Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1936)
- Article
- Die Bedeutung der Industrie für die Absorption der Einwanderung nach Palästina
- Date
- 1936-02-01
- Page
- Seite 81 (sequence 5)
- Language
- German
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Zahl der Arbeitenden in diesen Siedlungen beträgt zirka 4230 (2115 Familien; beide Familienhäupter arbeiten in der Wirtschaft). Es betrug also die investierte Summe pro Arbeiter: in der Pflanzungswirtschaft....... in der Gemischtwirtschaft........ in der Industrie............ 692 £ 469 £ 270 £ Wahrscheinlich dürfte in dieser Rechnung die Investitionssumme für die gemischte Wirtschaft etwas zu niedrig sein, da noch nicht alle Siedlungen basiert sind und ihr »Füll equipment« erreicht haben. Es dürften wohl auch noch andere private und öffentliche Gelder in diesen Siedlungen investiert worden sein. Das ändert aber an dem prinzipiellen Ergebnis der Untersuchung, auf das es uns hier ankommt, nichts: nämlich an der Bedeutung der Industrie als Aufnahmereservoir für eine Masseneinwanderung mit einem Minimum an Kosten. In besonderem Maße gilt das für das Kleingewerbe. Eine detaillierte Untersuchung, wie sie die Industriezählung der »Jewish Agency« vom Jahr 1933 ermöglicht, zeigt aufs klarste, daß die Höhe der Kapitalsinvestition im Gewerbe im umgekehrten Verhältnis zur Zahl der Beschäftigten steht. Nach dieser Zählung wurden mit 5% des investierten Gesamtkapitals in 75% aller gezählten Betriebe 25% aller Personen beschäftigt; umgekehrt: in 25% aller Betriebe mit 95% des Kapitals nur 75% der beschäftigten Personen. Diese Ziffern zeigen, daß die kleinen, kapitalextensiven Betriebe, relativ zur Höhe des investierten Kapitals, in nicht unerheblichem Maße mehr Personen beschäftigten als die großen Betriebe. Dazu kommt, daß die Kleinbetriebe in mancher Hinsicht konjunktursicherer sind als die Großbetriebe. Es kann also über die Bedeutung des Kleingewerbes für die Aufnahme der jüdischen Einwanderung kein Zweifel bestehen, so groß auch die Bedeutung des modernen Großbetriebes für die palästinensische Wirtschaft in anderer Hinsicht ist. Einschränkend muß jedoch bemerkt werden, daß es fraglich ist, ob die Aufnahmefähigkeit der Industrie und des Gewerbes insgesamt ebenfalls in direkter Proportion zur Dauer der Beschäftigung steht, das heißt ob die Beschäftigungsmöglichkeit nicht Schwankungen unterliegt, die eine direkte Funktion der Krisenempfindlichkeit dieses Beschäftigungszweiges in struktureller und konjunktureller Hinsicht sind. Das Gewerbe ist hierin zweifellos der Bauwirtschaft, dem typischen Konjunkturgewerbe, weit überlegen, zumal das Baugewerbe auch keinen festen Arbeitsplatz bietet; und deshalb haben wir das Baugewerbe bei unserer Untersuchung nicht in Betracht gezogen. Dagegen ist die gemischte Landwirtschaft ohne Zweifel in Hinsicht auf die Dauer der Beschäftigung der Industrie überlegen8. Wir zitieren zu dieser Frage aus einem Artikel von Dr. Cyderowitsch: »Probleme der Industrie« (»Meschek Schitufi«, Nr. 13, 1934): »Bei Betrachtung der Zusammenhänge zwischen der zukünftigen Entwicklung der Industrie und ihrer Absorbtionsfähigkeit für Einwanderer darf nicht übersehen werden, daß zur Beschäftigung zusätzlicher Arbeitskraft in der Industrie kleinere Investitionssummen notwendig sind als in der Landwirtschaft; allein dies gilt nur für eine begrenzte Zeit. Begründete Folgerungen in dieser Frage haben nur für eine begrenzte Zeit Geltung. Sie hängen von verschiedenen Faktoren ab, die zu erheblichen Teilen außerhalb des ökonomischen Bereiches liegen.« — Mit anderen Worten: die 3 In dieser Hinsicht ist auch die »gemischte« vielseitige Landwirtschaft der auf kapitalistischer Basis stehenden Orangenwirtschaft: weit überlegen.