapitalimport zu einem konjunkturellen Aufstieg und strukturelle Wandlungen auslösenden Faktor. Dies beweist insbesondere auch ein Vergleich mit den Funktionen der Kapitaltransferierungen in Europa zur Zeit der Valutaschwankungen. Die Kapitaltransferierungen erfolgten nach Ländern mit gesicherter oder anscheinend gesicherter Goldwährung — vornehmlich in die Schweiz und nach Frankreich, ohne daß dadurch in diesen Ländern eine Konjunktur ausgelöst worden ist. Der übersättigte Wirtschaftszustand dieser hochkapitalistischen Länder vermochte keinen Anreiz zur Investierung des importierten Kapitals zu bieten, und ferner kam hinzu, daß der Kapitalimport vielfach lediglich zur Sicherung der Wertbeständigkeit des vorhandenen Kapitales erfolgte. Demgegenüber bietet Palästina, dieses vor wenigen Jahren noch unentwickelte Agrarland durch seine günstige wirtschaftsgeographische Lage, durch seine Fähigkeit, Brücke des Austauschverkehres zwischen Orient und Okzident zu sein, durch den raschen Zuwachs einer anspruchsvollen, an europäische Kulturbedürfnisse gewöhn-