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Palästina · 1935-12-01 · Heft 12 (Dezember 1935) · p. Seite 664

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
18 (1935)
Issue
Heft 12 (Dezember 1935)
Article
Palästinensische Schiffahrt
Date
1935-12-01
Page
Seite 664 (sequence 9)
Language
German
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ermöglichen. Es wird stets vom Kai zum Schiff gearbeitet und die Güterbewegung vom Kai zum Güterschuppen erfolgt durch arabische und zum kleineren Teil durch jüdische Arbeiter. Die Anbordnahme und Herausgabe von Gütern erfolgt ausschließlich mit Bordmitteln und die Kräne dienen fast nur zur Bearbeitung der Leichter. Infolge der ungenügenden Kailänge liegt fast stets eine Reihe von Schiffen an der Mole verankert und wird mittels Leichtern (von 50 bis 200 Tons) beladen und entlöscht. Im ganzen sind etwa 100 Leichter vorhanden, von denen etwa ein Drittel in jüdischen Händen ist, nämlich der Lighterage and Supply Company gehört, welche auch einen Schwimmkran von 30 Tons erworben hat und im ersten Jahre ihres Bestehens mit sehr großem Erfolg arbeiten konnte. Ein Anwachsen der jüdischen Leichterflotte ist in nächster Zeit zu erwarten. Indessen dürfte für die Zeit der Orangensaison die Anzahl der verfügbaren Leichter nicht ausreichen. Für die Bergung und Hilfeleistung bei havarierten Schiffen ist von privater Seite nicht gesorgt, jedoch sind die beiden im Hafen von Haifa liegenden Regierungsschlepper auch als Bergungsschiffe ausgerüstet und übernehmen außerdem die Versorgung der im Hafen liegenden Schiffe mit Frischwasser. Ferner sind im Hafen von Haifa zwei Taucher tätig, von denen der eine lediglich im Dienste der Irak Petroleum Company tätig ist. Dockgelegenheit ist in Haifa nicht vorhanden, doch kann damit gerechnet werden, daß die Regierung an diesem Flottenstützpunkt in absehbarer Zeit ein Schwimmdock stationiert sowie eine für die Schiffahrt sehr erwünschte moderne Reparaturwerkstatt. Für Jaffa kommen derartige Anlagen wegen der ungünstigen Küstenlage nicht in Betracht. Endlich sei erwähnt, daß seit etwa einem Jahre in Haifa die jüdische Firma »Transmarine Ltd.« als einzige ihrer Art in Palästina den Handel mit technischem Schiffsbedarf aller Art betreibt. Wenig entwickelt ist bisher das palästinensische Seerecht. Die Basis desselben ist einstweilen noch der Code de Commerce Maritime von 1863, welcher nach französischem Muster in der Türkei galt und von Palästina bei der Loslösung übernommen wurde. Dieses Gesetz ist natürlich heute weit überholt und eine palästinensische Rechtsprechung in Seesachen gibt es kaum. Das Institut der Schiffshypothek ist dem Gesetz nicht bekannt, wodurch die Kreditwirtschaft der Reedereien sehr erschwert ist. Wünschenswert wäre die Wiedereinführung dieses Instituts, welches dem früheren türkischen Recht bekannt war. Natürlich sind Hafenordnungen und eine große Reihe von Ergänzungsverordnungen erlassen worden, welche den lokalen Hafenverkehr regeln. Durch sie ist insbesondere auch die Frage der Schiffsregistrierung gelöst und damit die Möglichkeit palästinensischer Flaggenführung eröffnet worden. Die in Palästina registrierten Schiffe führen am Vormast den Union Jack, am Großmast die Hausflagge und im Stander die eigentliche palästinensische Handelsflagge (rote Flagge mit Union Jack als Gösch und einem weißen Kreis mit dem Wort »Palestine«). Die Ausbildung von Schiffspersonal ist bisher noch nicht endgültig geregelt, doch ist die Möglichkeit gegeben, daß Kapitän und Offiziere vor einer gemischten Kommission eine Prüfung ablegen, um auf palästinensischen Schiffen im gleichen Range tätig sein zu können. An jüdischen Seeleuten (mit Ausnahme von Maschinenpersonal) fehlt es nicht, und wenn erst die Ausbildungsfrage und damit die Möglichkeit des Aufrückens in gehobene Stellungen klargestellt sein wird, kann damit gerechnet werden, daß palästi-

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