Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1935)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. A.T.
- Date
- 1935-12-01
- Page
- Seite 682 (sequence 11)
- Language
- German
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21 oder 22 herab. Dies ist sicherlich ein trauriges Symptom, um so mehr, als dadurch auch die Wirkungsbasis der Kupat Cholim eingeengt wird. Die Leitung der Institution beklagt sich übrigens auch über andere Mißstände, die sich letztens seitens der Mitglieder bemerkbar machen, so insbesondere über falsche Angaben über die Höhe der Verdienste, um einen geringeren Beitrag zahlen zu müssen, übermäßige Inanspruchnahme des medizinischen Apparates der Institution und dergleichen mehr, es werden auch verschiedenste Mittel erwogen, um derartigen Erscheinungen vorzubeugen. Es mag sein, daß sich hie und da auf diese Weise eine Abhilfe schaffen lassen wird, doch ist das Problem als solches viel tiefer zu erfassen. Hier ist einer der Punkte, wo die Kulturarbeit der Histadruth ganz reale Aufgaben vor sich hat. Nur durch eine großzügige Aufklärungsarbeit ist eine Stärkung des Solidaritätgefühles insbesondere der städtischen Arbeiterschaft und seine Auswirkung bis auf die Sorgen des Alltags zu erreichen. Doch nicht bloß in dieser Beziehung wird die Notwendigkeit einer gut organisierten Aufklärung offenbar. Auch in der Stellung des Arbeiters als Konsumenten zeigen sich letztens bedenkliche Erscheinungen, die ein Eingreifen seitens der leitenden Instanzen der Bewegung notwendig machen. Die neunzigtausend um die Histadruth konzentrierten Seelen, von denen ein großer Teil sich ein ziemlich hohes Lebensniveau zu erringen vermochte, stellen einen gewaltigen Konsumtionsfaktor dar, der den Absatz der Landesproduktion sicherlich zu erleichtern geeignet ist. Eine Mobilisierung der Arbeiterschaft in dieser Beziehung erscheint um so dringender, als manche Zweige der aufstrebenden palästinensischen Industrie (in erster Reihe die Textil- und die Bekleidungsindustrie) durch den ausländischen Dumping schwer getroffen worden sind und in manchen Fällen bereits verzweifelt um ihre Existenz zu kämpfen haben. Ein großer Teil der Arbeiterschaft hat bisher seine Aufgaben in dieser Beziehung nicht verstanden, sondern hat sich umgekehrt durch die vielfach billigeren Preise der ausländischen Waren dazu verleiten lassen, sich derselben zu bedienen. Jetzt soll diesem Übelstand ein Ende gemacht, der Konsum der Arbeiterschaft soll ausschließlich auf die Inlandproduktion übergeleitet werden. Auch in dieser Beziehung muß die Arbeiterschaft aus eigenen Stücken Aufgaben auf sich nehmen, die eigentlich der Regierung obliegen sollten, weil ja im Wege eines rationellen Zollschutzes sicherlich viel leichter viel mehr erlangt werden könnte, als durch eine Propaganda für den Kauf der Inlandware. Immerhin beginnt letztens diese Propaganda einen zentralen Platz im Leben der palästinensischen Arbeiterschaft einzunehmen. Es wird darauf hingewiesen, daß es in erster Reihe im Interesse der Arbeiterschaft selbst liege, bloß inländische Waren und auch inländische Materialien und Hilfsstoffe (besonders wichtig im Baugewerbe) zu benützen, da auf diese Weise Arbeitsstätten im Lande erhalten und ausgebaut werden können und weil dies auch ein Mittel sei, um einem Lohndruck vorzubeugen. Freilich sei dabei denjenigen Waren der Vorzug zu geben, die durch organisierte Arbeit hergestellt worden sind, weil eine auf nichtorganisierter lohndrückerischer Arbeit basierende Produktion nicht viel besser sei als die Auslandware. Charakteristisch bleibt es immerhin, daß die linksradikalen Elemente in der Histadruth sich dieser bereits seit einigen Monaten sehr intensiv geführten Propaganda für »Tozereth Haarez« kategorisch widersetzen» Laut ihrer Meinung ist bloß der eigentliche gewerkschaftliche Kampf das einzige Mittel, um die Lage des Arbeiters zu stabilisieren, beziehungsweise zu verbessern, alles andere habe keinen besonderen Wert und falle gar nicht in den Wirkungskreis der Histadruth. Doch ist es kaum anzunehmen, daß derartige Argumente sich durchsetzen werden. Vielmehr ist die Indolenz der Massen sowie die Sucht, sich die Waren zu einem billigeren Preis anzuschaffen, zu befürchten. Sollte es der Arbeiterschaft gelingen, diese Schwierigkeiten zu überwinden, so kann dies