Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 19 (1936)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1936)
- Article
- Die Industrialisierung Palästinas
- Date
- 1936-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Aufzählung der großen palästinensischen Industriebetriebe und ein Blick auf ihre Gründungsgeschichte wird uns die Bedeutung dieses Faktors klar vor Augen führen. Eine gewisse Bedeutung ist auch dem Steuersystem Palästinas beizumessen. In Europa sind die Industriellen an hohe Steuern (Einkommensteuer) und hohe soziale Abgaben gewöhnt. Diese Abgaben sind in Palästina — soweit sie überhaupt existieren — sehr gering. Es erscheint paradox, daß der billige Preis der Rohmaterialien auch ein industrialisieruhgsfördernder Faktor in Palästina ist. Es ist bekannt, daß Palästina ein rohstoffarmes Land ist. Das Dumping geht aber nicht nur in Fertigprodukten, sondern auch in Rohmaterialien vor sich. In Ländern, in denen die Rohmaterialien oder Halbfabrikate produziert werden, besteht die Tendenz, diese Produkte durch Zölle zu schützen. Dadurch wird das Rohmaterial für die Industrie verteuert. Der Exportpreis ist viel niedriger als der Preis des Rohmaterials auf dem Binnenmarkt, .und diese Tatsache fördert die Veredelungsindustrie in Palästina. Daraus müßte man schließen, daß im großen und ganzen die Veredelungsindustrie in jedem Lande, in dem das Rohmaterial vorhanden ist, weniger rentabel sein müßte als in dem Lande, in dem keine Rohmaterialien für diese Industrie vorhanden sind. Das ist eine paradoxe Lage, die durch die Zersetzung der Weltwirtschaft entstanden ist. Diese Tendenzen werden aber immer mehr dadurch aufgehoben, daß in den Produktionsländern der Rohmaterialien diese der Veredlungsindustrie zu besonderen Preisen zugeteilt werden. Am Ende wäre noch ein Faktor zu erwägen, der für die Entwicklung der Industrie günstig ist: das ist die Leichtigkeit der Disposition im Handel, wenn die Produktionsstätte im Lande vorhanden ist. Die. Aufrechterhaltung von großen Warenlagern verschlingt Zinsen und Lagerspesen, Bestellungen vom Ausland erfordern viel Zeit. Dieser Umstand wird von den Industriellen in Betracht gezogen. In diese Kategorie der Vorteile für die Landesindustrie gehört auch in vielen Fällen die Ersparnis an Fracht- Spesen, Bruch usw. Diese Übersicht der industriefördernden Faktoren soll keinesfalls als Feststellung aufgefaßt werden, daß die Bedingungen für die Entwicklung der Industrie in Palästina durchwegs günstig sind. Eine solche Feststellung Würde unrichtig sein und die gewaltigen Hindernisse, die der Entwicklung im Wege stehen, unbeachtet lassen. Wir haben die Vorteile der Industriebetriebe im Lande deshalb erwähnt, um die große und schnelle Expansion trotz der großen Hindernisse zu erklären. Es ist kaum anzunehmen, daß die Expansion weiter in diesem Tempo vor sich gehen kann. In einigen Industrien, in denen im Laufe der letzten zwei Jahre das technische Minimum erreicht wurde, wird noch eine lange Zeit vergehen, bis der Verbrauch verdoppelt ist, so daß sich die Möglichkeit für eine zweite Neugründung ergibt. Obzwar wir noch von einem objektiven Sättigungspunkt in der Industrie weit entfernt sind, ist es zu erwarten, daß die Weiterentwicklung der Industrie von den Erfahrungen der bestehenden großen Betriebe abhängen wird. Eine besondere Frage ist der Beschäftigungsgrad der neuen Industrie. In den großen neuen Betrieben ist größtenteils der Anteil der konstanten Kosten an der Produktion im Verhältnis zum Anteil der variablen^ Kosten viel größer als bei den alten Kleinbetrieben. Daraus ergibt sich, daß der Beschäftigungsgrad viel kleiner ist als die Investition. Betriebe mit einer Investition von 1000 £. pro Arbeiter und mehr sind keine Seltenheit mehr in Palästina., Im Falle, daß in demselben Zweige kleinere Betriebe bestehen, die dasselbe Produkt erzeugen, kann sich durch die Gründung von Betrieben mit. höherer organischer Kapitalszusämmensetzung ein gewisser Grad von