Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1936)
- Article
- Die Industrialisierung Palästinas
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Teil der Differenz wird auch durch die Steuerfreiheit der Industrie in Palästina im Vergleich mit der Industrie im Auslande aufgewogen. Die Frage, ob und inwieweit eine Differenz in den Produktionskosten durch höheren Arbeitslohn in Palästina besteht, wird viel diskutiert, und in jedem Falle hängt das Urteil davon ab, mit welchem Lande Palästina verglichen und welche Industrie als Vergleichsbasis herangezogen wird. Wenn aber die Frage der Höhe der Löhne betrachtet wird, muß das Problem vom Standpunkt des Reallohnes analysiert werden. Der Reallohn des palästinensischen Arbeiters ist jedoch recht niedrig, da die Lebenshaltungskosten durch die hohen Mieten gesteigert werden. Durch entsprechende Wohnungsbaupolitik ließe sich in dieser Hinsicht vieles tun. Jedenfalls zeigt die Analyse der Produktionskosten, daß das Hauptproblem der palästinensischen Industrie nicht auf dem Gebiet der Produktionskosten, sondern auf dem Gebiet der Preise liegt und daß ihre Konsolidierung nur durch die Sicherung eines höheren Preises des Produktes erreicht werden kann. Die Lohnunterschiede bilden einen kleinen Bruchteil der gewaltigen Preisunterschiede, die durch Dumping, Exportprämien usw. verursacht werden. Übrigens muß für die Frage der Lohnhöhe auch das Problem der Kaufkraft des inneren Marktes in Erwägung gezogen werden. 95% der Produktion der palästinensischen Industrie werden auf dem Binnenmarkt abgesetzt. Die Höhe der Löhne ist aber einer der entscheidenden Faktoren, die die Kaufkraft determinieren. Im Zusammenhang mit der Kaufkraft des inneren Marktes steht auch die Frage der Hebung des Lebensstandards der primitiven Agrarbevölkerung und dadurch wird die Agrarfrage in Palästina auch vom Standpunkt der Industrialisierung des Landes aufgerollt. Wie erwähnt, liegt aber der Schwerpunkt der industriellen Entwicklung Palästinas in der Frage der Preisgestaltung der industriellen Produkte. Palästina entwickelte sich im Laufe der letzten Jahre in einer Richtung, die divergent ist zur Entwicklungsrichtung der Weltwirtschaft. Während die Weltwirtschaft den Weg der Desintegrierung geht, schreitet die Integrierung der palästinensischen Wirtschaft in der Weltwirtschaft in immer größerem Umfange vor sich. Diese Tatsache wird durch die folgende Tabelle, die die Entwicklung des Welthandels und des palästinensischen Außenhandels zeigt, klar vor Augen geführt: Diese Divergenz wird durch einige wichtige Faktoren erklärt, worunter die Wirtschaftsentwicklung Palästinas zu nennen ist, die infolge der Einwanderung und des Kapitalimports zu der Notwendigkeit des Imports von Kapitalgütern, um das Land zu entwickeln, und von Konsumgütern, um den Jischuw zu erhalten, bis der neue Produktionsapparat geschaffen wird, führt. Es vergeht immer eine Zeitspanne vom Moment der Investition bis zu der Zeit, in der sich diese Investition auf den Import auswirkt. Während dieser Übergangsperiode steigt immer der Import; letzten Endes wirkt sich aber diese Steigerung in einer Senkung des Imports von Konsumgütern aus. Das Maß der Integrierung der palästinensischen Wirtschaft hängt jedoch auch von anderen Faktoren ab, nämlich von dem Tempo, in dem der neue Produktionsapparat aufgebaut wird, und von seinem Umfang. Zweifellos wurde die Integrierung der palästinensischen Wirtschaft in der Weltwirtschaft durch die Zollpolitik der palästinensischen Regierung gefördert. Die folgende Tabelle zeigt uns, in welchem Maße die Entwicklung der Industrie, diesem Prozeß Einhalt gebietet. Die Steigerung des Imports von Waren, die im Lande nicht produziert werden, vom Jahre 1933 auf das Welthandel Palästinensischer Außenhandel 1920 100 100 1934 31.4 212