Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1935)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. A.T.
- Date
- 1935-12-01
- Page
- Seite 678 (sequence 7)
- Language
- German
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sich sonst angesichts des Verbotes der Beschäftigung von Lohnarbeitern wohl kaum Rat schaffen könnten. Übrigens kommt eine zwangsweise Vergesellschaftung aller Siedler nicht in Frage, es soll auch der Minorität, die die Vergesellschaftung nicht will, die Möglichkeit gewahrt bleiben, ihrem ursprünglichen Lebensweg treu zu bleiben. Freilich dürfen dabei auch die Schattenseiten des Lebens und Wirkens im Moschaw Owdim nicht außer acht gelassen werden, die übrigens auch von den Führern der Bewegung selbst zugegeben werden. Mag auch der Gegensatz zwischen arm und reich hier unbekannt bleiben, die Tatsache gewisser Vermögensunterschiede bleibt doch aufrecht, ebenso die Tatsache, daß die Lage eines Siedlers, der in einem Moschaw Owdim in Not gerät, eine ungleich schwierigere ist als zum Beispiel in einer Kwuzah oder im Kibbuz, wo ja ein derartiger Fall überhaupt nicht möglich ist. Anderseits mag die mechanische Aufteilung der Gemeinschaftslasten, ohne auf die doch bestehenden Vermögensunterschiede Rücksicht zu nehmen, in manchen Fällen dazu führen, daß der wirtschaftlich Schwächere proportionell viel mehr zu tragen hat als die anderen Siedler. So machen zum Beispiel in dem von uns früher zitierten Fall des Kfar Jecheskiel die Steuern im Ausgabenbudget der wirtschaftlich schwächeren Elemente eine ziemlich bedeutende Position (bis 17.6% der Gesamtausgaben) aus, indes dieser Prozentsatz bei den Bessersituierten stark (bis 7.8) fällt. Beiden Mißständen muß abgeholfen werden, dem ersten durch Schaffung eines Hilfsfonds für die notleidenden Genossen, dem anderen durch progressive Staffelung der Steuern, um sie auf diese Weise dem Vermögensstand der einzelnen Siedler anzupassen. Gewisse Ansätze dazu sind bereits in den einzelnen Siedlungen gemacht worden (so zum Beispiel durch Schaffung eines gemeinsamen Notfonds für den Fall von Viehkrankheiten), doch ist das hauptsächlichste noch zu tun, und es werden gegenwärtig die Schritte erwogen, die zur Realisierung derartiger Gedanken führen könnten. Auch das Kultur- und Gemeinschaftsleben im Moschaw Owdim stellt ein ziemlich schwieriges Problem dar. In der Kwuzah oder im Kibbuz existiert dieses Problem angesichts des bis zum Maximum gesteigerten Zusammenlebens überhaupt nicht, in der Stadt sorgen für die Gemeinschaftserziehung das stark entwickelte Vereinswesen, die vielen Versammlungen und Referate, die politische und kulturelle Regsamkeit, die Arbeiterheime, die dem Arbeiter vieles zu bieten vermögen. Im Moschaw Owdim fehlt einerseits das ununterbrochene Zusammenwirken, es fehlt auch das starke gesellschaftliche Tempo des städtischen Arbeiterlebens. Die Gefahr eines kleinlichen Sichabschließens der einzelnen Wirtschaft, der Entstehung einer Kleinbauerneinstellung mit all ihren negativen Seiten ist hier also sehr eminent und tritt noch mehr hervor in den größeren Siedlungen, wo das einigende Moment des Zusammenlebens seit vielen Jahren fehlt, das für die kleineren Moschawim charakteristisch ist. Und gerade in den letzten Jahren sind derartige größere Siedlungen ins Leben gerufen worden, so zum Beispiel der größte Moschaw Owdim im Lande, Kfar Witkin im Emek Chef er (dem früheren Wadi Chawarit), wo 170 Arbeiterfamilien angesiedelt worden sind. Wie in derartigen Siedlungen ein reges Gemeinschaftsleben erzeugt und wie der lebendige Zusammenhang mit der Arbeiterbewegung erhalten bleiben soll, bleibt ein schweres Problem, dessen Lösung ein starkes Maß von Tatkraft und von Bewußtsein der Aufgaben verlangt, die vor der Arbeiterschaft stehen. Und noch eine schwere, übrigens einzigartige Frage, die in der letzten Zeit durch einen der führenden Köpfe der Bewegung, Schmuel Dajan aus Nahalal, erhoben wurde. Es wird im Moschaw zuviel gearbeitet. Noch vor dem Morgengrauen setzt die Arbeit ein, bis zum späten Abend dauert sie an. Ein zehnstündiger Abreitstag bleibt da ein unerreichbares Ideal, ebenso wie die Sabbatruhe kaum eingehalten werden