Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1935)
- Article
- Palästinensische Schiffahrt
- Date
- 1935-12-01
- Page
- Seite 660 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 1× ep/1047930
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Aber es sind auch noch spezielle Umstände, welche Palästina zu einer ungünstigen Basis für die Überseefrachtfahrt macht. Zunächst sei darauf hingewiesen, $laß, wirtschaftspolitisch gesehen, die Ausmündüng der Pipe-Line vom Irak der Schiffahrt keinen nennenswerten Vorteil bringt. Die zahlreichen Tankschiffe, welche Haifa anlaufen, können darüber nicht hinwegtäuschen, daß der Handel mit Öl von der Bohrung über die Pipe-Line und das Tankschiff bis zu den Kleinverkaufsstellen stark vertrustet ist und dem lokalen Handel eine Verdienstmöglichkeit nicht gewährt. Von Bedeutung wird die Pipe-Line für die Schiffahrt nur insofern, als sie Haifa zu einem Öl-Tankhafen und zu einer guten Basis für ölfeuernde oder Motorschiffe machen wird, wofür allerdings die Eröffnung der geplanten Raffinerie Voraussetzung ist. Vielleicht wird Haifa sich auch zu einer Verteilungsstelle für Öle entwickeln, welche die kleineren Häfen des östlichen Mittelmeeres mit Ölprodukten versieht« Hier liegt der Ansatz zu einer Ölküstenfahrt mit kleinen Tankschiffen, die gleichzeitig darauf eingerichtet sind, auch Öl in Fässern zu befördern. Das grundlegende Problem einer palästinensischen Überseefrachtfahrt aber ist die Frage der Rückfracht. Es ist bekannt, daß der palästinensische Export nur etwa ein Fünftel des Imports ausmacht. Diese Zahl ergibt sich allerdings bei wertmäßiger Gegenüberstellung, die, wie -erwähnt, in Schiffahrtsfragen keine Rolle spielt. Aber bei gewichtsmäßiger Berechnung ergibt sich wahrscheinlich ein noch ungünstigeres Verhältnis. Die Produktion von Exportgütern ist nicht derartig, daß in absehbarer Zeit hier ein Gleichgewicht erwartet werden kann. Außer dem Export von Orangen sind nur einige Produkte der Palestine Potash Company und der Ölindustrie Shemen exportfähig. Die übrige Industrie arbeitet zum ganz überwiegenden Teil für den Bedarf des Landes. Die Folge davon ist, daß, mit dürren Worten gesagt, die Schiffe mit viel Fracht ankommen und mit wenig Fracht ausgehen. Eine palästinensische Frachtschiff-Flotte würde ihre Schwierigkeiten entsprechend bei der Hinfahrt finden, während sie Rückfracht im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten erhalten kann. Dies gilt in besonderem Maße von der Trampschiffahrt, die gewöhnlich unter ungünstigeren Bedingungen arbeitet als die Linienfrachtfahrt, weil Massengüter überwiegend Einfuhrgüter sind und für Palästina eine Beteiligung von Trampdampfern an der Orangenfahrt nach deren Organisation und den Qualitäten der Trampschiffe kaum in Frage kommt. Überhaupt spielt die Orangenfrachtfahrt von Palästina aus eine besondere Rolle. Sie ist ein Saisongeschäft von etwa 5 Monaten Dauer im Jahre und wird heute ausschließlich von nichtpalästinensischen Schiffen ausgeführt. Es liegt nahe, den Wunsch auszusprechen, daß diese typisch palästinensischen Landesprodukte auch von palästinensischen Schiffen in die Welt getragen würden. Einstweilen haben die Orangenverlader Abfahrtsverträge mit ausländischen Gesellschaften und bezahlen für die Beförderung jeder Kiste einen bestimmten Satz. Die Charterung von Schiffen ist im allgemeinen nicht üblich. Dagegen meldeten die Zeitungen kürzlich, daß ein Spezial- Fruchtschiff, dem mehrere andere folgen sollen, für die Palästina-Fahrt in Norwegen gebaut und vom Stapel gelaufen ist. Ob dieses Schiff den Anfang einer palästinensischen Orangenflotte bilden soll, ergab sich aus den Meldungen nicht, doch scheint eine Form gefunden zu sein, welche den späteren Übergang dieser Schiffe in palästinensische Hände vorbereitet. Es ist zu begrüßen, daß durch die Einstellung von Spezial-Fruchtschiffen die Möglichkeit eröffnet wird, die palästinensischen Orangen sachgemäß zu verladen und