Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1936)
- Article
- Bauen und Planen
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 5)
- Language
- German
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setzt, mit Hilfe der Arbeitskraft seiner Familienmitglieder den wesentlichen Teil seines Lebensbedarfs aus dem Bodenertrag zu decken und sich damit relativ »krisenfest« zu machen. In Palästina wird eine Landzulage von V/o Dunam 1500 m2. als noch ausreichend anzusehen sein. Diese Wohnform stellt als Stadtrandsiedlung den Übergang von der Stadt zum Land dar und ist die ideale Losung, die im Tagesleben Palästinas namentlich für die aus Europa eingewanderten Arbeiter das Ziel ihrer Sehnsucht ist. Bildet diese Kleinsiedlung den Übergang zur bäuerlichen Volkssiedlung — in der Haifa-Bay scheint dieser Übergang und die Durchdringung von Stadt- und Landsiedlung sichtbar zu werden —, so bildet das Eigenhaus als zweiter Wohntyp den Übergang zur geschlossenen Stadtsiedlung. Der hier der Wohnung beigegebene Kleingarten dient im Gegensatz zur Kleinsiedlung nicht der Deckung des Nahrungsbedarfs, sondern nur der Erholung und Belüftung. Dieser Typ war bei Gründung von Tel Aviv vorherrschend, das als Gartenstadt im Stile der englischen suburbs gedacht war. Aber die praktische Erfahrung hat hinlänglich gelehrt, daß in einer industriell entwickelten Gesellschaft die Mietwohnung im Geschoßbau nicht entbehrt werden kann. Sie ist auch für Palästina zuzulassen, wenn die Gewähr für die Erfüllung aller hygienischen Bedingungen im Bauinnern besteht und wenn durch weiträumige Anordnung der Baublocks, insbesondere durch Einfügung von Gemeinschaftsgärten und Kinderspielplätzen, die aus jeder Massenanhäufung sich ergebenden Gefahren ferngehalten oder wenigstens gemildert werden. Die Mietkaserne alten Stils, die leider auch vielen Stadtteilen von Tel Aviv ihr unerfreuliches Gepräge gibt, war gekennzeichnet durch einen übermäßig starken Ausnutzungskoeffizienten der Baublocks und durch das Fehlen von Freiflächen. Die neuesten Siedlungsbauten des europäischen Kontinents, die an Stelle der geschlossenen Blockform im aufgelösten Zeilenbau angelegt sind, zeigen augenfällig die außerordentlichen Fortschritte, die durch eine vernunftgemäße Anordnung der Baukörper jetzt gemacht worden sind. Ich komme zum Schluß zum Finanzierungsproblem. Den Wohnungsbau der Oberschicht bis zu den höher bezahlten Angestellten und Vorarbeitern wird man auch in Palästina weitgehend der privaten Initiative überlassen können. Wenn aber für die breiten Arbeitermassen einwandfreie Wohnungen zu wirtschaftlich tragbaren Preisen gebaut werden sollen, wenn insbesondere der für die junge Industrie unerläßliche Typ des mit dem Betriebe verbundenen Facharbeiters geschaffen und erhalten werden soll, so ist mindestens die teilweise Inanspruchnahme öffentlicher Kapitalien für die Finanzierung unerläßlich. Die Stadt Tel Aviv ist zum überwiegenden Teile mit den Hypothekengeldern der Mortgage Bank gebaut worden. Es wäre allein von dieser finanziellen Kommandöstelle aus ein Leichtes gewesen, die Bau- und Wohnungsgestaltung der Stadt maßgeblich zu beeinflussen und durch Stipulierung von Hypothekenbedingungen, wie sie sonst überall in einer als selbstverständlich empfundenen Verwaltungspraxis alle öffentlichen Körperschaften den beliehenen Eigentümern auferlegen, die Boden- und Wohnungspreise niedrig zu halten. Es sollte außer jeder Diskussion stehen, daß eine öffentliche jüdische Bodenbank mit dem ihm anvertrauten Gelde des jüdischen Volkes nur öffentliche Interessen fördern und nicht das Geld nach rein bankgeschäftlichen Gesichtspunkten und damit, wenn auch ungewollt, nur zum Vorteil bestimmter Interessentengruppen ausleihen darf. Man muß für die Zukunft verlangen, daß künftig bei der Ausgabe der Hypothekengelder nach höheren Gesichtspunkten verfahren und die Bank zum Instrument einer planmäßigen Bau- und Wohnungspolitik gemacht wird.