Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1936)
- Article
- Bauen und Planen
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 6)
- Language
- German
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Unterhalb der Mieterschaft» die für den normalen Arbeiterwohnungsbau in Frage kommt, gibt es aber Bevölkerungsgruppen, die nicht einmal in Konjunkturzeiten zur Zahlung der üblichen Miete selbst von Kleinstwohnungen in der Lage sind. Diese unterste Schicht wird gerade in Palästina für das nächste Jahrzehnt sehr stark wachsen. Die Steigerung der Wirtschaftskraft und insbesondere die Entfaltung einer vielgestaltigen kleineren und mittleren Industrie bringt nicht nur Kapitalisten ins Land, sondern zieht auch Bevölkerungsgruppen aus den verschiedensten Ländern und Kulturstufen an, die trotz aller inneren Unterschiedlichkeit das Merkmal des finanziellen Unvermögens und der sozialen Hilflosigkeit gemeinsam haben. Die Unmöglichkeit der ordnungsmäßigen Unterbringung dieser Gruppen führt zu einer schweren Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Gesundheit Man steht hier erfahrungsgemäß vor einer fatalen Alternative: entweder man läßt die Dinge treiben und sieht gleichgültig der Entstehung von »slums« zu, mit ihren weitreichenden hygienischen und sozialen Gefahrenquellen; oder aber man entschließt sich dazu, den Wohnungsbau hier als eine rein öffentliche Fürsorgemaßnahme zu betreiben, also Finanzierung, Bau und Verwaltung nur durch die öffentliche Hand durchzuführen. Ein Drittes gibt es nicht. Die jüdische Presse berichtet schon jetzt, daß sich in Tel Aviv Elendsquartiere mit unsagbar tiefstehenden Existenzbedingungen der Bewohner gebildet haben. Angesichts solcher Berichte muß auch hier die Passivität der Stadtverwaltung von Tel Aviv schwere Bedenken auslösen. Zusammenfassung. Abschließend lassen sich diese Ausführungen in drei Thesen zusammenfassen: 1. Das von der jüdischen Kolonisation erfaßte Gebiet Palästinas ist schon jetzt reif geworden für eine planwirtschaftliche Raumordnung, die den Nutzungszweck festlegt (Aufteilung auf Landwirtschaft, Wohnsiedlung, Industriezwecke usw.), die Verkehrswege festlegt und die geschlossenen Siedlungen nach Lage, Art und Größenordnung bestimmt. 2. Die Wohnsiedlungen, insbesondere auch die Städte, sind in möglichst gelockerter Form anzulegen. Die Industrie ist, soweit sie nicht durch den Standort bedingt ist (zum Beispiel in der Haifa-Bay) über das ganze Land zu verteilen. 3. Auf Wohnungsbau, Wohnungsfinanzierung und Mietpreisbildung hat die öffentliche Hand Einfluß zu nehmen. Eine Wohnungsfürsorge ist einzurichten. Die »slums« sind aus öffentlichen Mitteln zu beseitigen. Rundschau Das Wirtschafts-Barometer: Dezember 1935* Von Dr. J, Adler, Tel Aviv. Monatsbericht über den Palästina-Markt. Man darf ein Symptom allmählicher Wiederkehr regulärer Wirtschaftszustände darin erblicken, daß der palästinen- Ge/cf- und Kapitalmarkt sische Geldumlauf nach der gewaltigen Aufblähung der letzten Monate, die durch die überstürzten Depotabhebungen und durch die Bargeldhamsterei des Publikums, veranlaßt worden war, nunmehr wieder deutlich sich auf den Normalumfang zusammenzuziehen beginnt. Dies veranschaulicht nachstehende kleine Tabelle, die den Übergang von der Normalität zur »Panik« und nunmehr wieder die Rückkehr zur Normalität