Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 3 (März 1936)
- Article
- Arthur Ruppin
- Date
- 1936-03-01
- Page
- Seite 118 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2379786-2379939-2379943-2407306--22218-2407489- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
logie an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Ruppin spannte den Umkreis dieses Faches sehr weit, denn von Anfang an hatte er das größte Interesse für Anthropologie, Folklore, Psysionomik usw. der Juden bekundet und die verschiedenen jüdischen Zentren bereist, um an Ort-und Stelle Studien zu machen, Materialien, Photographien, seltene und originelle Editionen zu sammeln —- er hat dies buchstäblich bis zum heutigen Tage so gehalten und ist fast direkt von seiner Forschungsreise in Südamerika in die Feier seines sechzigsten Geburtstages hineingeglitten. Die jüdische Kolonisation in Sowjetrußland studierte er im Jahre 1917, nach Nordamerika und in alle europäischen Länder führte ihn seine zionistische Tätigkeit zu wiederholten Malen. Seine schöpferische, erzieherische, wissenschaftliche, forscherische Tätigkeit auf dem Gebiete der jüdischen Volkskunde und Soziologie hätte allein genügen können, um sein Leben auszufüllen und ihm einen besonderen Platz in der Ehrenhalle des jüdischen Volkes einzuräumen. Und doch erscheint sie, so bedeutsam sie auch an sich ist, fast nur wie ein Nebenarm in dem weit ausgedehnten Strömenetz des Ruppinschen Schaffens. Sein Name ist für jeden Juden vor allem mit der Kolonisation Palästinas unauflöslich verbunden — hier hat er seine Hauptleistung vollbracht. Getreu seinem Prinzip, alle Probleme, die ihn beschäftigten, an Ort und Stelle zu studieren folgte er, der seit dem ersten Kongreß Schekelzahler gewesen war, einer Einladung Wolffsohns — der auf die eminente Begabung Ruppins aufmerksam gemacht worden war —- um die Aussichten des Zionismus in Palästina zu erkunden, die er von ferne nicht allzu optimistisch beurteilt hatte. Diese Forschungsreise sollte sich als außerordentlich fruchtbringend für den Zionismus erweisen. Ruppin hatte mit scharfem Auge die Lage in Palästina erfaßt. Er prägte damals eines'seiner so zahlreichen, treffsicheren Mots — das von der »Überalterung« der jüdischen Kolonisation, die einer »Blutauffrischung« bedürfe. Damals regte sich das junge Blut schon im Lande. Nach den Enttäuschungen, die sie bei der ersten Revolution in Rußland (1904/05) erfahren hatten, waren hunderte kraftvolle, intelligente, von sozialistischen und zionistischen Idealen erfüllte junge Juden aus diesem Reiche nach Palästina gekommen, sie bildeten die sogenannte »zweite Alijah«, doch war für sie in der Landwirtschaft kein anderer Platz, als bei schlecht bezahlten Lohnarbeiter in den Kolonien, wo sie die Arbeit aus nichtjüdischen Händen »erobern« wollten. Ruppin faßte seine Beobachtungen in einer kleinen Broschüre zusammen »D i e wirtschaftliche Lage der Juden in Palästina« (Wien, 1907); dem Zionistischen Aktionskomitee unterbreitete er einen Arbeitsplan und erklärte sich bereit, selbst als Leiter der zionistischen Tätigkeit nach Palästina zu gehen. Das geschah im Frühjahr 1908. Dr. Jakob Thon folgte ihm als sein Sekretär. Jener Plan bestand darin, ein Palästina-Amt, also eine zionistische Verwaltungsstelle zu schaffen, dem Hausbauverein »Achusath Baith«, der unter Führung eines Bilumitgliedes, Dizengoff, eine kleine Vorstadt bei Jaffa, »Tel Aviv« (60 Häuser) genannt, schaffen wollte, durch ein Darlehen des KKL. dies zu ermöglichen, ferner die Palestine Land Development Cy. zu gründen. Daß Ruppin an der Wiege von Tel Aviv stand, ist heute schon völlig vergessen, erscheint aber ein Merkzeichen dafür, daß in Palästina keine jüdische Großtat geschaffen wurde, ohne daß Ruppin mit ihr nicht aufs engste verbunden gewesen wäre. Die PLDC. sollte die zionistische Institution sein, die den Bodenankauf durchführt, die Gründe parzelliert, eventuell auch Güter schafft und diese verkauft. Sie übernahm die Bodenstücke des KKL. So entstanden die ersten nationalen Farmen Ben Schemen, Hulda, Kinereth, Dagania. Jüdische Arbeiter erhielten auf ihnen die Ausbildung. Damit war schon eine Besserung in der Kolonisation angebahnt, aber die entscheidende Wende