Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 3 (März 1936)
- Article
- Die jüdische Ärzteschaft in Palästina
- Date
- 1936-03-01
- Page
- Seite 128 (sequence 8)
- Language
- German
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Einwanderungszeit und Kinderzahl pro Arztehe: Nach Palästina eingewandert Alter vor seit dem Jahre 1933 25 bis 29 Jahre.......... 0.25 0.2 30 „ 34 „ ..........0.9 0.5 35 „ 39 „..........1.0 1.0 40 und mehr Jahre.........1.6 1.6 Aus der Kombination der beiden letzten Tabellen geht ferner hervor, daß die seit 1933 aus Polen, Rußland, Litauen, Lettland und Estland eingewanderten Ärzte kinderärmer sind als die Kollegen, die Hitler-Deutschland mit Palästina vertauschten. Wir haben etwa 80 bis 85% der jüdischen Ärzteschaft erfaßt. Es ist also kein zufälliges Ergebnis. Es ist auch kein Grund zur Annahme, daß die Angaben der einen oder anderen Seite irrtümlich oder falsch waren. Es ergibt sich daher der Schluß, daß die aus Deutschland eingewanderten Ärzte — dasselbe dürfte für die anderen Berufe gelten eine eigenartige Auslese darstellen. Drei Elemente waren besonders geneigt, in Palästina das Wanderungsziel zu suchen: a) die, welche ihrer Kinder wegen Deutschland verlassen wollten oder mußten, b) die religions- und traditionsverbundenen Teile des deutschen Judentums, c) die Jüdischnationalen. Die assimilierten und kinderärmeren Teile der deutsch jüdischen Ärzteschaft haben ihre Blicke relativ seltener nach Palästina gerichtet. In der Tat sieht man jetzt unter den neuen Mitgliedern in den Sitzungen der palästinensischen Ärztegesellschaft auffallend viele jüngere Gestalten mit Spitzbart und einem Käppchen auf dem Kopf; ein früher seltenes Bild. Zum Unterschied von den jüdischnationalen deutschen Ärzten sind die jüdischnational eingestellten Kollegen aus dem Osten Europas — oder aus Wien — zumeist progressiv, religiös indifferent eingestellt und in der Tracht vollständiger europäisiert. Sie schränken auch die Kinderzahl stärker ein als die aus Deutschland kommenden Intellektuellen, bei welchen jüdischnationales Gefühl häufiger mit Religionstreue und konservativer Gesinnung kombiniert ist. —- Die Kinderzahl ist in der gegenwärtigen Situation eine wichtige budgetäre Angelegenheit. Aber nicht nur die Kinder belasten den um seine Existenz schwer kämpfenden Arzt. Im Durchschnitt hat jeder palästinensische verheiratete Arzt außer Frau und Kind noch 0.35 andere Verwandte zu unterstützen oder zu erhalten. Am stärksten sind die 40- bis 49jährigen Ärzte belastet. Über die Vermögensverhältnisse liegen lückenhafte Angaben vor. 18% aller Ärzte, 33% der Ärzte, die vor Ende 1932 ins Land gekommen sind und bloß 7% derjenigen, die erst in der Hitler-Ära nach Palästina übersiedelten, gaben an, immobilen Besitz, ein Haus, ein Grundstück, eine Plantage, eine eigene Wohnung oder eine Kombination derselben zu besitzen. Die vor 1933 eingewanderten Ärzte sind relativ viermal häufiger mit Besitz gesegnet als die, welche erst seit 1933 palästinensischen Boden betreten haben. Wer die Entwertung des Geldes durch Spekulation der Alten und Unerfahrenheit der Neuen kennen gelernt hat, wer weiß, daß in Palästina während der Prosperityperiode jedermann alle verfügbaren Ersparnisse in dem Ankauf von Grund und Haus investierte, wird die geringe Prozentzahl solcher Ärzte, die Realbesitz ausgewiesen haben, als symptomatisch für die ungünstige Lage der palästinensischen Ärzteschaft ansehen. Von den 40- bis 49jährigen Ärzten haben 25%, von den 50- bis 59jährigen 33%, von den über 60jährigen nur 13% (!) immobilen Besitz angegeben. Wenn auch manche Kollegen aus gesellschaftlichen Gründen ihren Besitz nicht ganz richtig deklarierten und die obigen Prozentsätze niedriger sind als in Wirklichkeit -~ groß ist die nötige Korrektur nicht. Der Prozentsatz der Besitzenden schwankt je nach dem Ort. In Jerusalem