Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1936)
- Article
- Die Industrialisierung Palästinas
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Kontingentwirtschaft, Iniportbeschränkungen usw. haben zu einer Dezentralisierung der Industrie geführt und der Wirtschaftspolitik gegenüber den natürlichen Standorterwägungen ein großes Übergewicht verliehen. Diese Tatsachen wirken sich auch in Palästina aus. Importierte Rohmaterialien sind auch hier oft billiger als die im Lande produzierten. Jedenfalls sind die importierten Rohmaterialien in den meisten Fällen nicht teurer als in den Ursprungsländern, in denen sie erzeugt werden, wodurch die verarbeitende Industrie in eine günstige Lage versetzt wird. Als Beispiel ist es interessant den Preis des Zuckers anzuführen, der cif Haifa £ 6.5 bis 7.— per Tonne verkauft wird, während er im Ursprungslande fünf- bis sechsmal soviel kostet (wichtig für Schokoladenindustrie usw.). Die Entwicklung der Industrie in den meisten Ländern der Welt wird nicht mehr durch den Faktor der Standortauswahl, sondern durch die Wirtschaftspolitik, vor allem durch die Zollpolitik, bedingt. Deshalb sind die Aussichten für die Entwicklung einer Industrie bei industriefördernder Wirtschaftspolitik günstig, während das Vorkommen von Rohmaterialien eine sekundäre Rolle spielt. Die Dezentralisierung der Industrie in der Welt und die Befreiung von der Abhängigkeit von"* der Rohstoffbasis vergrößern die Aussichten der palästinensischen Industrie, wenn günstige wirtschaftspolitische Bedingungen eintreten. Die Senkung der Preise der Rohmaterialien wird jedoch in einigen Fällen in der palästinensischen Industrie durch Zölle auf die Rohmaterialien aufgehoben (Metalle, wie Blei, Zink usw., Holz für Orangenkisten usw.). In vielen Fällen ist jedoch die Regierung dazu übergegangen, die Rohmaterialien vom Zoll zu befreien und es ist zu erwarten, daß diese Politik, die für die Veredlungsindustrie von großer Bedeutung ist, konsequent weitergeführt werden wird. Im Zusammenhang mit den Problemen der Rohmaterialien ist es von Bedeutung, das quantitative Verhältnis zwischen der Industrie, die im Lande vorhandene Materialien benutzt, und der Industrie, die ihre Rohmaterialien aus dem Auslande importiert, festzustellen. Die Analyse der industriellen Produktion nach Werten zeigt, daß 40 bis 45% der palästinensischen Industrie mit im Lande vorhandenen Rohmaterialien arbeitet, während 55 bis 61% der Industrie ihre Materialien aus dem Auslande importiert. Dabei wird in jedem Falle die Mehrheit der verwendeten Rohmaterialien in Betracht gezogen. Selbstverständlich kann eine solche Unterscheidung nicht mit absoluter Genauigkeit durchgeführt werden. Von den Industrien, die im Lande vorhandene Rohmaterialien verwenden, nehmen die wichtigste Stelle die Zementfabrikation, die elektrische Stromerzeugung, die Baumaterialienfabrikation, die Ölverarbeitung und die chemische Industrie (Totes Meer) ein. Was die Frage der Arbeit in der palästinensischen Industrie anbetrifft, so wurde dieses Problem unlängst durch Dr. Walter P r e u ß in seiner bereits oben erwähnten Arbeit analysiert. In dieser Arbeit wurde festgestellt, daß die Stundenlöhne in Palästina ungefähr auf dem Niveau der italienischen und österreichischen Löhne liegen. Sie sind höher als in den agrarischen östlichen Ländern, wie Polen, Rumänien usw., und niedriger als in den westlichen. Industrieländern, wie England und Frankreich. Der Lohn bildet ungefähr 30% der Produktionskosten in der palästinensischen Industrie. Somit würde ein Lohnunterschied von 30% in der Höhe der Löhne nur einen Unterschied von ungefähr 10% im Preise ergeben. Es wurden auch in dieser Untersuchung die sozialen Abgaben, die in E u r o p a sehr hoch sind und in Palästina nur einen geringen Teil der Kosten bilden, nicht in Betracht gezogen. Ein