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Palästina · 1936-02-01 · Heft 2 (Februar 1936) · p. Seite 73

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Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 2 (Februar 1936)
Article
Einige Bemerkungen zur palästinensischen Aufbaukonjunktur
Date
1936-02-01
Page
Seite 73 (sequence 2)
Language
German
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Kaufkraft besitzt, das heißt, wenn eine gewisse Proportion zwischen der Anzahl der ins Land einwandernden Menschen und der Höhe des importierten Kapitals gewahrt wird, wenn die Disproportion zwischenden drei Hauptzweigen. der palästinensischen Wirtschaft a) Exportwirtschaft (Plantagen- und Exportindustrie)» b) Baugewerbe, c) Industrie und Landwirtschaft, die für den inneren Markt arbeiten, erhalten bleibt.« Der Kapitalimport wird durch den speziellen Druck der Wirtschaftskrise auf die jüdischen Kapitalisten und Unternehmer hervorgerufen. Die Ausdehnung der Pflanzungen ist durch die Vergrößerung des Orangenkonsums und durch die hohen Weltmarktpreise für Zitrusfrüchte bedingt. Die Ursache der unverhältnismäßigen Größe der Baubewegung ist der dringende Wohnbedarf der Einwanderer. »Die Wendung zum Industrialisierungsprozeß wurde jedoch vorerst durch die Investitionen im Baugewerbe und in Plantagen und durch die Existenz von Zehntausenden von neuen Konsumenten ermöglicht. Die Er- Weiterung des Konsums muß zeitlich der Erweiterung der Produktion vorangehen, und diese weitgehend im Umfang überflügeln^ um überhaupt die Produktion zu ermöglichen.« Das importierte Kapital spielt daher für die Konjunkturentwicklung als Kaufkraft eine wichtigere Rolle denn als Produktionsfaktor. Der große Überschuß des Bedarfes über die einheimische Produktion, der ruckartig auftritt, verleiht der Wirschaft den Impuls zum Aufschwung auf eine höhere Stufenleiter. Der Bedarfsüberschuß wird zwar anfangs durch eine Importsteigerung gedeckt, dieser Import schafft aber die Grundlage, auf der sich die einheimische Industrie und Landwirtschaft entwickeln können, indem sie die Konkurrenz mit den ausländischen Produkten aufnehmen und sie zurückdrängen. Freilich »es kann nicht die Sicherheit geschaffen werden, daß die palästinensische Wirtschaft vor der Krise bewährt bleiben wird. Nach der Stabilisierung, nach dem Abschluß des Prozesses der Wirtschaftsdynamik, wird hier wie überall in der kapitalistischen Wirtschaft, der konjunkturlle Zyklus und die konjunkturelle Krise eintreten.« Jedoch lehnt Horowitz eine Prognose für die nächste Zukunft ab, »da die Wirkung zweier Faktoren,, die eine solche Prognose bestimmen würden, unbekannt ist: der Umfang der Einwanderung und die Preise der Zitrusfrüchte... Die Entwicklung einer Einwanderung kaufkräftiger Massen, eine entsprechende Proportion zwischen Einwandererkapital und Einwandererarbeit sowie die erwünschte Disproportion zwischen den drei wichtigsten Wirtschaftszweigen können den Zeitpunkt der Stabilisierung aufschieben, in dem die Dynamik in eine relative Statik übergeht ... es kann überhaupt nicht vorausgesehen werden, auf welcher Stufe eine solche Lage entstehen kann... Was das Baugewerbe anbelangt, sohängt der Umfang der Entwicklung vollständig von äußeren Kräften, von der Einr Wanderung und dem Kapitalimport ab«. Seitdem diese Sätze geschrieben wurden, haben weder die Einwanderung noch der Kapitalimport nachgelassen, noch hat sich der Anteil der Kapitalisten in der Einwände-- rung vermindert2. Die letzte Wendung der palästinensischen Konjunktur ist also allein mit Hilfe äußerer Faktoren unmöglich zu erklären. Die Theorie von Horowitz muß daher in einigen Punkten anders gefaßt werden. Zunächst müssen wir den Charakter der Judenemigration nach Palästina als eine Mittelstandseinwanderung hervorheben, das heißt einer Einwanderung, die sich zu einem. 2 Vom Standpunkt der Konsumvergrößerung müssen zu den- Kapitalisten auch die angeforderten Verwandten zugezählt werden, denn auch sie vergrößern den Bedarfsumfäng des Jischuw, allerdings auf Kosten der Kapitalbildüng. Nebenbei sei hier bemerkt, daß der komplexe Charakter der jüdischen Palastina-EinwTanderung und ihre mannigfache Abhängigkeit von der palästinensischen Wirtschaftsentwicklung in der zionistischen Wirtschaftsliteratur allzu oft simplifiziert und daher mißverstanden wird,.. Siehe z. B. den Aufsatz von Fr. Rita Gesundheit-Hinden in »Hameshek" Häshitufi«^. 1935, Heft 20/21.

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