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Palästina · 1936-01-01 · Heft 1 (Januar 1936) · p. Seite 5

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Journal
Palästina
Volume
19 (1936)
Issue
Heft 1 (Januar 1936)
Article
Die Industrialisierung Palästinas
Date
1936-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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dadurch den Verlust an Zinsen herab. Noch wichtiger ist die Tatsache der Verkleinerung des Risikos einer eventuellen Inflation in" Deutschland, die beim Transfergeschäft — dessen Abwicklung ungefähr lJ/£ Jahre dauert — ziemlich groß ist. Dazu kommt, daß die mögliche Transfersumme bei einer solchen Anlage größer ist als die beim gewöhnlichen Transfer und, was noch wichtiger ist, die Schließung weiterer Transfervormerkungen auf gewöhnlichem Wege im Laufe des letzten Halbjahrs. Die großen Kapitalsummen in Deutschland üben einen hohen Druck aus und ergreifen jede kleinste Anlagemöglichkeit in Palästina. Viele der neuen Unternehmungen haben einen erheblichen Teil ihres Kapitals durch Transfer aus Deutschland und durch Import von Maschinen auf Transferkonto aus diesem Lande erhalten. Kapitalisten, die in dieser Weise ihr Kapital investieren, sind zu großen Abschreibungen bereit und ziehen in Betracht, daß nach diesen Abschreibungen die Belastung durch Amortisation und Verzinsung .kleiner sein wird und die Rentabilitätsaussichten sich dadurch steigern werden. Ein zweiter Grund für die rapide Industrialisierung des Landes ist der sich erweiternde Verbrauch an Industrieprodukten und die durch den Kapitalimport steigende Kaufkraft des Landes. Die Importstatistik zeigt eine schnelle und permanente Steigerung des Verbrauchs in den meisten Warenkategorien, und der Industrielle aus Europa, der daran gewöhnt war, mit den Problemen eines schrumpfenden Marktes zu rechnen, wird durch diese Möglichkeiten angezogen und glaubt, daß es ihm bei einem ausreichenden Binnenmarkt möglich sein wird, im Laufe der Zeit, durch Erlangung eines Schutzzolles oder auf anderem Wege, die Auslandskonkurrenz zu überwinden. Er sieht, daß die Steigerung der Kaufkraft durch die jüdische Einwanderung, das heißt durch die Vergrößerung des auf europäischem Lebensstandard lebenden Bevölkerungsteiles vor sich geht und rechnet mit der Fortdauer dieses Prozesses. In vielen Zweigen, in denen noch vor zwei Jahren keine Möglichkeit bestand, einen industriellen Betrieb zu gründen, da das technische Minimum der Produktion durch den Bedarf des Binnenmarktes nicht ermöglicht war, ist diese Möglichkeit jetzt erreicht worden (Bier, Fensterglas, Badewannen usw.). Ein dritter Faktor, der eine gewisse Rolle in der Industrialisierung Palästinas spielt, ist der Preisrückgang der industriellen Ausrüstung, Maschinen usw. Es werden oft gebrauchte Maschinen der stillgelegten europäischen Betriebe zu Schleuderpreisen verkauft und auch neue Maschinen zu ganz niedrigen Preisen angeboten. Der billige Einkauf der Maschinen setzt die Amortisationskosten beträchtlich herab und erleichtert die Konkurrenz mit europäischen Betrieben, die mit teureren Maschinen arbeiten. Ein sehr wichtiger Industrialisierungsfaktor ist die Wanderung nach Palästina. Wir haben bereits auf die Bedeutung des Wanderungsprozesses für die Industrialisierung der Wirtschaft hingewiesen. Wanderungen haben in der Geschichte Länder zum Aufblühen gebracht und Länder zerstört. Die Wanderung der Erfahrung, der Handfertigkeit, der Organisierungsfähigkeit ist nicht weniger bedeutend als die Wanderung des Kapitals. Sogar die jüdische Wanderung hat in dieser Hinsicht eine große Tradition. Der Aufbau der Kleidererzeugungsindustrie in Amerika durch jüdische Einwanderer aus dem Osten ist eines der besten Beispiele für die Auswirkungen dieses Faktors in einem Einwanderungslande. Die Einwanderung aus den westeuropäischen Ländern hat viele industrielle Experten ins Land gebracht, die ihre Pläne hier ausarbeiten und das Kapital für die Verwirklichung dieser Pläne mobilisieren. Die Einwanderung von solchen industriellen Experten, die ihre Tätigkeit hier fortsetzen wollen, bildet einen großen Anreiz für das anlagesuchende Kapital. Die

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