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Palästina · 1935-12-01 · Heft 12 (Dezember 1935) · p. Seite 673

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Journal
Palästina
Volume
18 (1935)
Issue
Heft 12 (Dezember 1935)
Article
Arbeiterbewegung. Von Dr. A.T.
Date
1935-12-01
Page
Seite 673 (sequence 2)
Language
German
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unvereinbar erklärt. Nach einer lebhaften Polemik in der Presse kam es dann zu einer großen Auseinandersetzung über diese Frage in der Sitzung des Waad Leumi am 3. Juli d. J. Seitens der Vertreter der bürgerlichen Gruppierungen, denen sich auch der Misrachi anschloß, wurde in erster Reihe der Vorwurf erhoben, daß dieses nunmehr öffentlich sanktionierte besondere Erziehungsprogramm der Arbeiterschulen dazu führen müsse, die Gegensätze im Jischub zu steigern und zu petrifizieren. Man dürfe den Kindern die sozialen Anschauungen der älteren Generation nicht künstlich einimpfen. Auch gehe es nicht an, die Arbeiterfeiertage mit den allgemeinen nationalen Festen gleichzustellen. Die Vertreter der Arbeiterschaft wiesen in Beantwortung dieser Angriffe auf das in der allgemeinen Konstitution der Knesseth Israel allen Bevölkerungsteilen gewährleistete Recht hin, ihr Kulturleben frei zu bestimmen. Es existiere kein Begriff einer allgemeinen jüdischen Erziehung und niemand sei berechtigt, sich als der patentierte und vom Volk eingesetzte Lehrer und Erzieher zu betrachten. Wenn es keine Autonomie des Arbeiterschulwesens geben würde, so würde leicht eine unmögliche Situation entstehen. Wie könnte man da Arbeiterkinder zusammen mit den Kindern derjenigen Leute unterrichten lassen, die die jüdische Arbeit im Lande boykottieren? Wie wäre es dann möglich, das Postulat der nationalen Arbeit als etwas Grundlegendes hinzustellen oder gar die nationale Ideologie der jüdischen Arbeit zum Ausdruck bringen? Komme es doch schon heute vor, daß Lehrer in den sogenannten allgemeinen Schulen, die die Kinder mit diesen Grundsätzen vertraut zu machen suchen, dafür gemaßregelt werden. Übrigens sei dieser Kampf gegen die Autonomie des Arbeiterschulwesens nur eine Fortsetzung der allgemeinen Front gegen die jüdische Arbeiterbewegung seitens gewisser bürgerlicher Elemente. Man wolle den Arbeiterkindern verbieten, die Arbeiterfeste zu feiern und die Arbeiterfahne zu hissen, weil man überhaupt ein Gegner dieser Symbolik sei. So könne denn die Arbeiterschaft auf ihr Recht, eigene Schulen zu haben, keineswegs verzichten. Man mag sich nun zu dieser Auseinandersetzung verhalten, wie man will, es unterliegt keinem Zweifel, daß die Bedingungen in Palästina doch anders liegen als in den Galuthländern, wo auch vielfach, doch ohne besonderen Erfolg versucht wurde, jüdische Arbeiterschulen ins Leben zu rufen. Die im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes entstandenen Gegensätze sind sicherlich sehr real und müssen auch im Erziehungswesen irgendwie zum Ausdruck kommen. Eine andere Frage ist es freilich, wie dieses besondere Erziehungsprogramm der Arbeiterschulen realisiert werden soll und da gibt es viele Schwierigkeiten zu überwinden. Das Programm als solches, soweit es sich auf die einzelnen Gegenstände beziehen soll, ist bis zum heutigen Tage noch nicht ausgearbeitet worden und selbst die allgemeinen Richtlinien werden erst jetzt festgelegt. Klar ist, daß der nationale Charakter des Schulwesens streng gewahrt werden soll. So nimmt z. B. der Bibelunterricht einen bedeutenden Platz im Lehrprogramm dieser Schulen ein, wobei allerdings mehr die sprachlichen und sozialen, sowie die allgemeinen Kulturseiten dieses Unterrichtes betont werden. Darüber hinaus bleibt aber manches noch festzustellen und das Problem kompliziert sich besonders in den städtischen Arbeiterschulen, wo die Umgebung dem Charakter des Schulwesens nur wenig entspricht, indes in den Arbeitersiedlungen die spezifische Atmosphäre derselben und der allgemeine Charakter des Lebens die Aufgabe bedeutend erleichtert. Im allgemeinen wird das Arbeitsmoment im Lehrprogramm der Schulen stark betont. Die Kinder arbeiten oft in der Schule selbst (in manchen Schulen obliegt ihnen auch die Aufrechterhaltung der Ordnung in der Schule, Reinhaltung der Lehrzimmer, sowie Führung der Schulküche, soweit eine solche existiert), in vielen Schulen wird auch der Unterricht derart organisiert, daß den Kindern die Mitarbeit zu Hause im Betriebe

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