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Palästina · 1936-01-01 · Heft 1 (Januar 1936) · p. Seite 32

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 1 (Januar 1936)
Article
Bauen und Planen
Date
1936-01-01
Page
Seite 32 (sequence 4)
Language
German
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Projektierung der örtlichen Siedlungen und ihrer Ortsteile zum Ausweis der einzelnen Baustellen übergeht. Damit geht die .Erörterung über vom Städtebau, der das Ganze erfaßt, zum. Häuserbau, der die Einzelstelle betrifft. Dieser Fragenkomplex des Wohnungsbaus, der Wohnungsfinanzierung und der Wohnungsmiete berührt in Palästina das besondere Interesse der am Wirtschaftsleben beteiligten Kreise und sollte im Rahmen, einer großzügigen Industriepolitik gerade gegenwärtig an der ersten Stelle der berufspolitischen Tagesfragen stehen. Palästina ist ein rohstoffarmes Land und kann daher im wesentlichen nur eine verarbeitende Industrie entwickeln. Diese Industrie ist auf den Bezug auswärtiger Rohmaterialien angewiesen und nur konkurrenzfähig, wenn die Löhne nicht über ein gewisses Maß hinausgehen. Auf der anderen Seite bedarf eine verarbeitende Industrie, besonders wenn sie auf Qualität eingestellt ist, eines Stammes geschulter Facharbeiter, die einen hohen Lebensstandard innehalten und daher auf gute Wohnbedingungen Wert legen. Beide Tendenzen sind gleichmäßig berechtigt, aber gegensätzlich gerichtet. Sollen sie reibungslos ausgeglichen werden, so bleibt nur übrig, die Miete so niedrig zu halten, daß sie nur einen geringen Prozentsatz des Lohnes beansprucht. Das ist aber wieder nur möglich bei Niedrighaltung des Bodenpreises, ohne die es keine billige Wohnungen und billige Mieten gibt. Die gegenwärtige Belastung des jüdischen Arbeiters mit einem Mietsatz von 30 bis 50% des Arbeitslohnes ist nicht nur sozialpolitisch untragbar, sondern ist auch betriebswirtschaftlich für den Unternehmer eine übermäßig starke Belastung des Lohnkontos und. gefährdet seine Wettbewerbsfähigkeit. Arbeitgeber und Arbeitnehmer des jüdischen Palästina haben hier gleichgerichtete Interessen und sollten sich zu einer praktischen Arbeitsgemeinschaft zusammenfinden! Das Ziel sollte in vorausschauend geführter- Betriebspolitik darauf gerichtet sein, für die Belegschaft Wohnungen zu beschaffen, die nicht nur hygienisch einwandfrei sind, sondern zu einem tragbaren Mietsatz vergeben werden. Das bedeutet nach einem in der Verwaltungspraxis allgemein anerkannten Erfahrungsgrundsatz, daß ein Fünftel des durchschnittlichen Bruttolohneinkommens nicht überstiegen werden darf. Die Schwierigkeiten und vorK allem die privatwirtschaftlichen Widerstände, die sich der Realisierung dieses Zieles in Palästina, entggensetzen,' sind sehr groß. Aber ich halte es für außerordentlich gefährlich, die Dinge ziellos treiben zu lassen und sich unter bequemen Vorwänden einer Initiative zu entziehen, die später unter erheblich erschwerten Umständen doch einmal aufgenommen werden muß. Gegenwärtig verdeckt nur die Prosperity die schweren Gefahren, die bei Absinken der Konjunktur sofort grell in Erscheinung treten werden, und zwar nicht nur für das Volksganze, sondern auch gesehen vom Standpunkt des. einzelnen Betriebsunternehmens. Im besonderen Maße hat auch hier die Stadtverwaltung von Tel Aviv sehr schwere Versäumnisse nachzuholen. Eine ihrer Verantwortung bewußte Großstadtverwaltung darf sich auf dem Gebiete des Bau- und Wohnungsmarktes nicht damit begnügen, im Wege von Regulationen und Korrekturen einige Mißstände zu beseitigen und Überspitzungen abzuschneiden. Sie hat vielmehr schöpferisch und beispielgebend voranzugehen und, sei es direkt, sei es indirekt im Wege der gemischtwirtschaftlichen Unternehmung, auf die Schaffung von Wohnungstypen hinzuwirken, die eine billige und menschenwürdige Unterbringung der großstädtischen. Bevölkerung gewährleistet. — Für dieses Gebiet der Wohntypen, nach denen die Wohnsiedlungen der breiten Massen zu erstellen sind, können gleichfalls die europäischen Erfahrungen nach Palästina nutzbringend übertragen werden. Drei Typen haben sich herausgebildet: die Kleinsiedlung, das Eigenheim und die Geschoßwohnung. Die Besonderheit der Kleinsiedlung besteht in der Landzulage, die den Arbeiter instand,

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