Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 3 (März 1936)
- Article
- Die jüdische Ärzteschaft in Palästina
- Date
- 1936-03-01
- Page
- Seite 124 (sequence 4)
- Language
- German
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Stenzmöglichkeiten. Ohne diese Atomisierung der Praxis würde die materielle Lage der Ärzte viel ungünstiger sein. Für die Bevölkerung selbst ist dies aber kein Vorteil. Die Zersplitterung der Medizin nach Fächern finden wir. nicht nur in der Stadt, auf dem Lande gibt es ebenfalls Kinderärzte, Frauenärzte, Ophthalmologen, Chirurgen, Bakteriologen, Röntgenologen und Laryngologen. Diesbezüglich ist Palästina ein Weltunikum. Welche Vergeudung von Kräften, welche Gelegenheit zum Verlernen — man kann sich das kaum vorstellen. Denn bei alledem darf nicht vergessen werden, daß die Städte nicht weit entfernt, die Verbindungen zumeist ausgezeichnet sind und daß der Jude eine große Neigung hat, in die Großstadt zu reisen, wenn er seine Gesundheit bedroht glaubt. Von Interesse ist die Gliederung der Ärzte nach der Einkommensart. Antworten liegen von 95% der Ärzte vor. Von diesen üben 65% nur freie Praxis aus, 20% sind partiell und 15% voll angestellt. Die Prozentzahlen sind nicht in jeder Altersklasse gleich. Beinahe die Hälfte der voll angestellten Ärzte ist 30 bis 39 Jahre alt, nur wenige von ihnen sind über 50. Die Kassen stellen naturgemäß jüngere Ärzte lieber an als ältere, deren Leistungsfähigkeit in dem ungewohnten Klima geringer ist. Folgende Übersicht gewährt uns einen Einblick in diese Verhältnisse: Altersgliederung der palästinensischen jüdischen Ärzte: nur frei praktizierend voll angestellt partiell angestellt Bis 29 ....... 29 24 6 30 bis 39 ...... 242 57 71 40 „ 49 ...... 195 31 65, 50 „ 69 ...... 89 10 26 70 „ 79...... 9 2? ....... 17 9 5 581 131 175 Die letzte Einwanderungswelle brachte relativ viele Ärzte in vorgeschrittenem Alter ins Land. Sind schon für junge Menschen die Schwierigkeiten, in einem überreich mit Ärzten versorgten Lande Fuß zu fassen, recht groß; für Ältere, die nicht mehr über Energie und Anpassungsfähigkeit eines Dreißigjährigen verfügen, sind sie kaum überwindbar. Natürliche und soziale Hindernisse sind zu überwinden, auch die familiären Sorgen und Lasten spielen da eine ungleiche Rolle. Es besteht die Gefahr, daß manche dieser Kollegen ihr ins Land mitgebrachtes Kapital aufgezehrt haben werden, ehe sie in die Praxis eingedrungen sind. Was dies in einem Lande ohne Altersversicherung, ohne geordnetes Armenrecht, ohne kollegiale Hilfsinstitutionen bedeutet, braucht nicht erörtert zu werden. Auch die jungen Ärzte verlieren bei der gegebenen Situation viel Geld und Zeit, auch sie büßen viel Energie ein, bis sie ihren Platz gefunden und erobert haben. Erst in jüngster Zeit hat die Zentrale der Ärztegesellschaft einen Auskunftsdienst in Tel Aviv eingerichtet, der den landes- und ortsunkundigen Ärzten zur Verfügung steht und sie hinsichtlich der Niederlassung berät. Die freie Praxis wird in der Regel einzeln, in der Privatwohnung oder in von dieser getrennten Ordinationsräumen ausgeübt. Die Sitte, außerhalb der Wohnung zu ordinieren, bürgert sich in den Städten immer mehr ein, sie ist in Jerusalem seltener, in Haifa häufiger als in Tel Aviv. Ein kleiner Teil der Ärzte übt daneben eine Art Armenpraxis in Polikliniken aus, die philantropische Institutionen und die Gesellschaft der Ärzte eingerichtet haben. In letzter Zeit sind auch private Polikliniken entstanden, in denen Vertreter mehrerer Fächer vereinigt sind und gegen viel geringeres