Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1936)
- Article
- Einige Bemerkungen zur palästinensischen Aufbaukonjunktur
- Date
- 1936-02-01
- Page
- Seite 76 (sequence 5)
- Language
- German
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zahl von 1933, ja von 1934 würde heute ein Ende der Prosperity bedeuten, obwohl und weil diese Einwanderung zu ihrer Zeit diesen Aufschwung hervorgerufen hat. Bei näherem Zusehen erkennen wir, daß auch die Wahrung des Einwanderungsproporzes die Aufbaukonjunktur nicht für die Dauer aufrecht zu erhalten vermag. Eine solche Dauerkonjunktur würde einen dauernden Überschuß des Bedarfes über die Produktion voraussetzen, aber ein solcher Zustand ist bei der kapitalistischen Produktionsweise unvorstellbar. Der Druck der Konkurrenz zwingt den Unternehmer, seinen Absatz und den Umfang seines Betriebes ständig zu vergrößern, das Ausweitungstempo des Marktes zu diskontieren, darauf solange zu spekulieren, bis eine Übersättigung des Marktes eine Depression herbeiführt. Bei einem sich ständig, z. B. durch eine kon^ tinuierliche Einwanderung, erweiternden Markt produzieren daher Kapital und Arbeit bald nicht allein für den vorhandenen, sondern auch für den künftig zu erwartenden Konsumumfang. Je größer der Überschuß des Konsums über die Produktion ist, desto stürmischer ist die Konjunktur, desto umfangreicher und schneller die Verlagerung des Kapitals, desto größer die Disproportion zwischen der Entwicklung des betreffenden Wirtschaftszweiges und den übrigen Sektoren der Volkswirtschaft. Diese Verlagerungen müssen bei einer Einwanderungskonjunktur, wie die von Palästina, durch das Vorhandensein großer mobiler, anlagesuchender Kapitalien und zahlreicher neuer, unverwurzelter Arbeitskräfte, besonders erleichtert werden. Daher müßte, um die Aufbaukonjunktur aufrechtzuerhalten, der Markt sich nicht in arithmetischer, sondern in geometrischer Progression erweitern, die Einwanderung müßte nicht proportioneil der Zunahme des Jischuw, sondern schneller als dieser wachsen. Eine Einwanderung von 100.000 Menschen, ausgerüstet mit entsprechender Kaufkraft, im Laufe des nächsten Jahres würde sicherlich die Disproportion zwischen Konsum und Produktion wiederherstellen, und die erschlaffte Konjunktur wieder ankurbeln können. Jedoch ist eine solche grenzenlose Steigerung der Immigration ohne umfangreiche organisatorische Vorbereitungen sehr unwahrscheinlich, weil die Kapitalübertragung von Land zu Land aüf Schwierigkeiten stoßen muß, die mit der Größe der Summen wachsen. Bei einer stetigen oder auch mäßig steigenden Einwanderung müssen in absehbarer Zeit die Produktivkräfte des Landes unter dem Impuls der Konjunktur auch den wachsenden, zusätzlichen Konsumumfang erreichen und übertreffen und eine Depression herbeiführen. Die Krise von 1926; ebenso wie die Entwicklung der letzten Monate lehren uns gleich eindringlich, daß nicht, wie es die allgemeine Meinung ist, die »Prosperity« durch eine Stockung der Einwanderung aus der Diaspora unterbrochen, sondern umgekehrt, die Immigration durch eine Krisenwendung der palästinensischen Wirtschaft gestoppt wird. Wir haben versucht, die innere Gesetzmäßigkeit der palästinensischen Aufbaukonjunktur in ihrer abstrakten Form als Bewegung des mobilen Kapitals darzustellen. Eine genauere Analyse müßte diese Kapitalbewegungen in ihren konkreten Ausdrucksformen auf allen Gebieten des Wirtschaftslebens (Kredit, Produktion, Siedlung, Arbeitslohn, Einwanderung, Handel, arabische Wirtschaft usw.) in ihrer gegenseitigen Abhängigkeit verfolgen und die verschiedenen wirtschaftlichen und sozialen Formen, in denen sich der Ablauf des Konjunkturzyklus darstellt, schildern. Selbstredend wird die tatsächliche Konjunkturentwicklung auch durch mannigfache äußere Faktoren modifiziert, gefördert oder gestört (es sei nur an die palästinensische Bodengesetzgebung und an die Devisenbeschränkungen hingewiesen). Es wäre nichts falscher, als jeden Wirtschaftsaufschwung in Palästina mit der geschilderten Aufbaukonjunktur der Mittelstandseinwanderung gleichzusetzen, wie es von mancher Seite versucht worden ist. Denn in der palästinensischen Wirtschaft ist noch eine Reihe anderer Kräfte wirksam (das normale Wachstum der einheimischen Wirtschaft, die kapitalistische Durchdringung des