Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1936)
- Article
- Einige Bemerkungen zur palästinensischen Aufbaukonjunktur
- Date
- 1936-02-01
- Page
- Seite 74 (sequence 3)
- Language
- German
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beträchtlichen' Teil aus einigermaßen bemittelten Personen zusammensetzt, wobei die Mittel größtenteils aus der Liquidierung von früheren Erwerbsunternehmungen stammen. Freilich kommen auch jetzt nach Palästina sowohl mittellose Emigranten als auch Kapitalien, die nicht an persönliche Träger gebunden sind. Jedoch die spezifische »Prosperity« der Aufbaukonjunktur wird durch die mittelständische Einwanderung hervorgebracht. Diese erweitert einerseits, durch ihre Kaufkraft, den Binnenmarkt und speziell den Wohnungsbedarf, liefert anderseits die Unternehmerpersönlichkeiten und das zur Entwicklung der einheimischen Produktion notwendige Anlage- und ZirkulationskapitaL Nur die Mittelstandseinwanderung schafft die Bedingungen, welche die Popularisierung der Bodenspekulation, das Emporblühen der Städte, das rapide Steigen des Lebensniveaus, der Arbeitslöhne und der Lebenskosten hervorrufen. Die beiden Pole der Problematik der palästinensischen Prosperity bilden daher die Rückverwandlung des mobilen, an persönliche Träger und ihre Bedürfnisse gebundenen Kapitals in rentable Unternehmungen, sowie die wirtschaftlich und soziale Differenzierung der mittelständischen Einwanderung. Je mehr sich die Wirtschaft des Landes mit dem Fortschreiten der Konjunktur entwickelt, die Betriebsgröße, der Bodenpreis und das minimale Anlagekapital wachsen, je mehr die Rendite wegen der erstarkten Konkurrenz und der Zinssatz infolge des Vordringens des Finanzkapitals sinken, desto mehr wird der kleine Kapitalist, von den rentablen Anlagemöglichkeiten abgedrängt, gezwungen, sein Kapital aufzuzehren und in ein Lohnverhältnis einzutreten. Damit werden aber die Absorptionsmöglichkeiten für die Mittelstandseinwanderung immer mehr eingeengt, weswegen auch die Hochkonjunktur, die sich vom produktiven und konsumtiven Aufzehren des Grundkapitals nährt, allmählich abebben und einer Depression Platz machen muß. Das Ende der »Prosperity« braucht aber keinesfalls das Ende der Arbeitereinwanderung oder des Kapitalimports zu bedeuten. Die 3. Alijah und die Depressionsjahre nach 1926 haben gezeigt, daß beide Vorgänge an eine Hochkonjunktur nicht unbedingt gebunden sind und auch ohne sie, wenngleich im beschränkten Umfange, stattfinden können. Vergegenwärtigen wir uns den Entstehungsgang der palästinensischen Aufbaukonjunktur. Horowitz betont, daß der Aufschwung der Expörtwirtschaft und der Baubewegung der Entwicklung der Produktion für den Binnenmarkt zeitlich vorangehen muß. Genauer erfaßt, können wir aber drei aufeinanderfolgende Konjunkturphasen unterscheiden. Die erste — eine Investitionsphase, in der Kapital in rentablen Anlagen investiert wird. Als solche haben sich in Palästina, dessen Binnenmarkt klein und der Weltkonkurrenz schutzlos ausgesetzt ist, bisher im wesentlichen nur die Exportzweige, vor allem die Pflanzungen, erwiesen. Tritt dieser Kapitalimport in der Form einer Mittelstandseinwanderung auf, die bei dem Investitionsprozeß ihren Unterhalt findet, so folgt als zweite, eine Phase der Baubewegung und der mit ihr zusammenhängenden In- ~ dustrien. Als dritte und letzte folgt dann die Phase der Industrie und der gemischten Landwirtschaft, welche für den sehr erweiterten Binnenmarkt, der sich inzwischen um die Baukonjunktur herum entwickelt hat, produzieren. Die von Horowitz betonte Disproportion zwischen den Kapitalanlagen in den drei wichtigsten Wirtschaftszweigen erscheint auf diese Weise nicht statisch, sondern in dynamischer Entwicklung. Sie wird dadurch ermöglicht, daß jede Konjunkturphase sich aüf die vorangehende stützt, wobei die erste vom Weltmarkt abhängt, die zweite (Baüphase) vom Binnenmarkt, jedoch, ohne den Wettbewerb des Auslandes, zu spüren. Die dritte (Industrialisierungsphase) endlich sich gegen die Weltmarktkonkurrenz schwer durchkämpfen muß. Selbstverständlich darf diese Einteilung des Konjunkturverlaufes nicht dahin mißverstanden werden, als ob die drei erwähnten Wirtschaftszweige einzeln nacheinander an die Reihe kommen. Die Konjunkturphasen unterscheiden sich vielmehr nur durch das* verschiedene