Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1935)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. A.T.
- Date
- 1935-12-01
- Page
- Seite 677 (sequence 6)
- Language
- German
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wirtschaftlichen Tüchtigkeit der Siedler, sie basieren in vielen Fällen vielmehr auf reinäußerlichen Tatsachen, so beispielsweise darauf, ob es dem Siedler gelungen ist, Kredit von nationalen Kolonisationsbehörden zu erlangen oder ob er auf den privaten, viel teureren und viel mehr drückenden Kredit angewiesen ist, des weiteren, ob es genug Arbeitshände in der Familie gibt, wie es mit ihrem Gesundheitszustand aussieht u. dgl. Immerhin sind die sich daraus ergebenden Vermögensunterschiede doch viel zu gering, um eine nennenswerte Kluft zwischen den einzelnen Siedlern zu bilden. Es gibt erstens in den Moschwe Owdim (wie natürlich auch in den anderen Arbeitersiedlungen) keine reichen Leute im üblichen Sinn des Wortes. Die bereits ziemlich lange Erfahrung der bisherigen Entwicklung hat es unwiderleglich bewiesen, daß die Arbeit in der eigenen Wirtschaft im Moschaw Owdim zwar eine mehr oder weniger gesicherte Existenz zu verschaffen, keineswegs aber zur Anhäufung nennenswerter Vermögensreserven zu führen vermag. So zeigte z. B. die genaue statistische Analyse eines wirtschaftlich gut fundierten, zum überwiegenden Teil auf nationalem Kapital aufgebauten Moschaw Owdim, des Kfar Jecheskiel (siehe darüber den ausführlichen Artikel in Nummer 11), daß dort auf die Gesamtzahl der 59 statistisch erfaßten Siedler in 20 Fällen überhaupt kein Überschuß der Einkünfte über die Ausgaben, sondern umgekehrt ein allerdings zumeist kleines Defizit zu verzeichnen war. In weiteren 22 Fällen glichen sich die Ausgaben mit den Einkünften fast aus und bloß in 17 Fällen wurde ein zumeist sehr bescheidener Überschuß erzielt, und zwar bloß in zwei Fällen in der Höhe von 35%, zumeist viel weniger. Die Gesamtsumme der Einkünfte der Siedlung in diesem Jahre (1934) betrug 20,287,5 £, die Gesamtsumme der Ausgaben 19,180,0, der Überschuß betrug also nur etwas mehr als 5%, wobei noch in Betracht gezogen werden muß, daß viele der Siedler neben ihrer landwirtschaftlichen Haupttätigkeit noch über Nebeneinkünfte verfügen, die in manchen Fällen eine beträchtliche Position (zwischen 30 und 60% der Gesamteinkünfte) ausmachen. So ist es denn auf diesem Wege sicherlich nicht möglich, selbst in den besten Konjunkturperioden ein größeres Vermögen anzusammeln, insbesondere wenn das Prinzip der Selbstarbeit des Siedlers strikte durchgeführt wird. Und da beginnt auch das zweite Argument des Moschaw Owdim, das vom sozialen Standpunkt sicherlich als eines der schlagendsten bezeichnet werden kann. Die Losung der Selbstarbeit wird hier mit der ganzen Entschiedenheit verwirklicht. Der Grundsatz, auf dem die Idee des Moschaw Owdim basiert: Eigene Arbeit des Siedlers, ohne Ausbeutung der fremden Hilfskraft, wird hier in allen Fällen peinlich, manchmal sogar zu peinlich beobachtet, selbst wenn dadurch für einzelne Wirtschaften schwere Sorgen entstehen. Ja nicht einmal landwirtschaftliche Lehrlinge werden hier aufgenommen, um ja nicht dem Prinzip untreu zu werden. Bloß für die einwandernde Jugend aus Deutschland wurde unter dem Druck der allgemeinen nationalen Solidarität eine Ausnahme gemacht, was jetzt übrigens wiederum rückgängig gemacht werden soll. Allerdings mag hier außer der sozialen Motivation in manchen Fällen auch der Wille mitspielen, das Ergebnis der eigenen Arbeit und bloß derselben zu sehen. In einem gewissen Gegensatz dazu steht allerdings das Bestreben, das hier als ein drittes Argument für die soziale Entwicklungsfähigkeit des Moschaw Owdim angeführt werden soll, und zwar die Vergesellschaftung gewisser Zweige der Produktion, die den Moschaw Owdim zum Teil dem Typus der Kwuzah näherbringt. So wird bereits in vielen Moschawim der Getreidebau gemeinsam geführt, es wird auch an eine Vergesellschaftung anderer Produktionszweige gedacht, so daß im Idealfall bloß die individuelle Konsumtion bleiben würde, auf die allerdings nicht verzichtet werden soll. An einer derartigen Vergesellschaftung sind naturgemäß in erster Reihe diejenigen Siedler (besonders alleinstehende Frauen) interessiert, die über wenig Arbeitskräfte verfügen und