Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1936)
- Article
- Jahresrückschau
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
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Bodenbesitz hinzugefügt wurden, ferner wurden etwa 20 neue jüdische Siedlungen gegründet, jede einzelne von ihnen unendlich wichtiger für den Jischuw als Ganzem als das Wachstum der Städte oder die Vergrößerung der bestehenden Siedlungen. Einige der neuen Kolonien stoßen in Gebiete vor, in denen seit Jahrhunderten jüdische Bevölkerung unbekannt ist. Nahariah an der syrischen Grenze, Idnivah östlich von Gederah und die Arbeitersiedlungen der Palestine-Potash-Gesellschaft im Süden des Toten Meeres sind Beispiele dafür. Heute beträgt die Zahl der jüdischen Siedlungen im Lande 175. Der Umscrrwung beschränkt sich jedoch nicht auf die Bodenfrage, denn das letzte Jahr hat ein neues Ver- Der Drang in die Stadt hältnis zwischen Landwirtschaft und Industrie gebracht. Der Anteil der Landbevölkerung unter den Juden ist fortgesetzt gesunken und heute nur etwa 13%. Die Entwicklung der Städte und die Aussicht auf höheren Lohn lockte die Landarbeiter in die Städte, obwohl die höheren Löhne durch die Steigerung der Lebenskosten wettgemacht wurden. Kaum 40% der Arbeitereinwanderer, die in Kolonien gesandt wurden, kamen dort an und blieben bei der Landarbeit. Es entstand die sehr ernste Gefahr, daß die Plantagen ohne Arbeiter bleiben würden, wenn man nicht billige arabische Arbeiter aufnahm. Um dieser Gefahr zu begegnen, machten die jüdischen Behörden die ersten Anstrengungen zu einer systematischen Zuteilung der Arbeiter und in den letzten Monaten hat sich das Blatt schon gewendet. Die Arbeiter kehren jetzt auf das Land zurück und die verantwortlichen Körperschaften haben eine Organisation aufgebaut, um eine Wiederholung der Desertion vom Boden., wie sie sich im letzten Jahr ereignete, zu verhindern. Im Bereiche der öffentlichen Arbeiten hat sich die Lage in der Landwirtschaft wiederholte Das Exodus vom Land war von einem ähnlichen Verlassen der öffentlichen Arbeiten und der schlechter bezahlten Regierungsstellen (der Polizei zum Beispiel) begleitet. Es ist bekannt, daß Unternehmer Verträge für Regierungsaufträge brachen, die eine Klausel über obligatorische jüdische Arbeit enthielten. Für so schlecht bezahlte Arbeit gab es keine jüdischen Arbeiter. Dem sind jedoch zwei günstige Erscheinungen entgegenzuhalten: erstens die Bildung der »Solei Boneh«, der Bauunternehmung der Arbeiterpartei, die sich bereits bedeutende Bau- und Straßenbauaufträge von der Regierung gesichert hat, und zweitens der Erfolg der Kibbuzim durch Aufnahmen neuer Arbeiter für landwirtschaftliche und andere Pionierarbeit. ~ ~ \ . " \ I ~ ~ 1 Von allen Veränderungen dieses Jahres Ute Schwierigkeiten in der Zitruskultur . , . „ . . ,. ___~__| waren die im Zitrusbau vielleicht die größten. Der Gipfel der Prosperität ist erreicht und die übertriebene Kapitalsanlage in Plantagen, die das Gleichgewicht der Wirtschaft des Landes zu erschüttern drohte, ist zu plötzlichem Stillstand gekommen. An Qualität war die Ernte des letzten Jahres ein Rekord, 714. Millionen Kisten wurden exportiert, von denen 4^ Millionen aus jüdischen Plantagen stammten. Unglücklicherweise waren die Preise niedrig; ungenügende Transportgelegenheiten, mangelhafte Organisation, ein unzulässig großer Anteil von Ware aus jungen Plantagen, der schlechte Zustand, in dem die Ware ankam, die Schwierigkeiten des deutschen Marktes usw. vereinigten sich, um den Gewinn zu vermindern. Das Vertrauen wurde erschüttert und die Neuanpflanzungen durch Juden gingen im letzten Jahr rasch bis auf kaum 5000 Dunam zurück. In der gegenwärtigen Saison waren die Käufe schwierig und durch die ^Ereignisse in Abessinien haben sie weiter gelitten. Aber wie immer, in Palästina geht der Mangel an Vertrauen rasch ins äußerste. Schon hört man panikartiges Gerede von einem Verbot weiterer Orangenanpflanzungen,, die Plantagen werden vernachlässigt, an der Be-