Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 4 (April 1936)
- Article
- Zur Problematik des palästinensischen Außenhandels
- Date
- 1936-04-01
- Page
- Seite 177 (sequence 3)
- Language
- German
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tischen Einfuhrdrosselung immer mehr an Boden gewonnen hat und zu entsprechenden Bemühungen um eine Balancierung von Ein- und Ausfuhr geführt hat (in der Weise, daß Ein- und Ausfuhr gleichzeitig steigen und sinken), so drückt sich darin die Politik von Staaten aus, deren Wirtschaftsraum bereits völlig durchkapitalisiert ist, und dessen Produktion bereits auf Absatzschwierigkeiten stößt, so daß für sie ein einseitiges Steigen der Einfuhr eine Schwächung ihrer weltwirtschaftlichen Stellung oder ihrer volkswirtschaftlichen Unabhängigkeit bedeutet. Daher haben auch Länder wie Frankreich, Holland und die Schweiz, die nicht aus devisenpolitischen Gründen zur Einschränkung ihrer Ausfuhr gezwungen waren, einen systematischen Prozeß der Einfuhrdrosselung durchgeführt. Völlig anders ist hingegen die Situation in einem Lande wie Palästina, das sich mittels der eingeführten Rohstoffe und Produktionsmittel erst eine Position auf dem Weltmarkt erkämpfen und seine Eigenversorgung sichern will. Sofern die Steigerung der palästinensischen Einfuhr daher unter dem Gesichtspunkt der Produktivierung der palästinensischen Volkswirtschaft erfolgt, stellt sie ein volkswirtschaftliches Entwicklungsmoment dar, dessen Tragfähigkeit und positive Wirkung von seiner Entsprechung und Anpassungsfähigkeit an die gegenwärtigen und zukünftigen volkswirtschaftlichen Gegebenheiten des Landes abhängen wird. Es ist daher nicht gerechtfertigt, unsere negative Handelsbilanz und das wachsende Mißverhältnis zwischen Ein- und Ausfuhr mit denselben Besorgnissen und denselben Argumenten ausdeuten zu wollen, wie es gegenüber der passiven Handelsbilanz eines voll entfalteten Industriestaates gerechtfertigt wäre, dem keine erheblichen Kapitalreserven im Auslande zur Verfügung stehen. Es wäre aber ebensowenig gerechtfertigt, die negative palästinensische Handelsbilanz als natürliche Folge des gegenwärtigen Entwicklungsstadiums der palästinensischen Volkswirtschaft hinzunehmen oder sie aus der Struktur zurückgebliebener Agrarländer erklären zu wollen, die gezwungen sind, ihren Bedarf an höherwertigen Konsumgütern und Halbfabrikaten durch die Einfuhr zu decken. Der Hinweis auf die Tatsache, daß die Handelsbilanz vor dem Krieg auch negativ gewesen sei, und daß wir dieselben Erscheinungen in anderen Ländern des Vorderen Orients, im Nachbarland Syrien, in Cypern und im Irak finden, ist kein Beweis hiefür. Denn Syrien und Cypern sind als Agrarländer anzusprechen, die im Gegensatz zu Palästina erst in den Anfängen des kapitalistischen Entwicklungsprozesses stehen und daher in ihrer volkswirtschaftlichen Struktur anders geartet sind, als das in einem schnellen Kapitalisierungsprozeß stehende Palästina, 3. Vergleich, der Außenhandelsentwicklung Palästinas mit jener der Länder des Vorderen Orients* Für die Erklärung der Handelsbilanzentwicklung Palästinas als eines Gliedes der Länderkette des Vorderen Orients ist vielmehr besonders aufschlußreich die Entwicklung der Handelsbilanz in den beiden fortgeschrittensten Ländern des Vorderen Orients. Ägypten hat infolge seiner Monokultur an Baumwolle bereits vor dem Einsetzen des Industrialisierungsprozesses auf eine aktive Handelsbilanz hinweisen können. Die neuerliche Hinwendung zur Aktivität, die im Jahre 1931 einer Epoche der Passivität folgte, ist hingegen wesentlich durch den Prozeß der Industrialisierung begünstigt worden. In den Jahren 1933 und 1934 ist die Steigerung des Ausfuhrwertes jedoch lediglich das Ergebnis eines starken volumen- und wertmäßigen Anstieges der Baumwolläusfuhr, während die Ausfuhrsumme aller anderen Waren wert- und volumenmäßig zurückgegangen ist. Trotz der Bemühungen der ägyptischen Regierung durch landwirtschaftliche