Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 3 (März 1936)
- Article
- Das Bankenviertel von Tel Aviv
- Date
- 1936-03-01
- Page
- Seite 136 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Technikum und den theatralisch wirkenden Aufbau auf dem Karmel längs des Meeres, vergleichbar mit Lissabon, Genua und Zürich. Bei Tel Aviv versagt aber bisher eine solche Charakterisierung nach außen; innerlich ist die Stadt gezeichnet als Refugiuoi für die Juden, wie 1909 im Jahre ihrer Gründung beim Exodus aus Jaffa, so heute für die Juden der Welt; dadurch hat sich ihre Einwohnerschaft nahezu im Rekordtempo vermehrt und in ein paar Jahren verdoppelt und verdreifacht, während normaliter in europäischen Städten die jährliche Vermehrung 2 bis maximal 5% zu betragen und eine Verdoppelung der Einwohnerzahl in 35 bis minimal 14 Jahren einzutreten pflegt. Nur so kann die primitive Struktur der Stadt erklärt werden; denn vor 27 Jahren und erst recht später, als der Grundriß für die Stadt festgelegt wurde, waren die Städtebau- Lehren der Raymond Unwin, Camillo Sitte, Baumeister, Stübben u. a. längst Gemeingut der städtebaulich-wissenschaftlichen Welt. Tel Aviv aber wurde nur aus Straßen und Häusern gebaut. Noch heute erfreut keine Grünfläche in der Stadt das Auge ein Nonsens in europäischem Sinne —, bei einer Einwohnerschaft von zirka 130.000, kein größerer Platz, keine Monumentalanlage offenbart das Gesicht der Stadt. Sie besitzt zwar eine große Synagoge, die gewiß das Wahrzeichen dieser jüdischen Stadt sein könnte — ähnlich wie Dome und Kathedralen in Städten des Abendlandes; aber abgesehen von der mangelnden Schönheit dieses Gotteshauses liegt es wie die anderen Bauwerke inmitten der Baufluchten der Hauptgeschäftsstraße, der Allenbystraße (vgl. auch die beigefügte Skizze). Dann hat Tel Aviv die Mughrabi-Oper, aber auch hier vermißt, das Auge einen städtebaulich irgendwie hervortretenden Pol. Vielleicht wird ein solcher mal später durch den Neubau des Städthauses oder des Habimah-Theaters erzielt werden. Als Stadt im ganzen betrachtet, besitzt Tel Aviv nur 2 Attraktionen für das Auge: Zunächst das Meer mit seinem langen und feinen Sandstrand; aber in unverständlicher Weise hat man diese Schönheit durch einen scharfen Knick in der Allenbystraße, der einzigen Zugangsstraße zum Meer, kaum 400 m davon entfernt, für den größten Teil der Städter, obgleich das Gelände zum Meer stark abfällt, unsichtbar gemacht. (Unwillkürlich drängt sich der Vergleich mit der Araberin auf, die ihr Gesicht durch den Schleier verbirgt.) Rücksichtnahme auf einen Grundstücksbesitzer soll damals diesen nicht wieder gutzumachenden Fehler verursacht haben; man bedenke im Gegensatz hiezu, welche Ausbeute in städtebaulichem Sinne andere Städte wie Nizza, Kopenhagen, Swinemünde aus ihrer Lage am Meer ziehen. — Dann besitzt Tel Aviv im Norden die großzügigen Taruchah-Bauten für die Levante-Messe, die alle zwei Jahre abgehalten wird, zwischendurch werden zwar einzelne Teile bei festlichen Gelegenheiten, wie das Stadion bei der Makkabiade, benutzt, im übrigen aber liegen die Gebäude während des größten Teiles des Jahres brach und ungenutzt da, und da sie sich zudem über 2 km entfernt von den geschlossenen Wohnvierteln der Stadt in unwirtlicher sandiger Umgebung befinden, so können auch diese Anlagen vorläufig nicht als städtebauliches Merkmal betrachtet werden. Gewiß sind in Tel Aviv in den letzten 1 bis 2 Jahren einige schöne private Neubauten sowohl für Wohn- und Geschäfts-, als auch für öffentliche Zwecke (Krankenhäuser usw.) errichtet worden, aber im ganzen muß man sich auch hier im städtebaulichen Sinne des Lobes enthalten; denn wenn auch allenthalben »moderner Komfort« gekachelte Bäder, eingebaute Schränke, dazu häufig Warmwasserbereitung und letzthin sogar Zentralheizung — installiert werden, so entstehen weiterhin Hof- und Hinterwohnungen, gegenüber die Nachbarwohnungen in Abständen von 4 oder 5 m, zugelassen durch die bestehende Bauordnung, begünstigt durch die tiefen Baublöcke und ausgelöst durch die Notwendigkeit der baulichen Ausnutzung der teuren Gelände bis zum letzten Quadratmeter. Die Herstellung derartiger Wohnungen in Neubauten gehört