Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 3 (März 1936)
- Article
- Arthur Ruppin
- Date
- 1936-03-01
- Page
- Seite 120 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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schaftliche Kolonisation der zionistischen Organisation in Palästina« (Berlin, 1925) die Probleme und den von ihm beschrittenen Weg zu ihrer Lösung geschildert. Sehr oft war Ruppin von den Verfechtern der »efficiency« angegriffen worden, daß er zu optimistisch und zu opportunistisch gewesen sei. Dieses Buch zeigte, was noch jede objektive Betrachtung erwiesen hat, daß Ruppin sogar unvermeidliche Fehlgriffe zum Guten zu wenden wußte und durch seine positive Leistung der Bahnbrecher der neuen Ära in Palästina geworden ist. Das Erscheinen Ruppins auf den Zionistenkongressen war immer ein besonderes Fest für all diejenigen, die seine kristallklaren, mit ebensolcher knappen Sachlichkeit als innerer Wärme vorgetragenen Referate zu würdigen verstanden. Eine Ausgabe von Ruppins Kongreßreden wäre eine schöne Festgabe der zionistischen Organisation für den Jubilar und die ganze Judenschaft. In frischer Erinnerung sind uns Ruppins Referate auf dem Kongreß in Prag, 1933 über die deutsche Alijah und auf dem von Luzern, 1935. Knapp nach dem Einsetzen des Hitler-Regimes, als die Frage der Auswanderung der Juden Deutschlands akut wurde, trat Ruppin an die Spitze des Amtes für die deutsche Immigration in Palästina, dessen großen Leistungen aus den Berichten in dieser Zeitschrift darüber bekannt sind, ebenso wie seine vor der Völkerbundkommission vorgetragenen Ansichten und Vorschläge. Die neueste Schöpfung Ruppins ist ein Institut für Wirtschaftsforschung, das eben im Entstehen begriffen ist. Wenn man an diesem Jubiläum ein wenig überdenkt, was Ruppin geleistet hat, erscheint es gar nicht glaubhaft, daß ein Mann so viel geschaffen haben könnte! Es war nur möglich, dank einer überaus glücklichen Mischung von Eigenschaften in diesem seltenen Manne. Ruppin hat selbst einmal gesagt, er erhole sich von der Wissenschaft bei der Praxis und von der Praxis bei der Wissenschaft. Doch seine großen geistigen Qualitäten, seine praktische Begabung, die Gleichzeitigkeit von Reife, die er schon in frühen Jahren besessen hatte, mit Lebendigkeit, die im Laufe der Jahre sich nicht vermindert Hat, zusammengenommen, geben noch nicht den Schlüssel für den Quellpunkt, aus dem seine Schöpferkraft so ungemein reich gespeist wird. Dieser liegt in seiner hohen und warmen Menschlichkeit. Ruppin, der sachlichste aller Fachleute, hat immer aus warmen und mitfühlendem Herzen geschaffen. Das befähigte ihn, das einfühlende Verständnis dafür zu haben, was den Pionieren der jüdischen Renaissance allein die Kraft geben konnte, das Unmögliche möglich zu machen — die Begeisterung für das nationale Ideal. So ist er der chaluzischen Arbeiterschaft ein wahrer Vater geworden. Immer wieder betonte er jenen Kritikern gegenüber, die nur rein rationale Maßstäbe anzuwenden empfahlen, die Macht des psychologischen Faktors in der jüdischen Kolonisation, der allein die Kraft habe, die Siedler zum Ausharren zu bewegen; soeben erst sagte er in seinem Berichte über seine Forschungsreise in Südamerika: Man nehme von der Landwirtschaft in Palästina den Glanz, den ihr das jüdischnationale Ideal verleiht und es wird von ihr nichts übrig bleiben, als vielleicht die mit billiger arabischer Lohnarbeit arbeitenden Pardessim. Die hohe Menschlichkeit Ruppins hat ihn auch dazu getrieben, in der arabischen Frage zu einem Verfechter des friedlichen Ausgleichs mit unserem Nachbarvolk zu werden. Er ist dafür schon in den ersten Jahren nach dem Kriege eingetreten, doch seine allen Wortkämpfen abholde Natur hat verhindert, daß er sich aktiv an dem Streit der Parteien beteiligte und deshalb ist leider seine Meinung in dieser, wie in vielen anderen Fragen, nicht so gehört und beachtet worden, wie sie es verdiente. Ruppin hat immer die richtige Einsicht, aber nie die Sucht, sich um jeden Preis durchzusetzen, wie sie den Partei-