Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 3 (März 1936)
- Article
- Die jüdische Ärzteschaft in Palästina
- Date
- 1936-03-01
- Page
- Seite 129 (sequence 9)
- Language
- German
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waren es zur Zeit der Enquete 12%, im Bezirke Tiberias 8%, in der Stadt Tel Aviv 14%, im Bezirke Haifa 26% und im Durchschnitt der Kreise Chedera, Petach Tikwa und Darom Jehuda 38%. Es war zweifellos auf dem Lande leichter, Ersparnisse anzulegen und sie in Realbesitz umzusetzen als z. B. in Tel Aviv oder Haifa. — Die Einwanderungswelle der letzten Jahre war viel kapitalskräftiger als die früheren Ärztewellen. Aber ihr Kapital, das einige Jahre vorher noch einen großen Kaufwert repräsentiert hätte, war jetzt entwertet. Es mußte überdies zum großen Teil für die Deckung der Alltagsbedürfnisse reserviert werden, denn die Wartezeit ist inzwischen recht lang geworden. Im jüdischen Palästina gibt es seit jeher zu viel Ärzte und zu wenige Spitäler, daher ging es in den letzten Jahren den Besitzern kleiner Privatspitäler ausgezeichnet, dagegen den frei praktizierenden Ärzten ohne eigene Anstalt im Durchschnitt nicht besonders gut. Nur eine kleine Gruppe der Privatärzte prosperierte, viele, allzuviele warteten bloß. Das ist nur für den eine Überraschung, der nicht sehen will, daß auch Juden mehr als eine bestimmte Maximalzahl von Ärzten pro 1000 Einwohner nicht erhalten können. Zur Zeit der Enquete zählte man 3 jüdische Ärzte pro 1000 Juden. Das ist entschieden zu viel. Aber die Proportion ist in der Praxis noch viel ungünstiger, denn etwa 70.000 bis 80.000 Juden wurden damals in der Allgemeinen Arbeiterkrankenkasse versorgt und sie absorbierten bloß 100 bis etwa 110 Ärzteö. Das heißt, daß bei den durch die Kassen versorgten Juden ein Arzt auf über 700 bis 800 Köpfe, bei den restlichen 260.000 bis 270.000 Juden dagegen ein Arzt pro rund 270 Köpfe entfiel. Aber auch die letztere Zahl ist zu optimistisch, wenn wir die Lage der frei praktizierenden Ärzte beurteilen wollen. Ein Teil dieser 260.000 bis 270.000 Juden wird auf dem Wege der Armenpraxis versorgt. Jüdische philantropische Spitäler und die Missionsspitäler weisen eine Frequenz aus, die im Budget der Privatärzte fühlbar ist, insbesondere da die Kontrolle über Bedürftigkeit und Zahlungsfähigkeit der Patienten recht dürftig ist. Anderseits ist der Zuzug arabischer Patienten im Durchschnitt der jüdischen Ärzteschaft gering, viel geringer als er in früheren Jahren war. Wir werden also schließen, daß in Palästina zur Zeit der Enquete auf 1000 Juden, die durch privat praktizierende Ärzte versorgt werden, 4 jüdische Ärzte entfallen. Inzwischen hat sich die Proportion noch wesentlich verschlimmert, da in der zweiten Hälfte des Jahres 1935 etwa 500 jüdische Ärzte dazugekommen sind. Die hier errechneten Zahlen sind —- wir müssen ein schon früher gebrauchtes Wort wiederholen — ein Weltunikum. Wenn z. B. Wien ähnliche Kopf-Arztziffern hätte wie das jüdische Palästina, würde den Wiener Ärzten ihre gegenwärtige Lage als paradiesisch erscheinen und sie würden Wien fluchtartig verlassen müssen. Der objektive Bedarf des Juden an ärztlicher Hilfe ist zwar in Palästina viel größer, aber trotzdem ist er nicht so groß, daß die gegenwärtige sehr ernste Disproportion in Palästina im Laufe der nächsten Jahre behoben werden könnte. Auch wenn Palästina im Laufe der nächsten Jahre ebenso stark wachsen sollte, wie in den letzten 2 Jahren, wird ein hochgradiges Mißverhältnis bestehen bleiben, sollte nicht ein ansehnlicher Teil der Ärzteschaft sich anderen Berufen zuwenden. Wachsende Not unter der jüdischen Ärzteschaft ist unausbleiblich. Darüber darf uns der Umstand nicht hinwegtäuschen, daß es heute in Palästina ärztliche Schwerverdiener mit und ohne Professorstitel gibt und daß es einem kleinen Ärztekreis sehr gut geht. Palästina war zu klein, um der Not der deutschen, österreichischen, polnischen usw. Ärzte zu steuern. Es ist begreiflich, daß 6 Die partiell angestellten Ärzte habe ich nach ihrer Stundenzahl in ganztägige umgerechnet und den anderen zugezählt.