Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1936)
- Article
- Beschränkungen des Bodenverkaufes?
- Date
- 1936-02-01
- Page
- Seite 87 (sequence 3)
- Language
- German
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die schwerste Sorge für den Fellachen ist seine Überschuldung, die ihn, besonders durch die hohen Zinssätze, die er zahlen muß, förmlich erdrückt. Die oberwähnte Kommission hat in 104 Dörfern im Durchschnitt eine Verschuldung konstatiert, die ungefähr so hoch ist, wie eine ganze Jahresbruttoeinnahme (27 £P), bei einem Zinsfuß von 30%. Hier könnte nur, wie Dr. Granovsky vorgeschlagen hat4, durch eine großzügige einmalige Entschuldungsaktion, gefolgt von einem Gesetz, das eine Verschuldungsgrenze stipuliert, Abhilfe geschaffen werden. Auch nach einer anderen Betrachtungsweise wäre eine solche Verordnung nichts als bloß eine politische Maßnahme. Der arabische Landwirt soll vor der Depossedierung durch die Juden geschützt werden. Doch welchen Umfang hat diese »Depossedierung« nach 54 Jahren jüdischer Kolonisation angenommen? Von der perzentuellen Vermehrung der ländlichen moslemischen Bevölkerung ist schon gesprochen worden. Diese ist also nicht vertrieben, sondern befestigt worden. Ebenso aber hat sich, was -schon der bloße Augenschein ergibt, und sich mangels einer genauen Statistik nur an der Zunahme der Produktion erweisen läßt, die kultivierte Fläche bedeutend vermehrt, vor allem dadurch, daß die Juden Ödland und Sümpfe fruchtbar gemacht haben. Ihre Käufe haben sie zu neun Zehntel von Großgrundbesitzern getätigt und die Untersuchung über die dadurch »depossedierten« Bauern hat das bekannte klägliche Resultat ergeben. In der Küstenebene sind dort wo die Juden von den Bauern etwas Boden gekauft und bepflanzt haben, aus den betreffenden verelendeten Fellachendörfern blühende arabische Pflanzungssiedlungen geworden. Der gesamte jüdische Bodenbesitz beträgt nur zirka 10 bis 11% der kultivierten Fläche Palästinas (da die Schätzungen dieser Fläche variieren, ist eine genaue Angabe nicht möglich). Auf dieser produzieren die Juden nach den neuesten Schätzungen dem Werte nach Zumindestens 40% der gesamten landwirtschaftlichen Erzeugung des Landes5. Auch ein Nichtfachmann muß aus dieser Tatsache schließen, daß für die AgrarentWicklung, das ist also auch für den arabischen Bauernstand die jüdische Kolonisation einen ungeheuren Auftrieb bedeutet. Im übrigen hat die jüdisch-städtische Entwicklung den Fellachen bedeutende Vorteile gebracht, worüber es nicht nötig ist, an dieser Stelle neue Nachweise zu bringen. Wenn es den Bauern im Gebirge schlecht geht, so ist der Grund dafür eben der, daß dort keine dichte, jüdische Ansiedlung besteht. Gerade deshalb kann aber doch unmöglich ein Kausalnexus hergestellt werden zwischen dem Elend dieser Fellachen und ihrem Bodenverkauf an Juden, da ein solcher in nennenswertem Maße gar nicht stattgefunden hat. Infolge der Eigenart der palästinensischen Verhältnisse, wo die Hebung der arabischen Landbevölkerung im stärksten Maße von der jüdischen Kolonisation abhängt, könnte das geplante Gesetz sich nur zum Nachteil der dadurch angeblich zu schützenden Fellachen und als Hemmnis für die Entwicklung der jüdischen Siedlung — also zum Schaden des Landes auswirken. Die Opposition der Zionistischen Organisation gegen die Erlassung dieses Gesetzes wird daher nicht allein in jüdischem Interesse geführt und es ist zu hoffen, daß sie ebensolchen Erfolg haben wird, wie ihr zäher Widerstand gegen die ähnlichen Pläne von Mr. French. In diesem Kampf wird außerdem die unabweisbare Forderung der Juden wieder mit allem Nachdruck gestellt werden müssen, daß Transjordanien der 4 Anm. Siehe loc. cit. S. 166. Vgl. dazu auch A. Böhm: »Fellachen, Regierung und Juden«, Jahrgang 1932, S. 442. 5 Anm. Dr. J. Adler kommt in seinem Artikel über das Volksvermögen" irr-Nr. I sogar auf 46%. Agrarproduktion in Millionen Pfund: 6, davon jüdisch 1.8 Zitrus, 1 gemischte Wirtschaft, zusammen 2.8.