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Palästina · 1935-12-01 · Heft 12 (Dezember 1935) · p. Seite 681

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Journal
Palästina
Volume
18 (1935)
Issue
Heft 12 (Dezember 1935)
Article
Arbeiterbewegung. Von Dr. A.T.
Date
1935-12-01
Page
Seite 681 (sequence 10)
Language
German
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palästinensischen .'Arbeiterleben gewesen und sein Zusammenbruch lediglich infolge der allgemeinen Wirtschaftskrise im Lande sowie deswegen erfolgt sei, weil er auf sich Aufgaben, in erster Reihe die Erziehung von Hunderten von Fachleuten, genommen habe, die den Wirkungskreis eines rentabel sein wollenden Unternehmens weit überschreiten. Heute sei die Situation ganz anders. Das Land befindet sich im Stadium des Aufblühens, es gibt sehr viele Fachleute, die durch die Histadruth ohne 'weiteres herangezogen werden können und anderseits stehen gerade im gegenwärtigen Augenblick vor der Histadruth neue Pionieraufgaben (so z. B. auf dem Gebiet der Regierungsarbeiten), die ohne ein derartiges Instrument nicht bewältigt werden könnten. Ist es auf dem Gebiet des Bauwesens immerhin gelungen, 'wenigstens den Weg zu finden, der zur sozialen Gesundung zu führen geeignet ist, so sieht es mit den Schattenseiten der! Entwicklung der letzten Jahre auf manch anderen Gebieten ziemlich trostlos aus. Als ein eklatantes Beispiel mag das große soziale Versicherungswerk der Arbeiterschaft, in erster Reihe die Arbeiterkrankenkasse, erwähnt werden, die infolge des geschwächten ' Solidaritätsgefühles innerhalb der Arbeiterschaft viel zu leiden hat. Palästina kennt bis heute kein obligatorisches soziales Versicherungswesen von Staats wegen, das in den allermeisten europäischen Staaten fast bereits zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Es gibt weder eine Krankennoch eine Invaliditäts-, noch auch eine Alters- oder Arbeitslosenversicherung. Ist ja die soziale Gesetzgebung des Landes kaum über die ersten zaghaften Schritte hinausgegangen. So muß denn die jüdische Arbeiterschaft mit eigenen Kräften das soziale Versicherungswesen aufbauen, ohne von der Regierung oder von den privaten Arbeitgebern in einer nennenswerten Weise gestützt zu werden. Und doch wurde ziemlich viel auf diesem Gebiet erreicht. Zunächst wurde das Krankenkassenwesen in Angriff genommen und stärkt ausgebaut, gegenwärtig wird ein Invaliden- und Arbeitslosenfonds errichtet, selbst eine eigene Arbeiterversicherungsgesellschaft wurde ins Leben gerufen. Zu einer ganz besonderen Entwicklung gelangte die Arbeiterkrankenkasse, die »Kupat Cholim«, die heute mit ihren 45.000 Mitgliedern, einem Budget von 180.000 £ jährlich und mit ihren 118 Abteilungen sowie 600 beschäftigten Ärzten und Pflegepersonal sicherlich das bedeutendste Sanitätsunternehmen im Lande darstellt. Und doch vermag diese große Institution dem Tempo der Entwicklung, die das Land und zusammen mit ihm die Arbeiterbewegung durchmacht, nicht ganz zu folgen, und zwar nicht deswegen, weil es ihr an Initiative oder Schwungkraft fehlt, sondern einzig und allein deshalb, weil sich große Teile der Arbeiterschaft weigern, ihr als Mitglieder beizutreten und die daraus erwachsenden Lasten auf sich zu nehmen. Der Beitritt zur Arbeiterkrankenkasse, der in den früheren Jahren als eine Selbstverständlichkeit galt, muß heute nur schwer und durch eine ununterbrochene, nicht immer erfolgreiche Propaganda erkämpft werden. Bloß die Landarbeiterschaft ist dem alten Solidaritätsprinzip treu geblieben. Von den 22.370 Landarbeitern (Stand von Ende 1934) sind 20.967, also etwa 90% Mitglieder der Kupat Cholim. Ganz anders sieht es dagegen in der Stadt aus. Hier sind bloß 24.399 von der Gesamtzahl der 45.192 städtischen Arbeiter, also kaum die Hälfte Mitglieder der Kupat Cholim geworden. Es zeigt sich aber noch eine weitere traurige Erscheinung. Selbst diese Hälfte rekrutiert sich bloß aus den ärmeren, auf die unmittelbare Hilfe der Institution ganz besonders angewiesenen Schichten der städtischen Arbeiter, die Bessersituierten meiden die Krankenkasse. Eine Stichprobenenquete, die in den drei Städten Tel Aviv, Haifa und Jerusalem im Laufe der letzten Monate durchgeführt wurde, bewies, daß der Prozentsatz der in der Kupat Cholim organisierten Mitglieder zwischen den Fachleuten in Tel Aviv bloß 33.5, in Haifa 42.8 und in Jerusalem 30 ausmacht. In manchen besonders gut situierten Fächern (in erster Reihe im Baugewerbe) geht er sogar auf

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