Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 3 (März 1936)
- Article
- Arthur Ruppin
- Date
- 1936-03-01
- Page
- Seite 119 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2379786-2379939-2379943-2407306--22219-2407490- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
vollzog Ruppin im Jahre 1909, als er den berühmt gewordenen ersten Vertrag mit einer Kwuzah — jener von Daganiah abschloß. Ruppin hatte klar erkannt, was in dem jüdischen »Arbeiter« steckt, und er unternahm das Wagnis, einer sozialistischen Gruppe eine nationale Farm zur Bewirtschaftung auf eigene Verantwortung, ohne Administrator zu übergeben. Es hatte gegenüber seinen Kritikern, die das vollkommen Neue, was sich da begab, nicht fassen konnten, einen schweren Stand und noch lange nach dem Kriege wurde das Kwuzah-System scharf kritisiert, z. B. von der Reorganisations- Commission, von den amerikanischen >>efficiency«-Schwärmern, von Fachleuten, wie Wilkansky und schließlich von der. Survey Commission (1927), aber Recht behielt Ruppin. Die Kwuzoth haben sich bewährt. Sie haben die ersehnte Erneuerung" der jüdischen Kolonisation in Palästina gebracht und sich als wirtschaftliche und soziale Pioniere erwiesen. Auch in vielen anderen Richtungen hatte Ruppin wertvolle Vorarbeit geleistet. Er hat das System moderner Verwaltung im jüdischen Jischuw aufgerichtet, die Gründung von Pflanzungsgesellschaften (Achuzoth) bemittelter Juden in der Diaspora angeregt, landwirtschaftliche Versuche anstellen lassen, ein Informationsbüro gegründet, statistische Untersuchungen durchgeführt und unermüdlich Wege für die Heranziehung der Galuthjuden für die Palästina-Arbeit gebahnt. Mit einem lächerlich kleinen Budget hat er einen großen Auftrieb in die jüdische Wirtschaft des Landes gebracht und einen völligen Umschwung herbeigeführt. All das wurde nie richtig gewürdigt, niemals aber der Mut und die Unerschrockenheit, die Ruppin damals an den Tag legte. In jener unsicheren Zeit hatte er abenteuerliche Nachtritte zu machen und auch die Tagesreisen in das abgelegene Galiläa waren nicht ohne Gefahren. Seine Verbindung mit den Siedlern war eine menschliche und innige. Baraz erzählt z. B. in seinem Büchlein über Dagania, welche Anteilnahme Ruppin zeigte, wenn etwa ein Pferd in der Kolonie gefallen war, was für die damalige Siedlungsarbeit einen schweren Verlust bedeutete, u. a. m. Sein Wirken vor dem Kriege hat die Grundlagen geschaffen, auf denen nachher weiter gebaut worden ist. Während des Weltkrieges haben er und sein Palästina-Amt übermenschliches geleistet. Djemal Pascha, der türkische Befehlshaber, wollte nicht dulden, daß die Juden von einem ungekrönten König regiert werden und wies Ruppin aus. Inmitten der Kriegswirren benützte der Unermüdliche die erzwungene Muße, um die erste wertvolle und gründliche wirtschaftliche Studie über Syrien zu schreiben: »Syrien als Wirtschaftsgebiet« (Berlin, 1917), ein Buch, das bis heute ein Standardwerk geblieben ist. Nach Kriegsschluß, 1919, als die Zionisten ratlos vor der ihnen durch die Balfour-Deklaration zugefallenen Aufgabe standen, ließ er ein völlig durchdachten detaillierten Plan für die zionistische Arbeit unter dem Titel »D e r Aufbau des Landes Israel« erscheinen, ein Werk, das völlig in Vergessenheit geraten ist. Leider ist von dem Plane Ruppins so gut wie nichts ausgeführt worden. Die Überpolitisierung der gewaltig angewachsenen zionistischen Organisation war dem Verständnis für sachliche Fragen nicht günstig. Nach dem Kriege (1920) hat Ruppin, zusammen mit Ussischkin, die erste große kolonisationspolitische Tat nach dem Kriege, den großen Kauf im Emek (1920), gegen den Widerstand der damaligen Exekutive durchgeführt. Ruppins Tätigkeit in der Nachkriegsperiode ist so bekannt, daß darüber nicht ausführlich gesprochen werden muß. Die bloße Aufzählung seiner Leistungen würde ein ganzes Buch erfordern. Ein wachsendes jüdisches Gemeinwesen mit blühenden Siedlungen, sich rasch erweiternden Stadtvierteln, wissenschaftlichen Instituten, ein kräftig aufstrebendes Volk blickt auf Arthur Ruppin als Initiator und schöpferische, bauende Kraft, fjr selbst hat in einem großen Rechenschaftsbericht: »Die 1 a n d w i r t-