Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 3 (März 1936)
- Article
- Die jüdische Ärzteschaft in Palästina
- Date
- 1936-03-01
- Page
- Seite 122 (sequence 2)
- Language
- German
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Im Jahre 1928 gab es rund 400 jüdische und rund 150 nichtjüdische Ärzte1» Das blieb so ein Jahrfünft beinahe unverändert. Noch anfangs 1933 gab es insgesamt etwa 600 (jüdische und arabische) Ärzte in Palästina. In weiteren zweieinhalb Jahren hat sich die Ärzteliste beinahe verdreifacht. Die neuen Ärzte stammten zumeist aus Deutschland und veränderten das ärztliche Aussehen des Landes recht erheblich. Die Enquete erfaßte 937 jüdische Ärzte, das waren 80 bis 85% der damals im Lande tätig gewesenen jüdischen Ärzteschaft Die arabischen Är-zte stehen außerhalb der Organisation und wurden daher nicht erfaßt. Sie haben mit den jüdischen Kollegen keinerlei organisatorischen, keinerlei wissenschaftlichen und nur vereinzelt einen gesellschaftlichen Kontakt. Das war nicht immer so. Zur Zeit Lord Plumers hat es wenigstens in Jerusalem eine kleine gemeinsame Plattform (die Academy of Medicine) gegeben, wo unter dem Protektorat und bei Anwesenheit des High Commissionars jüdische, arabische und englische Ärzte medizinische Fragen des Landes erörterten und sich nachher auch gesellschaftlich zusammenfanden. Dieser kleine Ansatz ist im Jahre 1929 zerstört worden. In letzter Zeit bemüht sich die jüdische Gesellschaft der Ärzte um die Herstellung einer gemeinsamen rechtlichen Plattform —- in Form einer Ärztekammer —, aber die Regierung hat für dieses Projekt keine Sympathie. Einen kleinen ersten Erfolg erzielte man vor kurzem mit der Gründung einer Gesellschaft für geistige und seelische Hygiene, in der Juden, Araber und Engländer gemeinsam an den Problemen des Landes arbeiten wollen. Von den 937 erfaßten Ärzten sind 35% in Deutschland, 24% im Gebiete der heutigen USSR., 21% im Gebiete des heutigen Polen geboren. Die restlichen 20% verteilen sich auf 16 verschiedene Länder Europas, Asiens, Amerikas und Australiens. Palästina selbst ist als Geburtsland mit 2.6% vertreten gewesen. Die Ärzte, die sich vor, während und in den ersten fünf Jahren nach dem Weltkrieg in Palästina niederließen, stammten in der Hauptsache aus Rußland, die zweitstärkste Gruppe stellte das Territorium der gegenwärtigen Polnischen Republik. Beide zusammen machten 62.5 + 16.6= 79% aller damaligen Ärzte aus. In den Jahren 1924 bis 1929 waren die Russen unter den Einwanderern nicht mehr in der Majorität, aber sie waren immerhin noch stärker als jede andere Gruppe und nur noch etwa zweimal so stark wie die Ärzte polnischer Herkunft (49 + 25 74%). Alle anderen Geburtsländer stellten in diesen Jahren 26%. Unter den eingewanderten Ärzten der Jahre 1930 bis Juni 1935 ist Deutschland mit 51%, Polen mit 21.5% vertreten. Die Sowjetunion stellte jetzt nur 11%, das heißt ebensoviele wie Litauen plus Lettland plus Rumänien. Die Deutschen drücken somit der Alijah von 1930 bis 1935 ihren Stempel auf, aber auch die anderen Länder schickten jetzt mehr Ärzte als früher. So betrug das polnische Kontingent in den Jahren 1924 bis 1929, also in sechs Jahren, in absoluten Zahlen, 55 Ärzte, in den folgenden Sx/i Jahren 129 Ärzte. Von den 937 Ärzten hatten etwa 68% in Zentraleuropa (Deutschland, das ehemalige Österreich-Ungarn und die Schweiz) Medizin studiert und absolviert, 19% in Rußland (inklusive Russisch-Polen), 9% in Italien, Frankreich, Belgien, USA. Ein kleiner Rest entfällt auf andere Länder inklusive Syrien. Es dominiert also die medizinische Schule Mitteleuropas. Von großer Wichtigkeit ist die Spitalausbildung der zur Praxis Berechtigten. Nach unsereren Feststellungen haben 24% keine Spitalspraxis, 22% eine Spitalstätigkeit von höchstens zwei Jahren, 16% von zwei bis vier Jahren, 20% haben nach der Promotion länger als vier Jahre Spitalsausbildung genossen, während 18% keine, bzw. eine un- 1 Siehe M. Schermann, Die Ärzte in Erez Israel 1927, Harefuah 1929, 11, 2.