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Palästina · 1936-03-01 · Heft 3 (März 1936) · p. Seite 123

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 3 (März 1936)
Article
Die jüdische Ärzteschaft in Palästina
Date
1936-03-01
Page
Seite 123 (sequence 3)
Language
German
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verwertbare Auskunft erteilten. Allem Anschein nach sind dies befriedigende Resultate. Leider wurde nur von einem kleinen Bruchteil die Verwendungsart angegeben. (Der Hospitant oder Volontär lernt <— insbesondere wenn er landfremd ist — weniger in der Zeiteinheit als der Sekundararzt oder Assistent.) Die Ärzte, welche in Italien, Frank" reich, Belgien und England studierten, verfügen über eine geringere Spitalsausbildung als die anderen. Die Gruppe der jüngsten Ärzte — bis 29jährige — zählt prozentuell die meisten, welche ohne Spitalserfahrung (43%) oder mit sehr geringer Erfahrung (19% bis ein Jahr Spital) nach Palästina gekommen sind. In dieser Gruppe dominieren die deutschen Ärzte. In Palästina gibt es kein Gesetz, welches vom Arzt ein gewisses Minimum an praktischer Erfahrung fordern würde, ehe er zur selbständigen Tätigkeit zugelassen wird; es genügt, daß er irgendwo Medizin absolvierte. Die Regierung verlangt auch keinerlei Nostrifikationsprüfungen. Es wurden also bisher alle Ärzte, auch ohne jegliche Spitalserfahrung und ohne Kenntnis der Landeskrankheiten, zur Praxis zugelassen, die die Wohnberechtigung erlangten. Die daraus erwachsenen Gefahren waren nicht gering. Ein Teil der Ärzte holte die Spitalserfahrung in Palästina nach. Nicht weniger als 10% der im Frühjahr 1935 im Lande tätig gewesenen 937 Ärzte verdanken palästinensischen Spitälern ihre Spitalserfahrung. Es ist dies auch für den Kenner Palästinas überraschend viel. Allerdings nicht jedes palästinensische Spital ist ein Wiener Allgemeines Krankenhaus. Es sind.kleine, zum Teil modern, zum Teil nicht besonders gut geführte Spitäler. Die letzten Jahre haben überall Erweiterung und Fortschritt mit sich gebracht. Aber nicht jedes Spital bietet günstige Ausbildungsmöglichkeiten. Die ungünstige Wirtschaftslage der jungen Ärzte und der Mangel jeglicher praktischer Erfahrung in der Krankenuntersuchung und Krankenbehandlung verleitet manchen Kollegen zur Annahme einer Tätigkeit, die unter den gegebenen Umständen kaum zur entsprechenden Vermehrung seiner Kenntnisse und zur Förderung seiner Fähigkeiten führen dürfte. Die Organisation der Ärzte wird dem Problem der spitalsärztlichen Tätigkeit in Palästina einige Aufmerksamkeit schenken müssen. Sie wird dafür zu sorgen haben, daß keine Zeit vertrödelt wird und daß die jungen Ärzte nicht einseitig ausgebildet werden. Letztere Gefahr ist besonders groß, da der Hang zum Spezialistentum in Palästina krankhaft groß ist. Ein schlecht ausgebildeter Spezialist gilt den Juden in Palästina mehr als ein allgemein gut ausgebildeter praktischer Arzt, obwohl erster es viel leichter zu erreichen ist als das letztere. Das Publikum weiß gar nicht, welche Gefahren und welche Mehrkosten ihm daraus erwachsen. Von den Ärzten in der Stadt arbeiten nur 12% als praktische Ärzte. 26% aller Ärzte sind als Internisten, 11% als Kinderärzte, 12% als Frauenärzte, über 4% als Chirurgen, etwa 6% als Neurologen und Psychiater, 6% als Augenärzte, 4% als Laryngologen, etwa 5% als Dermatologen, etwa 2% als Urologen, 1.5% als Orthopäden, 3% als Bakteriologen tätig. Der Rest entfällt auf Röntgen-, physikalische Therapie, Tropenmedizin usw. Ich glaube kaum, daß alle Spezialisten Palästinas im Ausland als Spezialisten tätig waren >— sonst müßte man annehmen, daß von den praktischen Ärzten ein viel kleinerer Bruchteil nach Palästina emigrierte als von den Spezialisten. Aus manchem guten praktischen Arzt dürfte hier ein mäßiger Spezialist geworden sein. Es gibt keine Groß« Stadt in Europa, in der wir eine ähnliche Gliederung der Ärzte nach Spezialfächern fänden. Was wir hier sehen, kann bloß als Anpassung an die seelische Verfassung des Publikums gedeutet und entschuldigt werden. Die Anpassung zeitigt krankhafte Symptome und hat für Palästina nur eine gute Seite. Die weitgehende spezialistische Zergliederung gibt einem größeren Teil der eingewanderten Ärzte Exi-

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