Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1936)
- Article
- Jahresrückschau
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
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Land anzusiedeln, Kapital in Grundbesitz zu stecken, ein eigenes Heim zu besitzen, wurde durch skrupellose Profitmacher ausgebeutet, die aus den in einem fremden Lande neu Angekommenen jeden Vorteil zogen. Jeden Tag öffneten neue Verkaufsbüros für Häuser und Farmparzellen ihre Türen, In Tel Aviv waren etwa fünfzig Firmen mit vielen hundert Angestellten vom Morgen bis zum Abend beschäftigt, Grundanteile auszuparzellieren, von denen viele nur auf dem Papier existierten. Schreibmaschinen klapperten, Autos eilten hin und her, Feldmesser und Planzeichner füllten Rieße von Papier mit Plänen von Städten und Dörfern, genannt nach den Helden der Nation, um besser an die sentimentalen Anlagesucher heranzukommen. Die Bodenpreise schössen in die Höhe und das Spekulationsfieber breitete sich von den berufsmäßigen Spekulanten auf die Laien aus. Jung und alt, Männer und Frauen, Veteranen und grüne Einwanderer, arm und reich, alle eilten sie zu den Spekulanten, glücklich in dem festen Glauben, über Nacht reich zu werden. Ein Makler jagte den anderen, um ihn aus dem Felde zu schlagen. Agenten eilten arabischen Landbesitzern nach Alexandrien und Beyruth nach und boten ihnen phantastische Preise für hypothetische Grundstücke. Von da war es nur ein Schritt zur Erkenntnis, daß Land bloß auf dem Papier und eine gefälschte Unterschrift denselben Dienst erwiesen. Neue »Banken« mit einem elastischen Moralkodex wurden gegründet. Die Unterschrift eines Arabers unter ein Versprechen, Land zu verkaufen, das er oft gar nicht besaß, gab eine genügende Grundlage, um einen Stadtplan zu entwerfen und ein Büro zum .Verkauf der Grundstücke zu eröffnen. Tausende wurden in diesem Netz von Fälschung und Betrug gefangen, hunderttausende Pfund rollten in die Gosse und das gesunde Wirtschaftsleben des Landes drohte zerstört zu werden. In diesem Zeitpunkt erklärte die Öffentlichkeit Krieg an die Spekulanten. Die Presse inaugurierte den Feldzug, die Opfer der Spekulation bildeten die Vorhut, die Agitation breitete sich in weite Kreise aus und erreichte schließlich die Häupter des Jischuw. Käufer begannen sich vorzusehend bevor sie einen Entschluß faßten, und bildeten Untersuchungskomitees, die Grenzlinie zwischen Einbildung und Wirklichkeit wurde schärfer und der »Migrasch« (Bauplatz) hatte seinen Zauber verloren. Dieser Feldzug der Öffentlichkeit wurde durch eine neue Mietenermäßigungsverordnung und durch großzügige Wohnbaupläne der Arbeiterorganisation unterstützt. Der Auftrieb der Spekulation war gebrochen, aber bis heute ist sie noch nicht ausgerottet. Es gibt jedoch eine andere, positive Seite im Gegensatz zu dem unberechenbaren Schaden und der Vergeudung durch Boden und Siedlung die Bodenspekulation. Der Erwerb von Boden auf nationaler Basis und die Schaffung von Pioniersiedlungen hat ungemindert angehalten. Im Jahre, das mit dem 30. September endete, hat der KKL. 15.494 Dunam gekauft gegen 12.575 im vorhergehenden. Die von der PLDC. übernommene Hulekonzession war natürlich die bedeutendste Landerwerbung des Jahres. Dieses krankheitsverseuchte Tal, das der Fluch von Galiläa war, wird jetzt durch jüdische Hände meliorisiert, bekanntlich unter der Bedingung, daß 15.000 Dunam an die gegenwärtigen arabischen Pächter, die bisher nur 10.000 Dunam inne hatten, nach entsprechender Drainage und Amelioration gegeben werden sollten. Durch diese Konzession wurden 33.000 Dunam dem jüdischen Bodenbesitz hinzugefügt und 10.000 Dunam Wasserfläche erworben, die zur Fischzucht ausgezeichnet geeignet r sind. Dies bedeutet, eine Rettung von ganz Ober-Galiläa, das sich in den letzten Jahren in einem traurigen Zustand wirtschaftlicher und kultureller Vernachlässigung befand.'Dieser nationale Erwerb wurde vergrößert durch Privatkäufe von weiteren 10.000 Dunam, so daß im letzten Jahre etwa 54.000 Dunam dem jüdischen