Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 3 (März 1936)
- Article
- Die jüdische Ärzteschaft in Palästina
- Date
- 1936-03-01
- Page
- Seite 130 (sequence 10)
- Language
- German
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man den deutschjüdischen Ärzten die Tore Palästinas nicht verschließen wollte. Es war aber unvernünftig, daß man allen das Recht auf ärztliche Praxis gewähren wollte und gewährt hat. Vernünftige Zionistenführer, wie Arlosoroff, haben sich auch dagegen gesträubt und verschiedene Pläne erwogen — aber getan wurde nichts. Schon seit geraumer Zeit trifft man in Palästina sehr unerwünschte Erscheinungen des ärztlichen Konkurrenzkampfes, wie Cliquewesen, Provisionsgeschäfte und Schlepperunwesen an. Man klagt darüber privat und in den Sitzungen der Ärztegesellschaft, ein Zeichen, daß es schon recht arg sein dürfte. Die Not wird den Konkurrenzkampf noch verschärfen und die schon jetzt recht niedrigen Ärztehonorare noch weiter drücken. Der Volksgesundheit und den Taschen der Patienten werden jedoch daraus keine Vorteile erwachsen. Für die Volksgesundheit ist die Überfüllung des Ärzteberufes eine ernste Gefahr. Die jüdische Ärztegesellschaft ist sich der Gefahren bewußt. Mehr als früher wendet sie daher ihre Aufmerksamkeit den wirtschaftlichen Problemen des Ärztestandes zu. Sie wird es noch intensiver tun müssen. Wenn auch die wichtigste Ursache der steigenden Notlage, die Disproportion zwischen Bevölkerungsgröße und Ärztezahl, nur langsam aus der Welt zu schaffen sein wird, so gibt es doch viele Mittel, die die Situation mildern könnten. Noch jetzt könnte man einen Teil der jüngeren Kollegen planmäßig und mit Aussicht auf Erfolg in die Landwirtschaft und ins Gewerbe überführen 7. Man müßte diesen Übergang allerdings sorgfältig vorbereiten, Schulen schaffen, die dem Niveau von Akademikern angepaßt wären, nationale Fonds zum Zwecke der Schulung, nachherigen Kolonisierung und Seßhaftmachung auf dem Lande und in der Stadt mobilisieren. Was bisher nur zu verschwindendem Teil gelungen und manchmal mißlungen ist, muß planmäßig angefaßt werden, sollte nicht weiter das letzte Refugium vieler eingewanderter Ärzte, ihr kleines Kapital, zwecklos geopfert werden. Eine Zusammenarbeit der Ärztegewerkschaft mit dem Keren Hajessod und Keren Kajemet, mit der zionistischen Exekutive und dem Waad Haleumi, mit den verschiedenen Hilfsfonds und Fachvertretern aus Landwirtschaft und Gewerbe tut not. Planmäßige Berufsumschichtung zur Zeit, wo noch einiges Privatkapital zur Verfügung steht, ist aussichtsreicher als planloses Versuchen knapp vor dem Ertrinken. Gesellschaftlicher Druck und die Fernhaltung jüngerer Kandidaten von Kassenstellen könnten manchen Erfolg erzielen. Die Gesellschaft der Ärzte müßte sich bemühen, den Mißbrauch der Philantropie durch Zahlungsfähige zu verhindern, sie müßte auf einer bedachten Tarifpolitik bestehen, einen Druck auf saturierte Kollegen ausüben, damit sie auf Einnahmsquellen verzichten, die ihnen aus Kassen, Polikliniken, Versicherungen usw. zufließen, den Gefahren, die aus der Bildung zahlreicher privater Polikliniken erwachsen, rechtzeitig begegnen, eine eigene Mittelstandsversicherung schaffen, eine Intensivierung des Sanitätsdienstes in Städten und auf dem Lande erzwingen, die Intensivierung des Schularztdienstes verlangen, die Verringerung der Arbeitszeit in der Arbeiterkrankenkasse von 8 auf 6 Stunden fordern, wodurch eine Reihe von Stellen frei würden. Di«» Gesellschaft der Ärzte müßte ferner für die Verringerung der Ärzteregien durch Schaffung billigerer Ärztehäuserviertel an der Peripherie der Städte, durch bessere Ausnützung der Ordinationsräume in den Zentren, durch Erleichterung der Licht-, Wasser- 7 Eine kleine Gruppe von Ärzten kombiniert ihre ärztliche Tätigkeit mit der eines Pensionsinhabers. Sie beherbergen in ihrer Wohnung eine kleine Anzahl von rekonvaleszenten, erholungsbedürftigen, schlecht essenden, neurotischen Kindern oder von pflege- und aufsichtsbedürftigen Greisen. Ich glaube nicht, daß dies eine entwicklungsfähige Erwerbsquelle ist, wenn sie auch manche Kollegen in der ersten Zeit über Wasser hält.