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Palästina · 1935-12-01 · Heft 12 (Dezember 1935) · p. Seite 674

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Journal
Palästina
Volume
18 (1935)
Issue
Heft 12 (Dezember 1935)
Article
Arbeiterbewegung. Von Dr. A.T.
Date
1935-12-01
Page
Seite 674 (sequence 3)
Language
German
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der Eltern ermöglicht wird. Auch wird auf das Zusammenleben und die gegenseitige Hilfe der Kinder viel Wert gelegt^ die Kinder bleiben länger zusammen, nehmen auch eine, oft sogar zwei Mahlzeiten in der Schule ein. Im Zusammenhang damit wird auch versucht, die Beziehungen zwischen Lehrern und Kindern in den Schulen anders zu gestalten, als es sonst der Fall ist, insbesondere den Geist der Kameradschaftlichkeit und des gegenseitigen Vertrauens an Stelle von Disziplin und Unterordnung zu setzen. In den Arbeiterschulen wurde auch zum erstenmal der Versuch gemacht, besondere Erziehungshäuser zu gründen, was dann auch von dem allgemeinen Schulwesen nachgeahmt wurde. Natürlich nimmt auch die nationale Arbeitsideologie einen bedeutenden Platz im Lehrprogramm der Schulen ein. Ganz besonders kommen hiefür die höheren Fortbildungsschulen in Betracht, deren es gegenwärtig drei im Lande gibt und in denen die heranwachsende Jugend aus verschiedensten Siedlungen konzentriert wird. Neben diesen allgemeinen Fragen des Arbeiterschulwesens fehlt es freilich nicht an anderen, die durch die spezifischen Verhältnisse innerhalb der einzelnen Bevölkerungsgruppen gegeben sind. So sind z. B. die Kinder der jemenitischen, sowie überhaupt der orientalischen jüdischen Arbeiter anders zu behandeln, als die in den sonstigen Arbeitersiedlungen. Hier müssen den Kindern zunächst die elementarsten Grundsätze der Reinlichkeit, der Hygiene, des geordneten Zusammenlebens beigebracht, es muß gegen die Unterernährung der Kinder angekämpft werden, was naturgemäß selbst vom finanziellen Standpunkt aus größere Anforderungen an die Schule stellt. Ein ganz besonderes Problem stellt die Erziehung der arbeitenden Jugend dar, also desjenigen Teiles der Jugend, der unter dem Drucke der wirtschaftlichen Not gezwungen ist, bereits im frühen Alter in der Lohnarbeit eine Erwerbsquelle zu suchen. Wie dieser Jugend trotz der Ungunst der äußerlichen Verhältnisse die nötige Bildung beigebracht und ihr ermöglicht werden soll, sich gleichzeitig als Jugend auszuleben, ist ein überaus kompliziertes und schweres Problem,. an dessen Lösung fleißig und mit Erfolg gearbeitet wird. Viel hilft dabei die Organisation dieser Jugend, die heute bereits 5000 Mitglieder zählt und eine rege Tätigkeit entwickelt, viel auch die Histadruth, deren Jugendamt besondere Erziehungslager für diese Jugend organisiert und auch besondere Schriften für sie herausgibt. Eine wichtige Rolle spielt auch die Gewerbeschule der Histadruth in Tel Aviv, wo sehr viele Lehrlinge ihre Fortbildung suchen. Der Erfolg des Arbeiterschulwesens hängt freilich im großen Maße von den Lehrkräften ab, die hier vor ganz besonders schwierigen Aufgaben stehen, da sie sowohl die technischen Schwierigkeiten der kleinen Kinderzahl in den Siedlungen (so hat mancher Lehrer mehrere Klassen zu führen) zu überwinden, als auch das spezifische Lehrprogramm intuitiv zu erfassen haben. Bisher gab es keine besondere Lehrerbildungsanstalt für die Arbeiterschulen, die Lehrkräfte wurden entweder aus den allgemeinen Lehrerseminaren im Lande oder aus dem Auslande gebracht. Erst jetzt wird sowohl im Zusammenhang mit der stark vergrößerten Nachfrage nach Lehrkräften, als auch aus der Erkenntnis heraus, daß ohne eine entsprechende Vorbildung des Lehrers die die volle Realisierung des besonderen Programms der Schulen nicht möglich sein wird, an die Gründung einer derartigen Anstalt gedacht, wobei als Zöglinge möglichst junge Arbeiter herangezogen werden sollen, die mehr geeignet sind, den spezifischen Charakter der Schulen zu wahren und zu stärken. In einer derartigen Anstalt könnten auch die Zöglinge allgemeiner Lehrerseminare ihre Fortbildung genießen, um ihren Aufgaben in den Arbeiterschulen gerecht werden zu können. Die Notwendigkeit der Gründung dieser Anstalt wird umso dringender empfunden, als ihre Zöglinge nicht bloß als Lehrer in den Schulen, sondern auch als Führer des Bildungswerkes unter den erwachsenen Arbeitern dienen sollen.

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